Guter (Lokal-)Journalismus sollte uns etwas wert sein

rnMeinung am Mittwoch

Wenn sie morgens ihre Zeitung aufschlägt, machte sich Gastautorin Kira Engel bisher in der Regel keine Gedanken darüber, wie es diese Zeitung auf ihren Frühstückstisch geschafft hat.

von Kira Engel

Lünen

, 15.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeitung ist einfach da, so wie mein Müsli und der Kaffee. Und während ich meinen Kaffee genieße, finde ich auf den ersten Seiten manche Nachrichten, die ich schon kenne und dazu Hintergründe zu den Nachrichten, die ich noch nicht kenne.

Der Lokalteil weckt dann mein Interesse. Was geschieht um mich herum? Gibt es Pläne für neue Projekte oder haben irgendwo Baumaßnahmen begonnen? Welche Ratsbeschlüsse gab es und welche Auswirkungen haben die auf meinen Alltag? Wie kam die letzte Theater-Aufführung an oder gibt es Hinweise auf kommende Veranstaltungen, die mich interessieren?

Gastautorin Kira Engel ist Pfarrerin.
Guter (Lokal-)Journalismus sollte uns etwas wert sein

Gastautorin Kira Engel. © Quiring-Lategahn

Als ich letzte Woche bei der Feier zum 150-jährigen Jubiläum des Medienhauses Lensing Media zu Gast sein durfte, habe ich eindrücklich erlebt, was alles hinter den Seiten Lokalteil steckt, die mich in der Zeitung wirklich interessieren. Es braucht Journalistinnen und Journalisten, die sich neugierig und gleichzeitig neutral einer Sache widmen und so auch im Kleinen große Geschichten finden. Es braucht eine Redaktion, die die interessanten und relevanten Themen herausfiltert. Und eine Infrastruktur von Druckerei und Verteiler, damit die Zeitung pünktlich und zuverlässig morgens im Briefkasten auf mich wartet.

Lokalnachrichten betreffen uns direkt

Schon beeindruckend, was alles an meiner morgendlichen Zeitungslektüre hängt.

Ich möchte an dieser Stelle allerdings keine Werbung für das Medium machen, in der dieser Text erscheinen darf. Aber für Zeitungen und Lokaljournalismus im Allgemeinen. Es würde uns viel fehlen, wenn in Zeitungen, im Radio, in Blogs oder Magazinen nicht über das berichtet würde, was sich genau vor unserer Haustür abspielt.

Ich halte diese „kleinen“ Nachrichten für ebenso wichtig wie die „großen“ aus der ganzen Welt. Denn während jene Nachrichten sich oft irgendwo weit weg ereignen und uns meist wenig Möglichkeiten bieten, aktiv in das Geschehen einzugreifen, betreffen Lokalnachrichten uns direkt.

Wer morgens über die Straßensperrung liest, kann nachmittags einen anderen Weg wählen. Wer einen Bericht über die Sorgen des örtlichen Tierheims hört, kann sich am nächsten Wochenende dort vorstellen und Hilfe anbieten.

Journalismus sollte viele Menschen vor Ort bewegen

Bleibt die Frage, wie wir an solche Nachrichten kommen. Bleibt es zukünftig bei der Papierform? Wie gelangen wir an die Inhalte im Internet?

Guter (Lokal)Journalismus sollte uns etwas wert sein. Gleichzeitig muss er bequem, unkompliziert und für jeden Geldbeutel erreichbar sein. Das würde ich mir wünschen, damit er auch in Zukunft möglichst viele Menschen vor Ort bewegen kann.

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