Wer zum Friseur oder in eine Gaststätte gehen will, muss seinen Impfschutz (oder die Genesung oder einen Test) nachweisen. Aber wie sieht es umgekehrt mit den Mitarbeitern aus, fragt sich eine Lünerin. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Gastronomie und Friseure

Impfstatus beim Friseur? Lünerin fragt nach: „Gleiches Recht für alle“

Handy zücken und Impfnachweis zeigen - das ist einer Lünerin schon in Fleisch und Blut übergegangen. Doch sie fragt sich, ob denn auch die Mitarbeiter im Café oder beim Friseur geimpft sind.

Gegen Corona geimpft fühlt sich Ilse Merk (Name auf Wunsch geändert) sicher. Eigentlich. Wenn die ältere Lünerin beim Friseur oder in der Gastonomie unterwegs ist, fragt sie sich, ob denn auch die Mitarbeiter, die sie bedienen, geimpft sind.

Junge Friseurin will sich nicht impfen lassen

Vor ein paar Monaten war Ilse Merk beim Friseur und legte natürlich ihren Impfausweis per Handy vor. Auf dem Friseurstuhl sitzend, fragte sie dann die junge Friseurin, die sie bediente, ob sie denn auch geimpft sei. „Sie war nicht geimpft und wollte sich auch nicht impfen lassen“, so Ilse Merk. Die Begründung verblüffte und ärgerte die Lünerin: „Sie meinte, sie sei ja noch jung und wollte mal Kinder haben und die Impfung mache ja unfruchtbar. Ich hab sie daraufhin gefragt, woher sie denn diesen Unsinn hat.“

Zuhause überlegte die Lünerin, dass sie sich nicht mehr von dieser Friseurin bedienen lassen wollte. Etwas später entschied sie sich, dem Salon noch eine Chance zu geben, allerdings nicht, ohne den Besitzer zu fragen, wie es denn mit seinen Mitarbeiterinnen und der Impfung aussieht. „Die junge Frau, die sich nicht impfen lassen wollte, war da übrigens krank.“ Die Antwort des Salonbesitzers beruhigte Ilse Merk: „Er versicherte mir, dass alle anderen Mitarbeiter geimpft sind.“

Mittlerweile ist das Ganze auch ein Thema in der Frauenrunde, mit der sich Ilse Merk regelmäßig trifft. „Wir haben uns jetzt angewöhnt, dass wir alle im Café oder beim Friseur bei der Kontrolle unserer Impfausweise nachfragen, ob denn auch die Mitarbeiter geimpft sind.“ Allerdings – mehr als die – nicht nachprüfbare – Antwort, man sei geimpft, gab es bislang nicht für Ilse Merk und ihre Freundinnen.

„Wir haben noch keinen Nachweis zu sehen bekommen, haben ja leider auch nicht dazu die Berechtigung als Kunden. Aber ich bleibe am Ball,“ so die Lünerin. Schließlich sollte gleiches Recht für alle gelten und Ilse Merk würde sich einfach wohler fühlen, wenn sie den Nachweis von denjenigen, die ihr beim Bedienen nahe kommen, sehen könnte.

So sehen es Lüner Gastronomen

Bob Michaels, Chef der Szene-Kneipe „Das Greif“ sagt dazu: „Bisher ist mir kein einziger Fall bekannt, an dem Mitarbeiter gefragt wurden, ob sie geimpft sind. Impfung war bei seinem Team kurz ein Thema – wegen der Alternative entweder alle zwei, drei Tage zum Test oder impfen lassen. Michaels: Ergebnis: Das komplette Team ist durchgeimpft. Aus freien Stücken.“ Zusätzlich gibt es im Greif einmal im Monat einen PCR-Test für alle. „Wir wollen nämlich weder schuld sein, jemanden anzustecken, noch unter uns selbst die Seuche übertragen“, so Michaels.

Ähnlich sieht es auch das Team des Cafés Kleinschmidt. „Wir sprechen alle recht offen über das Thema Impfen“, sagt Ronny Berger, der das Café in der Lüner Innenstadt zusammen mit Jens Böttger führt. Es sei auch kein Geheimnis, dass alle Mitarbeiter des Cafés vollständig geimpft sind. Berger: „Darauf kann uns auch jeder Kunde gerne ansprechen.“

Kaum Nachfragen nach Impfstatus der Mitarbeitenden

Im Hotel am Stadtpark gebe es bislang, so Chef Andreas Riepe, kaum Nachfragen von Gästen, wie der Impfstatus der Mitarbeitenden im Hotel oder Restaurant ist. „Diejenigen, die fragen, bekommen natürlich auch Antworten“, so Riepe. Und zwar folgende: „Die Impfbereitschaft ist in unserer Branche, im Gastgewerbe besonders hoch, da man als Mitarbeitender viel Gastkontakt hat und sich schützen möchte.“

Laut des Hotelchefs sind im Hotel am Stadtpark daher von 82 Teammitgliedern bis auf eine einzige Mitarbeiterin (wegen besonderer gesundheitlicher Probleme) alle geimpft. Das sei für das Lüner Hotel als Betrieb „natürlich eine große Beruhigung“.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt