In Lünen ist Baden mit Burkini verboten

Hygieneprobleme

Wer mit Burkini im Freibad Cappenberger See baden will, darf nicht mehr ins Becken. Burkinis sind dort verboten, die Ganzkörper-Badeanzüge seien zu unhygienisch und ein Sicherheitsrisiko, meint die Bädergesellschaft, Betreiberin der Anlage. Seit Mitte August weisen Schilder auf das Verbot hin. Nicht alle befürworten das.

LÜNEN

, 31.08.2016, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Lünen ist Baden mit Burkini verboten

Die Kleiderordnung der Bädergesellschaft, die für den Freibad Cappenberger See und das Lippe Bad gilt, sieht auch ein Burkini-Verbot vor.

Dr. Aysun Aydemir, Integrationsbeauftragte der Stadt, kündigte beispielsweise an, wegen der Regelung noch einmal mit der Bädergesellschaft – einer 100-prozentigen Tochter der Stadtwerke – sprechen zu wollen. Sie habe noch am Sonntag eine E-Mail von einer Frau bekommen, die im Freibad nicht mehr mit dem Burkini schwimmen durfte: „Wir sind der Meinung, dass muslimische Frauen teilhaben sollen, auf allen Ebenen“, meint Aydemir. Sie sei deshalb gegen das Verbot, das die Stadtwerke auch im Lippe Bad durchsetzen.

Laut Sprecherin Jasmin Teuteberg sei das Schwimmen in Burkini schon immer verboten gewesen, die Badeordnung habe nämlich nur „badübliche, den Geboten des Anstandes entsprechende Kleidung“ erlaubt. Burkinis gehörten nicht dazu, das sei jetzt mit einer überarbeiteten Badeordnung und Piktogrammen im Bad noch einmal deutlich gemacht worden.

Verbot von Ganzkörperbekleidung

Die Geschäftsführung habe das „nach ausführlicher Information und Diskussion mit der Badleitung“ so entschieden, sagt Teuteberg. Betroffen sei neben Burkinis auch andere Ganzkörperbekleidung, etwa Neoprenanzüge von Triathleten.

Darunter könne nämlich Unterwäsche getragen werden, die könne sich vollsaugen und schließlich zu einem Sicherheitsrisiko werden. Außerdem sei die „Vorreinigung“ in den Sammelduschen mit Burkini nicht möglich – es gebe also auch hygienische Probleme. Die Stadtwerke betonen, dass es ihnen nicht um eine „gesellschaftspolitische Einordnung“ des Burkinis gehe – „Verschieden zu sein, ist in einer modernen und gleichberechtigten Gesellschaft normal. So ist uns jeder Gast herzlich willkommen“, sagt Teuteberg.

Burkini ist „üblich“

Dass Neoprenanzüge verboten sein sollen, kann Pfarrerin Anja Bunkus nicht glauben. Sie selbst schwimmt regelmäßig mit einem halblangen Anzug – sieht aber auch Sportler mit Ganzkörper-Anzügen: „Da hat sich noch nie jemand beschwert“, erklärt sie. Sie hält auch das Tragen von Burkinis für unbedenklich.

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Dem stimmt Dr. Joachim Heuser, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen mit Sitz in Essen, zu. Der Verband hat knapp 1300 Mitglieder, darunter viele Betreiber und Mitarbeiter öffentlicher Bäder – auch die Bädergesellschaft Lünen. Der Verband gibt eine Muster-Badeordnung heraus, an die sich die Mitglieder aber nicht halten müssen. Burkinis sind darin nicht verboten: „Übliche Badebekleidung ist für uns auch ein Burkini“, meint Heuser, „das ist ja der gleiche Stoff wie eine Badehose, ein Bikini oder ein Badeanzug“.

„Für uns spricht nichts dagegen“

Sicherheitsbedenken hat er dabei nicht, schließlich könne man auch bei vielen Badeshorts und -anzügen nicht beurteilen, ob Unterwäsche darunter getragen wird. „Für uns spricht nichts dagegen, das hat ja auch etwas mit Integration zu tun. Wenn die Alternative ist, dass Frauen mit muslimischem Hintergrund nicht schwimmen gehen können, ist das schlecht“, sagt Heuser.

Die Stadtwerke betonen, dass es wegen Burkini-Trägerinnen Beschwerden gegeben habe: „Es wurde kritisiert, dass das Aufsichtspersonal nicht konsequent auf badübliche Badebekleidung gemäß der Hausordnung geachtet habe.“ An gut besuchten Tagen habe es mehr als zehn Diskussionsfälle gegeben.

In den Freibädern Gahmen und Brambauer, sagen die Betreiber übereinstimmend, habe es bisher kaum Problemfälle gegeben. Ein generelles Verbot gibt es in diesen Bädern deshalb auch nicht.

Kenan Küçuk, Geschäftsführer des Multikulturellen Forums, begrüßt das Burkini-Verbot dagegen: „Ich halte das gerade aus hygienischen Gründen und wegen der Sicherheit für richtig“, sagt er. Verständnis habe er, wenn es unter anderem für muslimische Frauen extra Schwimmzeiten in den Bädern gebe. Dieses Thema wird laut Aydemir am 28. September im Integrationsrat besprochen.

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