Hund verletzt Reh: Jäger muss Muttertier töten und hat dringenden Appell

rnVorfall im Wald

Ein Hund hat am Wochenende im Lünener Süden ein Reh gehetzt und schwer verletzt, sodass ein Jäger das Tier töten musste. Der Jäger wendet sich danach mit einem emotionalen Video an den Halter.

Niederaden

, 02.08.2020, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Hund hat am Samstagmorgen in einem Wald an der Stadtgrenze von Lünen und Dortmund im Erlensundern ein Reh gehetzt. Mitarbeiter einer Baumschule, die dort arbeiteten, haben den Vorfall beobachtet und eilig einen Jäger zur Hilfe gerufen. Denn die Ricke brach sich bei der Flucht ein Hinterbein.

Julian Freisendorf folgte dem Hilferuf am Samstagmorgen. Der Landwirt aus Niederaden ist Jäger und hat im Erlensundern sein Revier. Er fand das schwer verletzte Reh. „Ich musste das Tier dann erlösen“, erzählt er in einem emotionalen Video, das er am Samstag bei Facebook gepostet hat.

Rehkitze könnten verhungern

Ein Reh könne man nicht zum Tierarzt bringen. Es hätte dort verletzt länger gelegen und gelitten, bis es gestorben wäre, sagt Julian Freisendorf im Gespräch mit der Redaktion. So blieb ihm nur, das Reh zu erschießen. Besonders tragisch: Bei dem Tier handelte es sich um eine „führende Ricke“, also ein Muttertier, das noch ein Kitz säugt.

Das Gesäuge des Rehs sei noch voller Milch gewesen, das habe man sehen können, erzählt Freisendorf, der in dem Facebook-Video noch aufgebracht ist. Ein oder zwei Kitze zieht das Reh groß. „Da weiß man jetzt, dass sie es wahrscheinlich nicht schaffen“, sagt Julien Freisendorf. Zu dieser Jahreszeit trinken die Kitze nicht mehr ausschließlich nur Muttermilch, sie fressen auch andere Dinge. Eine 50:50-Chance zu Überleben gibt der Jäger dem Jungtier.

„ Das tut mir schon weh“

„Es ist nichts schönes, am frühen Morgen so ein Tier erschießen zu müssen“, sagt der Landwirt. „Das tut mir schon weh.“ Er ärgert sich besonders, dass Jäger inzwischen häufig als „Mörder“ verschrien seien. Dabei lebten Jäger mit und in der Natur und achteten auf Regeln und dass sie kein Leid bei den Tieren verursachen. Wenn er ein Tier schieße, sei es sofort tot, müsse keine Todesangst und Schmerzen erleiden und werde zudem vollständig verwertet. „Dieser Tod und das Leiden waren jetzt total unnötig“, sagt Julian Freisendorf.



In seinem Video ruft Julian Freisendorf den Halter des Hundes dazu auf, sich bei ihm zu melden und über den Vorfall zu sprechen. Der Halter solle Verantwortung übernehmen, statt das Reh einfach seinem Schicksal zu überlassen. Bis zum Sonntagmittag ist der Hundehalter dem Appell von Freisendorf nicht gefolgt, hat sich nicht gemeldet.

Dass Hunde verbotenerweise im Wald Wild jagen, passiere leider immer häufiger, erzählt Julian Freisendorf. Jäger hätten schon Angst Hundehalter auf unangeleinte Tiere anzusprechen, sagt Freisendorf in seinem Video. Allerdings sagt er einen Tag, nachdem er die vier Minuten aufgenommen hat, auch, dass die Emotionen ihn ein wenig in schwarz und weiß haben reden lassen.

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„Es gibt auch sehr verantwortungsvolle Hundehalter“, stellt der Landwirt einen Tag später klar. Viele arbeiteten inzwischen mit langen Schleppleinen. So können die Hunde wie frei laufen, seien aber im Ernstfall unter Kontrolle, sollte der Jagdtrieb mit ihnen durchgehen. So wie es bei Jägern auch schwarze Schafe gäbe, die nicht die nötige Sorgfalt und Verantwortung trügen, gebe es auch bei Hundehaltern schwarze Schafe, so Freisendorf.

Nur auf Wegen und unter Aufsicht ohne Leine

In Nordrhein-Westfalen dürfen Hunde im Wald nur auf Geh- und Spazierwegen unangeleint unterwegs sein. Die Hundehalter haben allerdings eine Aufsichtspflicht. Läuft ein Hund unbeaufsichtigt im Wald oder auf Feldern herum und hetzt Wild nach - reißt womöglich ein Tier - ist das nach dem Landesjagdgesetz eine Ordnungswidrigkeit. Die kann mit einem Bußgeld bestraft werden.

Im Wiederholungsfall oder wenn der Hundehalter vorsätzlich handelt, handelt es sich um eine Straftat. Dafür sieht das Strafgesetz eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Werden Tiere verletzt oder getötet muss der Hundehalter den Jagdpächter auch finanziell entschädigen.

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