Hermann Fischer baute das Gymnasium Altlünen auf

Erster Direktor

Als ihn der Kultusminister seinerzeit über den Ruhestand informierte, war Hermann Fischer ganz überrascht. Der erste Direktor des Gymnasiums Altlünen fühlte sich mit fast 65 Jahren noch mitten bei der Arbeit. Dabei war er schon 27 Jahre lang Leiter der Schule, die er aus dem Nichts aufgebaut hat.

LÜNEN

, 07.09.2017, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hermann Fischer erzählt mit seinen heute mit 86 Jahren immer noch begeistert von „seinem“ Gymnasium. Es liegt 15 Minuten zu Fuß von seinem Haus entfernt. Hier hängt ein künstlerisch gestaltetes Foto, das ihn an alte Zeiten erinnert. „Schöne“, wie er sagt. Denn in Altlünen konnte Hermann Fischer die Planungen von Anfang an begleiten. Zur damaligen Zeit war es etwas Besonderes, Mädchen und Jungen gemeinsam zu unterrichten.

Dass der Pädagoge mit den Fächern Latein und Geschichte damals keinen Pensionsschock bekommen hat, führt er auf einen glücklichen Umstand zurück. Die Uni Münster fragte bei ihm an, ob er Lateinkurse für Studenten anbieten könne. „Ich habe das gerne getan“, erzählt Fischer. Fünf Jahre lang fuhr er dreimal in der Woche in seine ehemalige Uni-Stadt und lehrte als Dozent in den Schloss-Räumen, in denen er einst als Student lernte. 

Mit 70 wurde Fischer ein "echter Pensionär"

Gerne hätte Hermann Fischer noch länger mit den jungen Leuten Cicero gelesen, doch eine Krankheit durchkreuzte seine Pläne. So wurde er mit 70 „echter“ Pensionär, aber auch nicht so ganz. Denn schon immer hat er sich politisch und sozial engagiert. 1996 übernahm er ehrenamtlich den Vorsitz des Caritasverbandes.

Während seiner Zeit wurde das Altenzentrum St. Norbert erweitert und Selm dem Caritasverband angegliedert. Reden halten, repräsentieren – eine Aufgabe, die er aus der Schule gewohnt war – führte er ehrenamtlich fort. „Ich habe mich verpflichtet gefühlt, mich gesellschaftlich einzubringen.“

1967 war das Glücksjahr von Hermann Fischer

Hermann Fischer zählt 1967 zu den Gründungsmitgliedern des Rotary Clubs Lünen-Werne und war Vorsitzender des Ortszirkels des Cartellverbands, einer katholischen Studentenvereinigung. Als Mitglied im Kuratorium des St.-Marien-Hospitals hat er den Neubau des heutigen Krankenhauses miterlebt. „Alle Aufgaben habe ich stets als Bereicherung empfunden“, sagt Fischer rückblickend.

 

 

Zu Hause forderte ihn sein großer Garten, den er 1967 beim Bau seines Hauses selbst angelegt hat. „1967 war mein Glücksjahr“, sagt Fischer, denn neben Schulneubau und Rotary-Gründung wurde er zum dritten Mal Vater.

Liebe für historische Literatur

Weil seine Kinder, die heute in New York, Dresden und Düsseldorf arbeiten, oft im Ausland waren, reiste das Ehepaar Fischer im Ruhestand viel durch die Welt. Beide waren lange in Südafrika, Amerika, Spanien und Australien. Dort haben sie sogar die erste Austausch-Schülerin des Gymnasiums Altlünen besucht, die 1973 bei ihnen zu Gast war.

In seinem Haus finden sich hohe Bücherwände, historische Literatur ist Fischers Lieblingslektüre. Besonders gerne liest er Biografien von Menschen der Weltgeschichte. „Mich interessiert, wie viel Einfluss sie nehmen konnten auf den Verlauf der Dinge und wie groß ihr Anteil an der heutigen Geschichte ist.“

„Ich hätte noch gerne weiter gemacht.“

Erst jüngst hat er die letzte Adenauer-Biografie gelesen oder „Vierzig Jahre“ von De Bruyn, ein Werk über einen Intellektuellen zu Zeiten der DDR-Diktatur.Darüber kann er genauso begeistert erzählen wie über „sein“ Gymnasium Altlünen, das zurzeit das 50-jährige Bestehen feiert. Hermann Fischer war mit der Schule quasi „verheiratet“ – bis zu seiner Pensionierung, die für ihn ganz plötzlich kam: „Ich hätte noch gerne weiter gemacht.“

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