Handwerksbetriebe in Frauenhand: Wie Lüner Chefinnen ihre Arbeit sehen

rnFrauen im Handwerk

Jeder vierte Handwerksbetrieb in der Umgebung wird von Frauen geführt - das Klischee, dass das Handwerk Männersache ist, ist längst überholt. Ein Blick auf zwei Lüner Betriebe in Frauenhand.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 30.08.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Sabine Bohle-Lükhoff in ihrer Zeit als Raumausstatter-Gesellin an der Tür ihrer Kunden schellte, schlug ihr das ein oder andere Mal Verwunderung entgegen - obwohl sie zu dem Zeitpunkt bereits für den Lüner Raumausstatter Steinweg arbeitete und ihre Ausbildung dort bereits hinter sich hatte. „Ein typischer Satz war dann immer: Kommt da noch wer?“, erinnert sich Bohle-Lükhoff lächelnd. Einer Frau allein traute man die Arbeit offenbar nicht immer zu.

Frauen im Handwerk keine Seltenheit mehr

Das war in den 1980ern - und Frauen im Handwerk damals noch eine Seltenheit. Doch die Zeiten haben sich geändert: Immer mehr Frauen ergreifen den Karriereweg Handwerk. Und nicht nur das: Immer mehr Frauen leiten sogar Handwerksbetriebe. Laut Handwerkskammer Dortmund, die auch für Lünen zuständig ist, hat rund jeder vierte Betrieb in ihrem Bezirk eine weibliche Führungskraft. Die Zahl der Unternehmen mit Frauen als Inhaberin sei in den vergangenen zehn Jahren beständig gestiegen.

Eine davon ist jetzt Sabine Bohle-Lükhoff. Mittlerweile betreibt sie seit 16 Jahren den Raumausstatter „Bohle – Raum trifft Ausstattung“ an der Münsterstraße. „Mein Job ist einfach sehr abwechslungsreich: Ich kann kreativ sein, habe viel mit Menschen zu tun und kann Kunden wirklich glücklich machen“, erzählt sie. Und: Sie kann ihre Vorliebe für handwerkliches Arbeiten ausleben - die hatte sie damals darauf gebracht, den Beruf der Raumausstatterin zu lernen.

Eigentlicher Berufswunsch: Tischlerin

„Eigentlich wollte ich Tischlerin werden, aber die meisten Betriebe wollten nur Lehrlinge über 18 mit Führerschein einstellen - und ich war jünger. Mein Lehrer hatte dann den Kontakt zum Raumausstatter Steinweg hergestellt. Er konnte sich vorstellen, dass das auch was für mich wäre“, so Bohle-Lükhoff. Ihr Lehrer sollte Recht behalten: Sie fand Gefallen an dem Job, machte ihre Ausbildung, wurde Gesellin und gründete schließlich nach Arbeitsstationen in Selm und Münster den Laden in Lünen. Dass der Job auch körperlich beanspruchend sein kann - Teppiche rausreißen, Polster schleppen und mehr - schreckte sie nicht ab. Mittlerweile übernimmt aber ihr Mann in der Regel die körperlich schwere Arbeit.

Irina Möcke leitet das gleichnamige Bestattungshaus.

Irina Möcke leitet das gleichnamige Bestattungshaus. © Beimdiecke

Körperliche Arbeit gehört im Handwerk fast überall dazu. Das weiß auch Irina Möcke, Leiterin des gleichnamigen Bestattungshauses an der Seelhuve. „Die Arbeit als Bestatterin ist schwer - allerdings nicht nur körperlich, sondern auch psychisch“, berichtet Möcke. Eine wichtige Aufgabe sei, den Erwartungen der Angehörigen gerecht zu werden, was manchmal kompliziert sei. Trotzdem sagt sie: „Bestatterin zu sein ist für mich kein Job, sondern eine Berufung.“

Erst andere Berufe gelernt

Auf das Berufsbild aufmerksam wurde sie durch ihre Eltern: Ihnen gehörte das Bestattungshaus, bis es ihnen Irina Möcke vor zwei Jahren abkaufte. Obwohl ihr schon relativ früh klar war, dass sie als Bestatterin arbeiten möchte, lernte sie erst zwei andere Berufe - aus gutem Grund: „Als ich meine Ausbildung machen wollte, war Bestatterin noch kein Ausbildungsberuf. Ich habe dann stattdessen eine Ausbildung als Steuerfachgehilfin und eine Ausbildung zur Friseurin gemacht, um einerseits alles für die Bürokratie und andererseits ein Handwerk zu lernen“, erzählt sie. Anschließend stieg sie dann in den Betrieb ihrer Eltern ein und lernte dort das, was es als Bestatterin braucht.

Diesen Betrieb führt sie mittlerweile - und ist Chefin von zwei Mitarbeiterinnen und drei Mitarbeitern. „Ich finde es gut, dass wir ein ausgeglichenes Team haben. Frauen sind oft in Bereichen stark in denen Männer schwächer sind - und andersherum.“ Dementsprechend ist ihr Rat für junge Frauen, die ins Handwerk streben: Man soll den Berufswunsch nicht vom Geschlecht abhängig machen. Denn: „Die Arbeit muss zur Person passen und nicht zum Geschlecht.“

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