Von außen sieht man den Kran auf dem Innovatherm-Gelände. © Günther Goldstein
Klärschlamm

Innovatherm: Bauarbeiten für Großprojekt in Lünen laufen an

Tausende Tonnen Klärschlamm werden auf dem Gelände der Innovatherm im Jahr verbrannt. Jetzt sind die Bauarbeiten für ein neues Großprojekt gestartet. Auch dabei geht es um gewaltige Mengen.

Es wird sondiert, und das nicht nur zwischen den möglichen Koalitionspartnern in Berlin, sondern seit August auch auf dem Gelände der Innovatherm GmbH an der Frydagstraße. Seit etwa drei Jahren war bekannt, dass das Unternehmen Millionen in den Bau einer Klärschlamm-Trocknungsanlage investieren will. Nun laufen die ersten Arbeiten, ein Kran ist auf dem Firmengelände zu sehen.

Aktuell finden Kampfmittelsondierungen statt. Dazu wurde Material auf einer etwa 1.500 Quadratmeter großen Fläche 2,50 Meter tief abgetragen. Der Oberboden und das Bergematerial wurden abgefahren und verwertet. Diese Sondierungsarbeiten enden plangemäß in der nächsten Woche.

Für den Betrieb der Klärschlammtrocknungsanlage entsteht dort ein Bunkergebäude mit einem Gesamtfassungsvermögen von rund 5.400 Kubikmeter für mechanisch entwässerten Klärschlamm mit einer vollautomatischen Krananlage in zwei Ausbaustufen.

Abschluss 2022 angestrebt

Die erste Ausbaustufe soll laut Innovatherm Ende 2022 abgeschlossen sein. In dieser ersten Stufe entstehen zunächst drei Klärschlammtrockner für eine Schlammannahme von 240.000 Tonnen pro Jahr. „Die Trocknungsanlage soll bis zum September 2022 fertig sein und danach in Betrieb gehen. Die volle Trocknungsleistung wird für 2023 angestrebt“, teilt Pressesprecherin Anne-Kathrin Lappe vom Lippeverband mit.

Nach Abschluss der Sondierungsarbeiten wird eine Drainage eingebaut, um den Grundwasserstand für die Dauer der Tiefbauarbeiten abzusenken und die Baugrube bis auf die endgültige Tiefe von ca. 6,50 Meter auszuheben. Der ausgehobene Sand wird auf dem Grundstück zwischengelagert und später zur Verfüllung der Baugrube genutzt. Die neue Anlage liegt direkt neben der Klärschlammverbrennungsanlage, die Innovatherm bereits seit 1997 betreibt.

Kommunaler Klärschlamm entsteht als Restprodukt bei der Abwasserreinigung in Kläranlagen.

Auf dieser Fläche werden momentan die ersten Arbeiten durchgeführt.
Auf dieser Fläche werden momentan die ersten Arbeiten durchgeführt. © Innovatherm © Innovatherm

Einwände aus der Bevölkerung

In Deutschland fallen im Jahr mehr als sieben Millionen Tonnen mechanisch entwässerter Klärschlamm mit einem Feststoffgehalt von rund 25 Prozent an. 2017 gab es eine neue Abfallklärschlammverordnung. Mehr Klärschlamm, zuvor Dünger in der Landwirtschaft, wird verbrannt. Um die Verbrennung ohne zusätzliche Stoffe durchführen zu können, werden dem Schlamm in der Trocknungsanlage zuvor zwei Drittel des in ihm enthaltenen Wassers entzogen, wie die Pressesprecherin erläutert.

Die Genehmigung für den Bau des Großprojekts hatte die Bezirksregierung im Juni vergangenen Jahres erteilt. Zuvor hatte es zahlreiche Einwendungen von Anwohnern, Parteien und Naturschützern unter anderem wegen der Verkehrsbelastung, der Emissionen oder der Geruchsbelastung gegeben.

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Bastian Becker