Handy-Ortung bringt Angeklagte ins Schwitzen

Einbrüche in Kindergärten

LÜNEN Im Prozess gegen drei aus Lünen und Dortmund stammende Mitglieder einer Einbrecherbande, die sich vor allem auf Pfarrheime, Kindergärten und Schulen spezialisiert hatte, haben sich die Richter des Landgerichts Münster gestern zu Experten in Handyortungs-Fragen ausbilden lassen.

von Von Martin von Braunschweig

, 28.10.2009, 18:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
In einem zweitägigen Strafprozess musste sich der junge Werner gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft verteidigen.

In einem zweitägigen Strafprozess musste sich der junge Werner gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft verteidigen.

Die Angeklagten sollen auf ihren nächtlichen Beutezügen zwischen 2004 und 2008 unter anderem Schulen und Kindergärten in Selm, Südkirchen und Olfen ausgeräumt haben. Insgesamt stahlen sie laut Anklage Geld und Wertsachen für über 200.000 Euro. Der bei den Einbrüchen angerichtete Sachschaden soll sich auf weitere mindestens 400.000 Euro belaufen. Von einem schnellen Prozess-Ende scheinen die Richter trotz der zuletzt erfolgten Geständnisse der Angeklagten weit entfernt. Grund: Vor allem der Lüner Kopf der Bande kann sich angesichts der Vielzahl der Taten längst nicht an alle Einbrüche erinnern. Und bei einigen ist er sich sogar sicher, dass ihm die Anklageschrift die Tat eines Trittbrett-Fahrers unterschieben will.

Trotz eindeutiger Indizien beharrte der 48-Jährige gestern darauf, niemals in einen Kindergarten in Münster-Kinderhaus eingestiegen zu sein. „Die Gegend war mir einfach zu asozial, da sind wir gar nicht erst ausgestiegen“, sagte der Angeklagte den Richtern. Und das, obwohl der Sachverständige jedoch eindeutig nachwies, dass die Angeklagten zur damaligen Tatzeit exakt in der Handy-Wabe des Kindergartens telefoniert hatten. Der Richter stellte lapidar fest: „Dann haben sie also nebeneinander im Auto gesessen und sich am Telefon miteinander unterhalten...“

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