Home-Schooling wird für alleinerziehende Lünerin zur Herausforderung

rnDigitalisierung

Aufgaben per Post und Unterricht auf dem Handy: Die Digitalisierung der Schule stellt eine alleinerziehende Mutter vor finanzielle Probleme. Die Lünerin berichtet von ihren Herausforderungen.

Lünen

, 17.11.2020, 13:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als ihr Sohn in Quarantäne muss, staunt die alleinerziehende Mutter aus Lünen nicht schlecht, als sie die Aufgaben für ihren Sohn mit der Post erhielt. Im Umschlag waren nicht etwa Arbeitsblätter, sondern ein Zettel mit einem Link, der sie online zu den Aufgaben führte. Aber: „Unter den Eltern der Klasse gibt es viele, die keinen Drucker haben, um die Arbeitsblätter auszudrucken.“

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Doch das ist nicht das Einzige, was die Lünerin stört. Zu Beginn des Schuljahres habe es eine Abfrage gegeben, welche Kinder Geräte bräuchten, auch die Lünerin hat in der Befragung ihren Bedarf angegeben. Der Alleinerziehenden steht nur ihr Dienstrechner zur Verfügung, den sie jedoch permanent im Homeoffice nutzt. Mangels iPad oder Laptop muss ihr Kind zurzeit alle Aufgaben am Handy lösen. Dass so den ganzen Tag Unterricht über eine Video-Plattform stattfinden kann, findet die Mutter nur schwer vorstellbar.

150 Geräte benötigt

Christian Gröne, Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, erklärt, wieso noch keine Geräte ausgegeben wurden: „Wir haben direkt zu Beginn des Schuljahres eine Umfrage gemacht.“ Circa 15 Prozent der Schüler seien nach dieser Befragung auf ein Gerät angewiesen. Bei rund 1000 Schülern sind das 150 Geräte, die zur Verfügung gestellt werden müssen. Doch der Schule sind die Hände gebunden: „Wir haben keine Geräte, die wir verteilen könnten.“ Von den vielen versprochenen Geräten seien zumindest an der GSG noch keine angekommen.

Auf der Internetseite der Schule werden zwar Geräte empfohlen, die Eltern sich aus privater Tasche kaufen können, aber mit 631 Euro ist selbst noch das billigere der beiden iPads für viele Eltern unbezahlbar. Auch die alleinerziehende Mutter findet den Preis vollkommen überzogen: „Das kann ich einfach nicht bezahlen.“ Ihr Versuch, privat ein Gerät zu beantragen, scheiterte.

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Für sie ist das Konzept des Home-Schooling gescheitert: „Mein Kind macht hier jeden Tag ein paar Aufgaben, aber nicht in jedem Fach, und es gibt keine Möglichkeit, Kontakt zu den Lehrern aufzunehmen.“ Schulleiter Gröne versichert auf Anfrage der Redaktion hingegen, dass alle Lehrer immer unter ihren Dienst-Mail-Adressen erreichbar seien.

Auch die Aufgaben in der Post kann der Schulleiter erklären. Wenn Eltern keine E-Mail-Adresse angeben würden, dann müssen die Aufgaben eben mit der Post kommen. In höheren Stufen arbeiteten die älteren Schüler fast ausschließlich mit dem Kommunikationsprogramm Teams.

Warum sie bei dem Anruf des Lehrers, dass ihr Sohn in Quarantäne muss, nicht nach ihrer Mail-Adresse gefragt wurde, bleibt für die Mutter ein Rätsel. Nachdem ihr Kind nun einige Zeit in Quarantäne war, steht für die Mutter fest: „Das ist so auf Dauer nicht machbar.“

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