An der Seseke im Bereich Niederaden sagen sich Hase und Igel gute Nacht. Auch Rehe tummeln sich hier in der Abenddämmerung. Auf den vorhandenen Hochsitzen und entlang des Radwegs legen die Jäger derzeit aber auf Krähen und Elstern an. © Stefan Milk
Seseke

Jäger legen an der Seseke in Lünen auf Krähen und Elstern an

Beim Abendspaziergang an der Seseke im Bereich Niederaden/Oberaden kann man derzeit gut scheue Rehe beobachten. Jäger dort legen aber auf Krähen und Elstern an. Aus gutem Grund.

Es stand grasend am anderen Ufer und hob nur kurz den Kopf, als es die Fußgänger auf der anderen Seite der Seseke sah, hörte oder witterte. Die Flucht ergriff das Reh aber nicht. Zwar ließ das scheue Waldtier die Menschen nicht aus den Augen und näherte sich langsam dem schützenden Dickicht, doch echte Angst schien das Tier nicht zu haben, um spontan wegzurennen.

Dabei waren wenige Meter weiter in Höhe der Landschaft im Fluss zwei Männer aktiv, die dem Reh durchaus hätten gefährlich werden können. Doch an diesem Abend legten die Männer mit ihren Flinten nicht auf Rehwild an. Schon gar nicht auf welches, das auf dieser Seite der Seseke stand. „Das ist ein anderes Revier“ erklärte einer der Waidmänner. „Aber wir haben es ohnehin auf Krähen und Elstern abgesehen.“ Tatsächlich präsentierte er auch einen der erlegten Vögel.

Dominanz verhindern

Die Krähenjagd ist in dieser Zeit nichts ungewöhnliches, weiß Reinhard Middendorf, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Unna. Ebenso häufig wird auf Elstern angelegt. Aus gutem Grund: „Deren Vielzahl ist nicht förderlich für andere Vögel wie Kibiz, Fasan und Rebhuhn“, weiß Middendorf. Das ist auch der Grund, warum die beiden Jäger an der Seseke auf die Vögel ansitzen: „Die machen so viel kaputt“, erklärt einer der beiden.

Seit dem 1. August blasen die Jäger zur Krähenjagd. Bis zum 20. Februar ist die erlaubt. Neben der Flinte setzen die Jäger dabei auch immer mal wieder Falkner ein.
Seit dem 1. August blasen die Jäger zur Krähenjagd. Bis zum 20. Februar ist die erlaubt. Neben der Flinte setzen die Jäger dabei auch immer mal wieder Falkner ein. © Hegering © Hegering

Beim Schießen der Tiere muss jedoch genauso achtsam vorgegangen werden wie bei anderem Wild. „Diese Vögel helfen der Natur auch. Was die an Aas fressen, ist unglaublich“, sagt Middendorf und erinnert an Wildtiere, die eines natürlichen Todes sterben und auch an Tierkadaver, die im Straßenverkehr umkommen. „Die nehmen auf, was dort verendet.“

Aasfresser und Umweltreiniger

Doch nicht nur das: „Die fressen auch, was die Menschen in der Natur an Essensressen wegwerfen“, weiß Middendorf mit Blick auf zahlreiche Mc-Donalds-Tüten. „Dann bin ich froh, dass Elstern und Krähen sich das holen. Die und der Fuchs sind mir deutlich lieber als Ratten.“ Zumal die Rabenvögel nicht nur majestätisch wirken, sondern auch unglaublich schlaue Tiere sind, wie Middendorf weiß. „Wenn ich einfach so rausgehe, bin ich denen egal“, hat Middendorf im eigenen Garten beobachtet. „Aber wenn ich einen Besen in der Hand habe, sind die sehr vorsichtig“, schildert er lachend. Scheinbar wollen sie dann sicher gehen, dass der Vorsitzende der Kreisjägerschaft nicht doch ein Gewehr bei sich hat.

3500 Krähen und Elstern wurden kreisweit im Jahr 2020 erlegt

Denn: Die Jäger müssen trotz oder gerade wegen der Tierliebe einen Blick darauf haben, dass bestimmte Tiere keine Dominanz erhalten. Um die Population anderer Tiere zu halten und fördern, müsse der Jäger manchmal regulierend eingreifen, sei es mit der Flinte oder mit der Beizjagd.

Bei der kommen Falkner zum Einsatz, deren Habichte dann Jagd auf die Krähen machen. Im Jahr 2020 wurden im Kreisgebiet 3500 Vögel erlegt. Mit nur 600 Elstern ging deren Zahl zurück, die Zahl der Rabenkrähen stieg jedoch auf 2900.

Waschbär ist auf dem Vormarsch

„Die Elster ist durch den Waschbären auf dem Rückzug, der sich als Nesträuber an den Eiern bedient“, so Middendorf. Die Elsterjagd sei heute an vielen Stellen in den Revieren selten geworden ist. Doch der Waschbär ist invasiv – und auch er muss bejagt werden.

Wurde in den Jahren bis 2009 nicht ein einziger Waschbär im Kreis Unna erlegt, stieg die Zahl in den vergangenen zwölf Jahren rasant. Erst wiesen die Strecken der Jäger zwei, dann vier und dann elf erlegte Tiere aus. „2014 waren es dann 32, 2016 schon 84“, zitiert Middendorf aus der Statistik.

Von 131 erlegten Waschbären in den Jahren 2017/2018 ging es über 170 und 408 Tiere bis auf 428 in der aktuellen Jahresstatistik. „Und coronabedingt waren wir deutlich weniger zur Jagd raus als sonst“, erklärt Middendorf. Die Population der Waschbären explodiere.

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