Die Preise steigen auch in Lünen, hier ein Zwischenstand am Mittwoch gegen 13 Uhr an der HEM-Tankstelle. © Bastian Becker
Benzinkosten

Höchste Preise seit Jahren führen zu Schlangen an Lüner Tankstellen

Die Benzinpreise steigen stetig und liegen so hoch wie zuletzt 2013. Das ärgert Kunden und ändert das Tankverhalten. Auch die Pächter vor Ort freut die aktuelle Entwicklung eher nicht.

Tanken wird zurzeit immer teurer: Für einen Liter Super E10 müssen die Autofahrer derzeit im bundesweiten Mittel 1,61 Euro bezahlen. Noch stärker ist der Preis für Diesel gestiegen. Ein Liter kostet aktuell 1,48 Euro. Der Benzinpreis ist damit so hoch wie zuletzt im Jahr 2013.

Das betrifft auch Tankstellen in Lünen. Wer in den Herbstferien mit dem Auto in den Urlaub fahren will, muss zunächst tief in die Tasche greifen. An der HEM-Tankstelle an der Münsterstraße kostet der Liter Diesel am Mittwochmittag um 13 Uhr 1,469 Euro, für einen Liter Super müssen die Tankenden 1,619 Euro bezahlen. Laura Pollmeier, Pächterin der Tankstelle, nimmt in Gesprächen mit Kunden deren Unmut regelmäßig wahr. „Die Leute beschweren sich öfter und sagen, dass sie angesichts dieser Preise eigentlich gar nicht tanken dürften“, berichtet sie.

Starke Schwankungen ohne klares Muster

Eine deutliche Veränderung des Kaufverhaltens beobachtet Volker Bittner, Pächter der Oil-Tankstelle in Brambauer. „Die Kunden sind insgesamt zurückhaltender und tanken häufiger nur für 10 oder 15 Euro. Der Dieselpreis ist bei uns seit Anfang des Jahres um 20 Cent gestiegen“, stellt er fest. Außerdem verlagere sich ein Großteil des Geschäfts in den Nachmittag oder späten Abend. Dabei sei aus seiner Sicht nicht klar, zu welchen Zeiten die Preise wirklich am niedrigsten lägen: „Mal ist es morgens günstig, mal mittags, mal abends.“ Zwischen 15 und 18 Preisänderungen täglich gehen sofort digital in das System ein.

Das führt zu gewaltigen Schwankungen und teilweise zu plötzlichem Stau. „Letzte Woche standen hier alle an der Straße, da war der Preis für Super morgens 23 Cent niedriger als abends“, erinnert sich Siegfried Erdelhoff, Inhaber der BFT-Tankstelle an der Preußenstraße in Horstmar. Auch an der HEM-Tankstelle gab es laut Pollmeier schon kleinere Schlangen.

Weniger Umsatz und Zukunftssorgen

Von den höheren Preisen profitieren die Pächter finanziell nicht. „Ich erhalte seit 1999 die gleiche Provision, obwohl sich die Kosten verdoppelt haben. Wir müssen die Kosten über das Nebengeschäft reinholen, um wirtschaftlich zu bleiben“, erklärt Volker Bittner. Er macht sich Sorgen, dass immer mehr Fahrer auf Elektro-Autos umsteigen und nicht mehr vor Ort tanken.

Siegfried Erdelhoff beklagt Umsatzeinbußen durch das veränderte Tankverhalten.
Siegfried Erdelhoff beklagt Umsatzeinbußen durch das veränderte Tankverhalten. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

„Wir hatten in den letzten Wochen 20 Prozent weniger Umsatz. Und die Preise werden weiter steigen, dafür werden Politik und die beteiligten Verbände schon sorgen“, ist sich Siegfried Erdelhoff sicher. Diese Probleme hat die HEM-Tankstelle bislang nicht. Laura Pollmeier verweist auf die Kooperation mit der App Clever-Tanken. Diese berechtigt Nutzer der App dazu, in einem Umkreis von 5 Kilometern die Preise abzugleichen. Befindet sich eine HEM-Tankstelle darunter, so wird deren Preis auf den günstigsten Preis der Umgebung abgesenkt.

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Bastian Becker