„Ich bin mittlerweile gelassener geworden“

rnLüner Bürgermeister Kleine-Frauns im Halbzeit-Interview

Halbzeit für Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns. Genau vor zweieinhalb Jahren, am 21. Oktober 2015, hatte der GFL-Kandidat die Geschäfte seines Vorgängers Hans Wilhelm Stodollick übernommen. Eine Zäsur für die Lippestadt, die jahrzehntelang sozialdemokratisch regiert worden war. Im Gespräch mit RN-Redakteur Marc Fröhling blickt er zurück und darauf, ob sein Name 2020 wieder auf dem Wahlzettel stehen wird.

Lünen

, 20.03.2018, 18:33 Uhr / Lesedauer: 8 min

Sie haben Kindern, die am Ruhr-Nachrichten-Projekt Schulticker teilnehmen, vor Monaten ein Interview gegeben. Dort sagten Sie, dass Sie sich nach Feierabend zu Hause lieber „von Komödien berieseln lassen“ als ein Buch zu lesen. Sind die Tage im Rathaus so anstrengend?

Ja. Die Tage im Rathaus sind allerdings so lang, dass man abends kaum noch die Zeit hat, sich noch eine ganze Komödie anzugucken. Man ist nach so einem Tag einfach geschafft, weil das eine herausfordernde Aufgabe ist. Tagsüber leitet man hier die Verwaltung, abends stehen noch Termine an, sodass man dann kaum noch die Zeit hat, anderthalb Stunden einen Film zu schauen.

Sie persönlich wohnen ja in der Victoria-Siedlung – unweit der Fläche, auf der das Land NRW eine Forensik bauen möchte. Die Stadt klagt dagegen, das Verfahren läuft noch. Würden Sie persönlich sich wünschen, dass dort keine Forensik gebaut wird?

Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Ich wohne dort sehr gerne – ob mit Forensik oder ohne. Für mein Lebensumfeld habe ich überhaupt gar kein Störgefühl mit einer Forensik. Ich glaube, dass auch in der Stadt im Laufe der letzten Jahre eine Stimmung entstanden ist, die durchaus die Notwendigkeit einer Forensik sieht. Es gibt ein Verständnis, dass diesen Menschen geholfen werden muss. Das Problem ist alleine der Standort, auf der Brache, mitten auf der Fläche, sodass drum herum keine andere Nutzung stattfinden kann. Damit steht sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem sozial sensiblen Quartier in der unteren Münsterstraße, das wir derzeit – auch mit Landesmitteln – zum Positiven entwickeln. Eine Forensik an der ursprünglich geplanten Stelle würde das konterkarieren.

Was ist schief gelaufen?

Es hätte eine andere Diskussion werden können, wenn das Land von Anfang an die Gesamtfläche gesehen hätte und versucht hätte, das Ganze sozial-verträglich zu gestalten. Aber diese Konfrontation hat die Leute überfordert und Ängste hervorgerufen. Das ist aber heute Schnee von gestern aus meiner Sicht. Ich habe vom ersten Monat an versucht, Kontakt mit dem Gesundheitsministerium aufzunehmen.

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Bilder aus der Karriere von Jürgen Kleine-Frauns

Ratsmitglied, Rechtsanwalt, Bürgermeister - Jürgen Kleine-Frauns hat in Lünen schon einiges erlebt. Die besten Bilder aus den vergangenen Jahren.
20.03.2018
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Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (m.) mit den Kinofestleitern Mike Wiedemann und Kathrin Bessert im Kino in den Hackeschen Höfen in Berlin, beim Kinofest-Empfang.© Günter Blaszczyk
Als Bürgermeister sprach er auch auf einer Demonstration.© Magdalene Quiring-Lategahn
Auf dem Kinofest überreichte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (v.l.) 2017 Regisseur Florian Schewe die Lüdia.© Günter Blaszczyk
Vorgänger Hans Wilhelm Stodollick und sein Nachfolger Jürgen Kleine-Frauns.© Paul Klur
"Sitzt die Amtskette?" scheint sich Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns zu fragen. © Günther Goldstein
Marianne Strauch (l.) erhielt von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (r.) den diesjährigen Ehrenamtspreis 2017 der Stadt Lünen für ihr langjähriges caritatives Engagement.© Foto: Beuckelmann
Bei der Wahlkampf-Diskussion 2015 im Hansesaal: Die Moderatoren Peter Fiedler (l.) und Thorsten Wagner (r.) stellten die Kandidaten einzeln vor. Hier im Gespräch mit Jürgen Kleine-Frauns (st.2.v.r.). Platz genommen haben schon Arno Feller (sitzend l.) und Rolf Möller (sitzend r.).© Günther Goldstein
Schon kurz nach den ersten Interviews waren Stodollick und Kleine-Frauns in ernste Gespräche vertieft.© Foto: Fröhling
So sahen die erfolgreichen Wahlplakat von Jürgen Kleine-Frauns.© Peter Fiedler
Ein Bild aus alten SPD-Tagen, in denen Kleine-Frauns noch SPD-Stadtverbandsvorsitzender wurd: SPD-Stadtverbandsvorsitzender Jürgen Kleine-Frauns, Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick, Stadtverbandsvize Bernd V. Köster und Fraktions-Vize Hugo Becker. Kleine-Frauns wechselte später zur GFL.
Wichtige Amtshandlung als Bürgermeister: Der Fassanstich beim Brunnenfest.© Foto: Beuckelmann
Erstes Bild aus dem neuen Büro im Rathaus.© Stadt Lünen
Von der 14. Etage des Rathauses aus hat Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns einen weiten Blick über Lünen. "Man sieht, wie grün Lünen ist", sagt er.© Stadt Lünen
Kurz nach Amtsantritt gings zum Karnevalsverein Ohne us geiht nich: Und Kleine-Frauns hatte sich als Luzifer verkleidet.© Foto: Goldstein

Jetzt gibt es ja Gespräche…

Ja, erst wollte das Ministerium nicht zuhören.

Das ist jetzt anders?

Ja, jetzt hört das Land zu. Wir hatten Gelegenheit, mit den Verantwortlichen zu sprechen. Ich glaube schon, dass der Ansatz richtig ist, die Victoria-Fläche als Ganzes zu betrachten. Ein komplettes Nutzungskonzept zu entwickeln. Es ist eine exponierte, stadtnahe Lage. Eine Fläche, die sich für gewerbliche und Wohnnutzung eignet. Wenn man alle Nutzungen zusammenbringt, ist es machbar, dass wir dort auch Raum haben für eine forensische Einrichtung.

Also Forensik, ja, aber an anderer Stelle – und den Rest dann gemeinsam entwickeln?

Ja, dieses Gesamtkonzept werden wir als Stadt nicht alleine umsetzen können, auch weil es dort unterschiedliche Eigentümer gibt, die RAG und die RWE. Es ist die Aufgabe der Stadt, Ideen zu entwickeln. Das haben wir gemacht, auch in Anlehnung an die Machbarkeitsstudie von April 2016. Dort gibt es auch ein Szenario, das beschreibt: Die Halde, Naherholung, dazu Gewerbe und Wohnbebauung und eine Forensik in Richtung Lippe. Das bringt alle Notwendigkeiten zusammen.

Gibt es diese konkreten Pläne jetzt schon?

Ja, wir haben diese Pläne mit den Eigentümern und dem Kreis weiter konkretisiert und möchten das jetzt dem Ministerium vorstellen. Die Ministerin für Kommunales, Ina Scharrenbach, hat uns ja auch aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Das hat hier auch viele Jahre gefehlt. Und das habe ich hier in den letzten zwei Jahren vorangetrieben.

Und sind dabei auf Widerstände gestoßen…

Das war nicht gerade einfach, vor allem nach der Bürgermeister-Wahl, weil es da auch ein Beäugen gibt. Mein Eindruck war, dass die Politik danach geguckt hat: Wer hat früher was gesagt und wo gestanden? Mein Eindruck war aber immer, dass es Entwicklungen in einer Stadt gibt, die so wichtig sind, dass man sie parteiübergreifend betrachten muss. Das gilt beim Thema Forensik in jedem Falle. Nur so kommt man zu Lösungen. Das erleichtert es auch, beim Land mit solchen Ideen voranzukommen. Für mich war es verständlich, dass das Land so reagiert hat, wie es reagiert hat, weil es keine einheitliche Linie aus Lünen gab. Lünen war in dieser Frage unberechenbar. Wir müssen für das Land wieder verlässlich sein.

Dennoch wird der rechtliche Weg weiter ausgeschöpft?

Es ging nie darum, den rechtlichen Weg auszuschöpfen, sondern darum, mit dem Land eine Einigung zu finden, sodass die rechtliche Angelegenheit nicht ausgetragen werden muss. Dass es in dem Prozess keiner abschließenden Entscheidung bedarf. Wir haben jetzt ein erstes Teilurteil, aber das ist nicht das Anliegen. Mein Anliegen ist, für die Fläche eine vernünftige Lösung zu finden. Und ich sehe mich da auch durch die Voten des Rates bestätigt.

Der Ratsbeschluss sagt ja dennoch, dass der Klageweg bis zu einer abschließenden Entscheidung beschritten werden soll – zur Verhinderung der Forensik.

Bei dem Ratsbeschluss geht es darum, sich eine Option zu wahren. Das Land hätte die eigenen Pläne schon lange umgesetzt, ohne unsere Interessen zu hören, wenn man diesen Klageweg nicht gegangen wäre.

Das hat Ihnen also einfach Zeit verschafft?

Ja natürlich. Die Überlegungen gingen natürlich dahin: Wenn die alte Landesregierung keine Gespräche führen will, kommt man nach der Landtagswahl mit einem anderen Minister egal welcher Partei möglicherweise zu einem anderen Ergebnis. Darauf hat man gesetzt, klar.

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Dann soll es das mit dem Thema Forensik gewesen sein. Sie haben zu Beginn der Amtszeit gesagt, dass die Politiker der unterlegenen Ratsfraktionen Ihnen keine Chance geben wollten. Hat sich das geändert?

Ich meine wohl, dass das besser geworden ist. Es war sicherlich auch für alle Fraktionen neu, dass da jemand als Bürgermeister gewählt ist, der eine Sonderstellung hat, die sich nicht aus seiner Parteizugehörigkeit ableitet. Eine Sonderstellung aus dem unbedingten Willen, die Anliegen der Bürger zu vertreten. Deshalb kann ein Bürgermeister nach meinem Rollenverständnis nicht die Politik einer Partei oder Wählergemeinschaft vertreten. Die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger, an denen ich mich orientiere, sind nicht immer deckungsgleich mit den Interessen der Partei oder Wählergemeinschaft, die einen Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen geschickt hat. Ich stand am Anfang der Amtszeit stärker im Verdacht, dass ich als GFL-Bürgermeister mich ausnahmslos um die Umsetzung von GFL-Politik kümmern würde. Ich glaube schon, dass ich jetzt bei anderen Parteien an Vertrauen gewonnen habe. Das Entscheidende ist am Ende, dass man sich das große Ziel vor Augen hält. Da verfolgen wir alle dasselbe Ziel. Wir diskutieren und streiten zuweilen auch darüber, auf welchem Weg wir dieses Ziel erreichen.

„Ich bin mittlerweile gelassener geworden“

© Foto: Goldstein

In Ratssitzungen kann man bisweilen den Eindruck bekommen, dass sich Ihr Verhältnis zur GFL-Fraktion in den vergangenen 2,5 Jahren verändert hat.

Ich habe jetzt eine andere Rolle, die deutlich über das Spektrum der GFL-Arbeit hinausgeht. Nach dem herausragenden Erfolg der Bürgermeisterwahl ist es auch für die GFL ein Prozess, in dieses Rollenverständnis hineinzuwachsen.

Sie haben Wahlkampf gemacht mit dem Versprechen für mehr Transparenz und Bürgernähe. Das lösen Sie ein, etwa mit Bürgersprechstunden oder Kolumnen auf Facebook. Lohnt sich das?

Das lohnt sich in jedem Falle. Es ist wichtig, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern unser Handeln erklären. Dafür braucht man Zeit. Wir haben einen Facebook-Auftritt, eine Nachrichtenseite und eine Veranstaltungs-Homepage erschaffen. Aber auch die Termine vor Ort, etwa zum Thema Verkehrsfluss kürzlich an der Cappenberger Straße, sind wichtig.

Es ist für mich immer wieder überraschend, wie viele Menschen da kommen. Bei einer der letzten Bürgersprechstunde vor Ort am Netto habe ich mich mächtig erkältet, da war es sehr kalt und feucht. Und die Sprechstunde war voll. Viele Bürgerinnen und Bürger waren mit ihren Anliegen gekommen. Das ist die Gelegenheit, Sachen zu erklären, aber auch Dinge aufzunehmen, die man hier im Rathaus am Schreibtisch nicht mitbekäme. Dieser direkte Austausch ist für mich unverzichtbar und das werde ich auch beibehalten. Das ist der richtige Weg.

Gibt‘s denn da mehr Kritik oder Lob?

Das wird sehr positiv aufgenommen. Und ich höre von den Bürgern, dass sie es richtig finden, dass ich mit dem Anspruch daran gehe, auch das ein oder andere zu ändern. „Halten Sie durch, Herr Kleine-Frauns.“ Das gibt mir natürlich auch zusätzlich Kraft, ohne Frage.

Sie sind seit 2,5 Jahren im Amt. Was haben Sie in dieser Zeit erreichen können?

Genau das, was angekündigt war. Ich habe frischen Wind ins Rathaus gebracht. Habe vor allem auch außerhalb des Rathauses Dinge in Bewegung gebracht. Ich hatte vorher bestimmte Vorstellungen, zum Beispiel haben wir hier im Bürgermeisterbüro eine Stelle für das Ehrenamt geschaffen. Denn das Ehrenamt spiegelt die Verantwortung in der Stadtgesellschaft wider, die man füreinander wahrnimmt. Das Ehrenamt muss die nötige Anerkennung erfahren und deswegen muss man den Menschen die Arbeit erleichtern. Wir haben dafür einen Anlaufpunkt geschaffen, wo man ehrenamtliche Hilfe anbieten und auch abrufen kann. Das hat gerade auch Ende 2015 in der Phase der Flüchtlingswelle regen Zuspruch erfahren. Das ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen.

Wir haben dem Bürgermeister auch drei Leserfragen gestellt: User Christian Döpper fragt: Welche Themen haben Sie sich für die zweite Halbzeit vorgenommen? Ihm liegt besonders das Thema Verkehr am Herzen. Kleine-Frauns Antwort:
Mirja Jäckel fragt, wieso Kindergärten geschlossen werden, wenn es Kinder gibt, die keinen Platz bekommen? Die Antwort:
Ein anderer User hat behauptet, Sie hätten im Wahlkampf gesagt, dass Sie sich darum kümmern, dass der SG Gahmen einen Kunstrasenplatz bekommt. Noch sei aber nichts passiert.

Sie haben sich auch der Wirtschaft gewidmet.

Es ist mir wichtig, den Kontakt zur Wirtschaft zu pflegen. Ich bin am Anfang auf viele Unternehmen zugegangen, jetzt haben wir auch Unterstützung bekommen durch den Wirtschaftsförderer Herrn Swehla. Ich glaube, dass wir insgesamt näher an den Unternehmen vor Ort sind und damit auch einen besseren Blick dafür haben, wo die Unternehmen unsere Hilfe brauchen. Da kommt natürlich auch immer wieder das Thema Verkehr auf den Tisch. Das ist von zentraler Bedeutung. Das ist gleichzeitig eine der größten Herausforderungen, weil man kaum Optionen hat. Wir haben mit Unterstützung der TU Wuppertal eine Voruntersuchung über die Verkehrsprobleme in der Stadt gemacht, jetzt haben wir das Verkehrsentwicklungskonzept 2030 ausgeschrieben. Wir werden so versuchen, Optimierungen zu erreichen.

Die soll es auch beim Thema Sicherheit geben, dafür haben wir die Sicherheitsdialoge ins Leben gerufen. Wir werden außerdem die Ordnungspartnerschaften mit gemeinsamen Streifen etablieren. Jeder einzelne Bürger und alle Akteure sollen ihren Beitrag leisten, indem sie hinschauen.

Sie haben gerade gesagt, dass Sie mit bestimmten Vorstellungen ins Rathaus gekommen sind. Welche dieser Vorstellungen mussten Sie denn als Erstes ad acta legen?

Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass viele arbeits-organisatorische Elemente schon vorhanden sind – was die Zusammenarbeit betrifft mit EDV-Unterstützung. Es gibt viele Fachanwendungen in den Abteilungen, aber keine technische Plattform, die abteilungsübergreifende Arbeit ermöglicht. Das ist in der freien Wirtschaft undenkbar. Deswegen waren in den ersten 2,5 Jahren viele meiner Ressourcen damit gebunden, das Haus so aufzustellen, dass wir auch zusammen arbeiten können. Wir haben uns da auf den Weg gemacht, Stichwort E-Government. Das soll auch den Bürgerinnen und Bürgern dienen. Es ist aber auch für uns im Haus sehr wichtig. Wir müssen ein Dokumenten-Management-System aufbauen. Das ist ein sehr komplexes Vorhaben. Technisch ist das vielleicht ohne Weiteres umsetzbar in ein, zwei Monaten. Aber das Entscheidende ist es, die Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen. Das braucht Zeit, man muss viel erklären und vermitteln, damit auch alle die Vorteile dieser Zusammenarbeit sehen. Das hatte ich vorher so nicht erwartet.

Auch im Bereich Personalentwicklung schien es Optimierungsbedarf gegeben zu haben…

Wir werden im Laufe des Jahres ein Konzept erarbeiten, das alle Facetten moderner Personal-Entwicklungs-Instrumente umfassend aufzeigt. Es wird eines sein, das die Kollegen aufgrund der Situation konkret vor Ort erstellt haben. Es wird zu unserem Haus und der Belegschaft passen.

Worüber ärgern Sie sich im Rathaus?

Ärgern bezieht sich ja meist auf Personen. Wenn man in einer Verwaltung Veränderungen vornimmt, muss man sich darüber im Klaren sein, dass jede Veränderung für Kollegen bedeutet, dass sie ihr Verhalten ändern müssen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass man dem skeptisch begegnet. Wenn man sich das klar macht, wird man auch geduldiger. Ich war – glaube ich – am Anfang besonders ungeduldig, und bin mittlerweile wesentlich geduldiger geworden. Weil ich sehe, dass wir hier in der Verwaltung mehr Zeit brauchen, um Veränderungsprozesse zu gestalten. Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, das Handeln erklären können. (Pausiert) Deshalb ärgere ich mich eigentlich nicht, sondern versuche eher, Verständnis dafür aufzubauen, dass es oftmals nicht so schnell geht, wie auch die Bürgerinnen und Bürger es erwarten. Es ist niemand hier, der das künstlich verzögert. Wir arbeiten alle mit Hochdruck an den Lösungen für die Bürger.

Sie haben vor der Wahl auch versprochen, die Zufriedenheit der Mitarbeiter mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Wir hören aber immer wieder, dass die Stimmung im Rathaus nach Ihrem Amtsantritt schlechter geworden sein soll. Wie nehmen Sie das wahr?

Die Veränderungen führen natürlich auch bei den Mitarbeitern zu Skepsis. Aber man darf das auch nicht überbewerten, dass das letztendlich eine schlechte Stimmung ist. Es gibt bestimmte Gruppierungen im Haus, die diese These vertreten, dass die Stimmung schlechter geworden ist. Bei der letzten Personalversammlung im Hansesaal wurde genau diese Frage nach der Stimmung gestellt. Alle mussten rote, gelbe oder grüne Karten abgeben. Da waren rote Karten dabei. Aber die gelben und grünen Karten waren in der Überzahl.

In 2,5 Jahren ist wieder Wahl. Steht Ihr Name dann erneut auf dem Zettel?

Auf jeden Fall, natürlich. Das, was ich mir vorgenommen habe, das kann man in fünf Jahren nicht schaffen. Es gibt so vieles zu tun. Und außerdem ist es bei aller Anstrengung für mich auch eine Aufgabe, die mir sehr viel Spaß macht. Insbesondere im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. Man erfährt jeden Tag, wie wichtig es ist, dass man sich um die Dinge in der Stadt kümmert. Das ist eine ausfüllende und befriedigende Arbeit.

Zum Abschluss zurück zu dem Schulticker-Interview. Dort sagten Sie, Sie lesen lieber Zeitung, als sich in den Fernseh-Nachrichten zu informieren. Das freut uns natürlich. Ärgern Sie sich denn auch manchmal über die Berichterstattung aus und über Lünen?

Natürlich gibt es Dinge, die einen persönlich ärgern. Immer dann, wenn Dinge (pausiert) nach meiner Wahrnehmung nicht richtig dargestellt werden. Wenn dann auf einer falschen Tatsachengrundlage Rückschlüsse gezogen werden, die dann auch meine Person in ein Licht rücken, das nicht entstehen würde, wenn man die wahren Grundlagen zugrunde legen würde.

Das mag auch ein Missverständnis sein, wie überall in der Gesellschaft. Man kann eigentlich überhaupt sagen: Auseinandersetzungen beruhen auf unterschiedlichen Wahrnehmungen in der Kommunikation. Wenn alle den gleichen Sachverhalt hätten, gäbe es keinen Streit und keine Klagen.

Sind Sie in Bezug darauf auch gelassener geworden?

Ja, doch. Am Anfang habe ich mich darüber sehr geärgert.

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