Jimmy Breuer haut nicht ab

Standup-Comedy

Am Freitagabend interpretierte Komiker Jimmy Breuer die Rufe seines Publikums ein wenig anders: Schrien die ihn an "Hau ab!", dann machte er erst recht weiter. Schlechte Selbstwahrnehmung des Künstlers? Schlechte Show? Nein - bei Jimmy Breuer gehört das dazu.

LÜNEN

von Volker Beuckelmann

, 19.09.2011, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jimmy Breuer schlüpfte in unterschiedliche Rollen, wie etwa in die Figur des neuen „Germany next Flop-Modell“ mit Federboa und Perücke.

Jimmy Breuer schlüpfte in unterschiedliche Rollen, wie etwa in die Figur des neuen „Germany next Flop-Modell“ mit Federboa und Perücke.

Ob die kultige Zeit der 80er Jahre mit angesagten Karottenjeans oder die Französischlehrerin, die Breuer auf der Bühne "anrief", um sie zum schlüpfrigen Nachhilfeunterricht zu bitten – die Sketche waren platt, verfehlten aber nicht ihre Wirkung. Breue ist die personifizierte Persiflage auf schlechte Standup-Comedy – ohne Höhenflüge aber mit Ironie. "Er ist sich selber treu geblieben, er ist immer noch schei...", so die eingespielte Videobotschaft von Hennes Bender. "Lünen liegt im Kreis Unna. Das ist ja ziemlich un nah", so Jimmy Breuer, der mit grüner Jogginghose, gelbem T-Shirt und roter Kappe über die Bühne hüpfte, mal tanzte und sich feiern ließ als großartiger Comedian. Ein "nein" aus dem Publikum interpretierte er als "ja". Bei vermeintlich guten Jokes suchte Breuer die Nähe zum Publikum, ermunterte es zum Abklatschen.

Zu den Höhepunkten zählten selbst komponierte Rap-Lieder, wie "Rassismus ist schlecht" und die unkoordinierte Abfolge von Antiwitzen, die ohne Logik waren und meist überraschend ohne Pointe endeten. Das Abdriften ins Alberne schien den Zuschauern Spaß zu machen. "Der Typ ist durchgeknallt, seine Show blöd, aber gerade das hat seinen Reiz", meinte Thorsten Kunold, der mit zwei Freunden kam und sich amüsierte über die andere Art von Humor.

Was weniger gefiel, waren die 30-minütige Pause, viele Videosequenzen mit flachen Interviews und der Eindruck, dass im Publikum professionelle Zwischenrufer und Eingeweihte saßen. Frank zum Beispiel, der von Jimmy Breuer "zufällig" auf die Bühne gebeten wurde, um Fragen zu einem Ratespiel zu beantworten, machte einen routinierten Eindruck und gesellte sich nach seinem rüpelhaften Verlassen des Hansesaals im Foyer zum Team der Organisatoren. Ob schwindelhafter Fake-Auftritt oder Zufall, dem Publikum schien der Abend gefallen zu haben.

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