In Lünen gibt es zu wenig Plätze für Kurzzeitpflege

Probleme in der Urlaubssaison

Seit das Kurzzeitpflegeheim in Cappenberg im vergangenen Jahr geschlossen hat, spitzt sich die Lage in Lünen zu. Vor allem während der Urlaubszeit fehlen Plätze für Menschen, die dort zeitweise pflegerisch betreut werden müssen. Wir haben mit Lüner Einrichtungen und Träger über Angebot und Nachfrage gesprochen.

LÜNEN

, 03.08.2017, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Lünen gibt es zu wenig Plätze für Kurzzeitpflege

Urlaubszeit – für pflegende Angehörige oft ein Problem. Wenn sie selbst in die Ferien fahren wollen, müssen sie sicherstellen, dass der Pflegebedürftige gut untergebracht ist. Doch einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen, ist nicht so einfach. Auch in Lünen fehlen an vielen Stellen dafür die entsprechenden Kapazitäten. 

Nach der Schließung des Caritas-Kurzzeitpflegeheims St. Elisabeth in Cappenberg im vergangenen Jahr gibt es noch weniger Kurzzeitpflege-Plätze in Lünen und Umgebung. Der Caritasverband hatte sich damals aus wirtschaftlichen Gründen entschlossen, das Haus zu schließen. „Wir brauchen zusätzliche solitäre Kurzzeitpflege-Angebote. Aber diese müssen auskömmlich finanziert werden“, so Caritas-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Benstein auf Anfrage.

Die Caritas hat im Höchstfall 20 sogenannte „eingestreute“ Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung – jeweils zehn im St. Norbert-Altenzentrum und in St. Josef in Selm. Eingestreut bedeutet, dass Plätze in Heimen genutzt werden, die derzeit nicht von Bewohnern dauerhaft belegt sind. Benstein: „Das lässt sich nicht längerfristig planen.“ Also müssen auch Angehörige abgewiesen werden, wenn die Nachfrage zu groß ist.

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Die Nachfrage ist immer groß

Kontinuierlich groß sei die Nachfrage eigentlich das ganze Jahr über, so Dirk Kreimeyer, Leiter des Evangelischen Altenzentrums Lünen: „Nur im Januar ist die Nachfrage gering.“ Das Altenzentrum hat einen eigenen Kurzzeitpflege-Bereich mit zehn Plätzen. Daher rät er Angehörigen, sich so schnell wie möglich zu melden, wenn sie Urlaub planen. „Sonst haben wir möglicherweise keinen Platz frei zum Wunschtermin.“ Ein Problem seien kurzfristig abgesagte Plätze, wenn der Gast vor dem Einzug in ein Heim geht oder verstirbt. So werden dann eigentlich reservierte Plätze kurzfristig doch noch frei.

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Zehn eingestreute Kurzzeitpflegeplätze gibt es auch im Coldinne-Stift in Alstedde. „Allgemein verzeichnen wir über das Jahr verteilt eine relativ gleichmäßige Nachfrage“, so Jens Kroll, Hausleitung. Eine frühzeitige Reservierung sei nur in Ausnahmefällen möglich. Nicht belegte vollstationäre Plätze können für die Kurzzeitpflege zur Verfügung gestellt werden. „Oft können wir auch an einen anderen Standort innerhalb der Communita-Gruppe einen Platz vermitteln.“

So schätzt eine weitere Einrichtung die Situation ein:

Im Seniorenzentrum „Minister Achenbach“ der Arbeiterwohlfahrt, Hermann-Schmälzger-Straße 15-19, gibt es einige Plätze dieser Art. „Wir bieten momentan acht Kurzzeitpflegeplätze fest an, die bis auf maximal zehn Kurzzeitpflegeplätze bei Bedarf ausgeweitet werden können“, teilt Matthias Zilkowski, stellvertretender Einrichtungsleiter mit.

Dabei handelt es sich um eingestreute Kurzzeitpflegeplätze, die auf die vier Wohnbereiche des Seniorenzentrums aufgeteilt werden. „Eingestreute“ Plätze sind solche, die eigentlich für feste Bewohner gedacht sind. Wenn sie nicht besetzt sind, können diese Plätze im Seniorenzentrum dann für die Kurzzeitpflege genutzt werden.

Zilkowski: „Nachfragen liegen uns über das gesamte Jahr hinweg vor. Es kommt dabei gerade in der Ferienzeit zu ,Spitzen` und auch zwischendurch kann die Anzahl von Anfragen variieren.“ Laut seinen Erfahrungen sei die Nachfrage am Anfang und zum Ende des Jahres eher rückläufig und bietet so den Verantwortlichen im Seniorenzentrum mehr Spielraum als zu den anderen Jahreszeiten.

Frühzeitige Kontaktaufnahme erhöht die Chancen

Während bei anderen Einrichtungen in Lünen eine längerfristige Buchung von Kurzzeitpflegeplätzen nicht möglich ist, weil die eingestreuten Plätze nicht kalkulierbar sind, rät Zilkowski, dass Angehörige „sofort bei Bekanntwerden eines benötigten Kurzzeitpflegeplatzes Kontakt zu uns aufnehmen.“ Er sagt – je früher sich die Angehörigen melden, desto höher sei die Chance einen Platz zum gewünschten Zeitpunkt zu bekommen.

Zilkowski: „Außerdem unterstützen wir gern im Vorfeld bei der Organisation, zum Beispiel durch Beratung und Hilfestellung bei Anträgen.“ Es sei durchaus auch möglich, kurzfristige Anfragen zu stellen.

Wenn im Seniorenzentrum selbst kein Kurzzeitpflegeplatz frei sei, versuche man, einen in einem anderen Haus zu vermitteln oder „in anderer Form behilflich zu sein“. „Wir als Einrichtung verfügen über Kommunikationsstrukturen, die eine Vermittlung oftmals leichter gestalten als dies einer Privatperson gelingt“, sagt Zilkowski.

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