Internationale Modellflug-Elite in Lünen: Kampf um Deutsche Meisterschaft

Am vergangenen Wochenende trug die Flugsportgruppe Lünen die 11. Internationale Deutsche Meisterschaft der Klasse F3B im Modellflug auf den Lippeauen aus.
Am vergangenen Wochenende trug die Flugsportgruppe Lünen die 11. Internationale Deutsche Meisterschaft der Klasse F3B im Modellflug auf den Lippeauen aus. © Goldstein
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Es ist die Mischung aus der Liebe zur Tüftelei und Naturverbundenheit, die Modellflieger eint. Unbemannte, meist selbstgebaute Flugzeuge in die Lüfte zu schicken, Geschick in der Steuerung zu beweisen und sich mit Naturphänomenen wie der Thermik auseinanderzusetzen, ist es, was sie begeistert. „In der Natur und mit den Gewalten der Natur unseren Sport auszuüben, das ist es, was mich daran fasziniert“, fasst beispielsweise Uwe Schlaffke-Mowinkel, Leiter Abteilung Modellflug der Flugsportvereins Lünen, seine Leidenschaft zusammen. Mit den Gewalten der Natur hatten sich die Modellflug-Begeisterten in besonderer Weise auseinander zu setzen. Denn in den Lippewiesen fand am vergangenen Wochenende (17./18.9) die Deutsche Meisterschaft der Modellflieger, die gleichzeitig auch ein Lauf des World Cups war, statt.

48 Teilnehmer aus elf Nationen – aus dem europäischen Raum und sogar den USA – hatten teilgenommen. Und Sieger dieser Deutschen Meisterschaft wurde mit Søren Krogh ein Däne. „Irgendwann hat der Deutsche Aero Club beschlossen, den Wettbewerb für alle Nationen zu öffnen“, erklärt Schlaffke-Mowinkel. „Nicht nur aus Nachwuchsproblemen, sondern vor allem um sich weltoffen zu zeigen und den Zusammenhalt zu stärken.“

Rotierendes System

Schlaffke-Mowinkel, der wie drei Viertel der Modellflieger als Fernmeldetechniker einen technischen Beruf ausübt und in diesem Hobby einen Ausgleich findet, nahm selbst nicht am Wettbewerb teil. Zu aufwändig ist die Ausrichtung der Meisterschaft. 23 der 37 Lüner Vereinsmitglieder hatten bei der Durchführung des Wettbewerbs mitzuhelfen. „Deswegen rotiert die Ausrichtung des Wettbewerbs unter den deutschen Vereinen“, informiert der 60-Jährige, „weil wir sonst nie mitfliegen könnten.“

Aktuell gibt es fünf deutsche Modellflug-Vereine: unter anderem in Lünen, München und Kirchheim/Teck. „Es gab mal viel mehr“, erzählt Schlaffke-Mowinkel, „aber, weil manche Vereine ihren Platz nicht mehr nutzen konnten oder doch auch aus Mitgliedermangel, sind es weniger geworden. Die Vereine werden insgesamt dünner und älter.“

Die Flugzeuge werden mit Winden in die Höhe gezogen und dann per Fernbedienung gesteuert.
Die Flugzeuge werden mit Winden in die Höhe gezogen und dann per Fernbedienung gesteuert. © Goldstein

Das Equipment für den Wettbewerb hat der Leiter schon ab Juni bestellt. Elastische Seilwinden um die motorenlosen Flugapparate in die Höhe zu ziehen wurden beispielsweise benötigt. Aufgebaut haben die Mitglieder am vergangenen Donnerstag; aus ihrer langjährigen Routine heraus – Schlaffke-Mowinkel beispielsweise ist seit 1994 Vereinsmitglied – recht schnell. Und das obwohl die letzte Meisterschaft wegen des rotierenden Systems zuletzt 2014 in Lünen ausgetragen wurde. Am Freitag konnten Angereiste erste Testflüge unternehmen. „Am Samstag kamen wir mit allen drei Wettbewerbskategorien gut durch“, erzählt der Leiter, „am Sonntag bekamen wir aber die Gewalten der Natur zu spüren. Erst hingen die Wolken zu tief zum Fliegen, dann regnete es zu stark, so dass wir abbrechen mussten.“

300 Km/h in 350 Metern Höhe

Mit elastischen Seilen werden die Modelle in den Himmel katapultiert, wo sie dann von demjenigen an der Fernsteuerung übernommen werden. Geflogen wurde in drei Kategorien: Es gibt einen Zeitflug, bei dem das Flugzeug exakt zehn Minuten in der Luft bleiben und dann punktgenau gelandet werden muss, einen Streckenflug, bei dem sich mehrere Piloten gleichzeitig ein Rennen liefern und einen Speedflug, bei dem eine bestimmte Strecke so schnell es geht, zurückgelegt wird. Dabei können die Flieger Geschwindigkeiten bis 300 Stundenkilometer erreichen, und das in einer Höhe bis 350 Meter.

Am Samstag kam man mit dem Wetter noch gut zurecht, am Sonntag wurde die Siegerehrung wegen des Regens dann vorgezogen.
Am Samstag kam man mit dem Wetter noch gut zurecht, am Sonntag wurde die Siegerehrung wegen des Regens dann vorgezogen. © Goldstein

Thomas Kleinwächter, zweiter Modellflugleiter in Lünen, hängt ebenfalls schon lange an diesem Hobby. „Was früher einmal mit einem UHU-Modell angefangen ist wurde dann immer mehr zu einer technischen Herausforderung“, erzählt er. „Und wir glauben, dass es auch heute noch für Jugendliche ein Anreiz sein könnte. Hier muss man handwerkliches Geschick beweisen, aber heute natürlich auch den Umgang mit Elektronik und digitalen Medien.“