Hass gegen Leipzig: So denken Lüner BVB-Fans

Ausschreitungen beim Fußball

Die Bilder von den Ausschreitungen rund um das Bundesligaspiel Borussia Dortmund gegen RB Leipzig sorgen deutschlandweit für Entsetzen. Auch Mitglieder der fünf Lüner BVB-Fanclubs waren vor Ort - und haben die Gewalt teilweise hautnah miterlebt. Menschen wurden bespuckt, nach Kindern und Frauen wurde getreten.

LÜNEN/DORTMUND

, 07.02.2017, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fanclub Schwarzes Gold

Ralf K. ist Mitglied des Fanclubs und hat sich mit Bekannten wie üblich an der Straßenbahn getroffen. Dort gibt‘s ein erstes Bier, es wird gequatscht, und wenn gegnerische Fans vorbeikommen, wird auch schon mal gestichelt. Motto: „Lasst die Punkte hier, dann gibt es nachher auch ein Bier.“

Neben einem Leipziger Fan mit RB-Strickmütze lief er dann von dort frotzelnd in Richtung Stadion. „Wir haben noch gegrinst, da kommt auf einmal von links ein Vermummter an, packt den Leipzig-Fan am Kragen, spuckt ihm mitten ins Gesicht, reißt ihm den Fanschal ab und tritt in Richtung von Frau und Kindern“, erzählt K. Er selbst habe den „Möchtegern-Dortmunder“ dann gepackt und weggeschubst.

„Das war das unterste Niveau“, sagt er. Immer wieder seien auf dem restlichen Weg schwarz Gekleidete aus der Menge gekommen und hätten die Fans attackiert.

„Eine große Sauerei“, nennt das auch Friedhelm Stephan, Vorsitzender des Fanclubs. Auch er hat mitbekommen, dass Leipzig-Fans an der Bahn-Haltestelle beleidigt worden seien. „Es wurde auch etwas provoziert, aber ging größtenteils von Dortmundern aus“, sagt er.

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Fanclub Lünen-Alstedde

Schlimme Bilder seien das gewesen, meint Vorsitzender Paul Sawatzki. Persönlich habe er nichts mitbekommen, weil seine Gruppe immer den Süd-Eingang ins Stadion nehme, die Ausschreitungen fanden an der Nord-Seite statt: „Sowas geht gar nicht“, sagt er.

Und meint damit auch die verunglimpfenden Plakate, die später vor Anpfiff auf der Südtribüne hochgehalten wurden: „Das ist geschmacklos und durch nichts zu entschuldigen“, sagt Sawatzki. Ein entsprechendes Statement hat Sawatzki am Montag auf der Facebook-Seite des Fanclubs veröffentlicht.

Fanclub Schwarz-Gelbe Lüner

„Wir haben am Sonntag entsetzt die Berichte gelesen“, erklärt Michael Sögemeier, Vorsitzender des Fanclubs, „wir distanzieren uns komplett davon.“ Solche Aktionen „gehen gar nicht“ und zögen auch die nicht beteiligten Fanclubs „mit rein“. Klar sollte Kritik möglich sein, „aber wenn es in der Form wie mit einigen der Plakaten geschieht … da fehlen mir die Worte.“

Wichtig sei jetzt, dass BVB und Polizei die Täter ermittelten – denn in der jetzigen Situation stünden alle BVB-Fans am Pranger.

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Fanclub Trecker-Borussen

Er reise immer von der anderen Seite an und hätte die Gewalt nicht direkt mitbekommen, erklärt zweiter Vorsitzender Volker Gimpel. Dass diese Gewalt „absolut nicht in Ordnung sei“, sei logisch, das gleiche gelte für die Banner: „Dass man so etwas heute überhaupt noch mit ins Stadion nehmen darf…“

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Fanclub Revierkönige

"Auch wir distanzieren uns ausdrücklich von den Geschehnissen des vergangenen Samstag und verurteilen zutiefst das Geschehene", erklärt Reinhard Pastor. "Erschreckend und widerlich" seien die Aktionen gewesen. Direkt haben die Revierkönige nichts von den Ausschreitungen mitbekommen. "Wir reisen grundsätzlich von der Südseite an", so Pastor. 

 

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