Im Vergleich: Niederaden oben, Lünen-Nord unten

Bericht zur sozialen Lage

Mit dem neuen Bericht zur sozialen Lage werden die Lüner Stadtteile zum ersten Mal mit einem einzigen Wert vergleichbar: Dem Sozialindex. Der zeigt, wo die Situation sich verbessert – und wo nicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

LÜNEN

, 04.10.2017 / Lesedauer: 3 min
Im Vergleich: Niederaden oben, Lünen-Nord unten

Die Grafik zeigt: Niederaden im Südosten schneidet im innerstädtischen Vergleich am besten ab, Lünen-Nord am schlechtesten.

Was genau ist der Bericht zur Sozialen Lage?

In dem Bericht werden soziale Daten wie Bevölkerungsentwicklung, Arbeitslosigkeit oder Fluktuation – Zu- und Wegzüge – gesammelt und für verschiedene Stadtteile und Quartiere dargestellt. Die diesjährige Ausgabe ist die zweite, die erste ist 2014 erschienen. Die Daten jetzt stammen aus dem Jahr 2016. So soll ein „differenziertes und langfristig angelegtes Sozialmonitoring“ möglich sein, heißt es in dem Bericht.

Und was ist jetzt neu daran?

Zum einen wurden natürlich die Daten aktualisiert. Komplett neu ist außerdem der sogenannte Sozialindex. Mit einem statistischen Verfahren – der Standardisierung – wurden alle erhobenen Werte zu einem Wert pro Stadtteil zusammengefasst. „Damit haben wir eine Vergleichbarkeit zwischen den Stadtteilen hergestellt“, erklärte Thomas Kieszkowski den Ausschussmitgliedern. Er zeichnet für den Bericht verantwortlich. Die Ergebnisse variieren von +14 für Niederaden bis zu -12 für Lünen-Nord. Orientierung ist dabei immer der Stadt-Durchschnitt. Zwischen +5 und -5 liegt der Durchschnitt, sagte Kieszkowski.

Wie nah liegen die Ergebnisse denn an der Wirklichkeit?

Das lässt sich schwer beantworten. Er habe mit sogenannten „Echtdaten“ gearbeitet, meinte Kieszkowski, die seien deutlich genauer als zum Beispiel Daten des statistischen Landesamtes IT.NRW, das seine Daten immer vom Zensus 2011 hochrechnet. Ungenauigkeiten entstehen in großen Stadtteilen wie Brambauer und Lünen-Süd. Dort gibt es Quartiere mit sehr guten Werten und Quartiere mit sehr schlechten Werten. Das oft als „Problemstadtteil“ bezeichnete Brambauer zum Beispiel liegt deshalb mit -1 im Mittelfeld – obwohl es auch dort viele Schwierigkeiten gibt. „Solche größeren Stadtteile müssen wir uns kleinräumiger angucken“, sagte Kieszkowski. Auch das ist mit dem Bericht möglich. Fachdezernent Ludger Trepper sagte: „Die Werte zeigen nicht die Wirklichkeit. Aber sie führen zu einer Versachlichung. Wir werden in die Lage versetzt, Fragen zu stellen.“ Eine Bewertung der Ergebnisse sei noch nötig.

Was sind denn die Ergebnisse?

Kieszkowski stellte einige Ausschnitte vor, beispielsweise die Bevölkerungsentwicklung. Fazit: Der Anstieg wird nur kurzfristig sein, langfristig ist die Geburtenrate immer noch deutlich niedriger als die Sterberate. Heißt: Die Zahlen werden wohl bald wieder sinken, wenn es nicht erneut so viele Zuzüge gibt wie durch die Flüchtlinge ab Herbst 2015. Die Untersuchung zeigt auch: Parallel zum Bundestrend sinken die Zahlen der Hartz-IV-Bezieher. Auf der anderen Seite steigt die Zahl derer, die im Alter finanzielle Unterstützung brauchen. Ein weiteres Ergebnis: „Das ,Nord-Süd-Gefälle‘ existiert nicht“, sagte Erster Beigeordneter Horst Müller-Baß. Die südlichen Stadtteile Beckinghausen und Niederaden stehen im Vergleich sehr gut da.

Und was passiert jetzt damit?

Der Bericht soll als Grundlage dienen für weitere Diskussionen und Beschlüsse.

Wie waren die Reaktionen?

Der Bericht sei ein „Alarmsignal“, meinte Eckhard Kneisel (Grüne): „Der Graben vertieft sich.“ Die starken Stadtteile würden immer stärker, während die schwachen stagnierten. Technischer Beigeordneter Arnold Reeker sagte, er sei überrascht von den schlechten Daten des Geistviertels. „Das zeigt, dass man sich künftig wahrscheinlich noch einmal mehr um das Viertel kümmern muss.“

Unser Redakteur Marc Fröhling kommentiert die Sachlage:

Faktor „Migrationshintergrund“ ist diskriminierend

Der Bericht zur sozialen Lage ist ein wichtiges Hilfsmittel, um die Zusammenhänge in der Stadt zu verstehen. Wichtig wird sein, die Arbeit daran konsequent fortzusetzen und so negative Entwicklungen zu registrieren – um frühzeitig gegensteuern zu können. Ob alle Kriterien dabei so klug gewählt sind, ist fraglich. Siegfried Störmer (SPD) fragte in der Sitzung, ob der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund als negativer Faktor in den Sozialindex mit einfließt. Das sei in der Tat so, hieß es. Die Statistik zeige, dass mit einem höheren Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund auch Werte wie etwa die Arbeitslosigkeit steigen. Eine solche Bewertung aber ist diskriminierend. Daten wie Arbeitslosigkeit können auch einzeln erhoben und eingerechnet werden. Die dritte Auflage des Berichts sollte ohne diesen Faktor auskommen.

Lesen Sie jetzt