Journalist Diethelm Textoris: Von Stars wie Freddy Quinn geschätzt

rn45 Jahre Autor

Dass Freddy Quinn ihm die Hand geschüttelt hat, gehört zu den besonderen Momenten im Leben des Diethelm Textoris. Darüber und über vieles mehr schreibt er seit 45 Jahren für dieses Medienhaus.

Lünen, Selm

, 07.10.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jede Frau, jeder Mann, die oder der für unser Medienhaus schreibt, hat ein Namenskürzel. Ein oder mehrere Buchstaben, die erkennen lassen, wer den jeweiligen Bericht geschrieben hat. Hinter dem Kürzel „text“ verbirgt sich ein Mann, der sein Kürzel quasi zur Leidenschaft gemacht hat. Das Kürzel „text“ steht für Diethelm Textoris. Ein Mann, der den Text im Nachnamen hat - das musste ja zu journalistischer Passion führen, sollte man meinen. So ganz stimmt das nicht.

Bis Diethelm Textoris vor 45 Jahren seine allerersten journalistischen Zeilen verfasst hat, hatte er bereits einen längeren Weg hinter sich, der ihn in andere berufliche Sphären gebracht hat. Diethelm Textoris wurde in Dortmund-Mengede geboren. Nach der Schulzeit in Mengede hat er am Westfalen-Kolleg Abitur gemacht. In Bochum schloss sich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an, „mit Zweitfach Publizistik“, wie er betont.

Mehr als 30 Jahre Berufsschullehrer

Aha, da ist also der direkte Anknüpfungspunkt für das spätere Schaffen, oder? Nein, Textoris wechselte über einen Sondererlass als Diplom-Ökonom in den Schuldienst. Nämlich ans Lippe Berufskolleg in Lünen. Mehr als 30 Jahre - bis 2006 - war Diethelm Textoris Berufsschullehrer in Lünen. Das Metier des Journalisten habe ihn aber - auch aus den Erfahrungen des Publizistikstudiums - nach wie vor interessiert. Ausgefüllt hat er es später.

Dass er mittlerweile seit 45 Jahren Journalist ist und seit Jahrzehnten auch für unser Medienhaus Berichte über Wanderungen, Kultur und Personenportraits schreibt, hat seine Anfänge in seiner Heimat Mengede. Und zwar bei der Nordwest-Zeitung, die später unter dem Dach des Medienhauses Lensing-Wolff herausgegeben wurde.

Artikel und Fotos per Post von unterwegs geschickt

1975 war es, als Textoris zum damaligen Leiter der Redaktion der Nordwest-Zeitung in Mengede, Karlheinz Bohnmann, ging und ihm eine Artikelserie vorschlug. „Ich hatte vor, die Alpen zu Fuß zu überqueren“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Als journalistischer Anfänger machte er dem Redakteur einen weiteren, damals innovativen Vorschlag: „Ich habe ihm gesagt, ich könne Artikel und Fotos auch von unterwegs schicken.“ Nach drei bis vier Tagen, „an denen ich die ersten Abenteuer erlebt hatte“, habe er dann einen Tag Pause gemacht. Pause deshalb, „weil ich ja noch die Schwarz-weiß-Fotos entwickeln lassen musste“. Das war in Sonthofen. Handgeschriebene Berichte und Fotos habe er per Post nach Mengede geschickt.

Die Sache mit Willie Nelson

Die Artikelserie erschien - und damit begann ein für Diethelm Textoris neuer Abschnitt. Zig Wanderungen durch ganz Europa, durch die USA hat er erlebt. Und er hat die Leser daran teilhaben lassen. Sie lasen, wie Textoris mit Wanderfreunden in Ungarn zur Vorwendezeit DDR-Bürgern begegnet ist, die über die Grenze nach Ungarn geflüchtet waren. Sie lasen über die zwei älteren Damen in den USA, die ihm eine große Freude bereitet haben, als sie ihm, dem Fan des Country-and-Western-Sängers Willie Nelson, eine Karte für ein vermeintlich ausverkauftes Konzert schenkten. „Über diesen Teil der Reise habe ich übrigens nur wenige Sätze geschrieben“, erzählt Diethelm Textoris, „den größten Teil hat meine Besprechung des Nelson-Konzertes ausgemacht“, sagt er lachend. Einer der ersten Schritte in den Bereich der Kulturberichterstattung.

Auch die Hohe Tara hat Diethelm Textoris erwandert.

Auch die Hohe Tara hat Diethelm Textoris erwandert. © Diethelm Textoris

Irgendwann hat Textoris dann angefangen, Wanderungen durch seine Heimatregion zu machen. Allein, und mit Gruppen. Auch davon hat er berichtet. Von der Heimat. Rund um Dortmund, ins Münsterland hinein ist er gewandert und tut es noch heute.

Nun hätte er ja versuchen können, seine Reiseberichte - ob aus aller Welt oder aus der Region - an größere Reisemagazine zu verkaufen. Hat er nicht. Warum nicht? „Es war der persönliche Kontakt zu Karlheinz Bohnmann und zum anderen hatte ich ja meinen Beruf. Und es ist immer ein schönes Gefühl, wenn mich Menschen hier vor Ort auf meine Artikel ansprechen.“ Diese persönlichen Begegnungen seien ihm sehr wichtig.

Auge, Ohr und alle Sinne der Leser

Textoris war und ist Auge, Ohr, alle Sinne der Leser, wenn er berichtet. Und als solcher sei es ihm immer wichtig gewesen, „dass die Leser von der Herzlichkeit der Menschen in den Ländern, in denen ich war, erfahren, dass sie Eindrücke der Länder bekamen“. Dass sie letztendlich auch die Scheuklappen ablegen und selbst in Bewegung kommen.

Diethelm Textoris waren die Interviews mit Freddy Quinn eine große Freude.

Diethelm Textoris waren die Interviews mit Freddy Quinn eine große Freude. © Repro Arndt Brede

Das gilt auch für den zweiten großen Bereich, über den Diethelm Textoris gern berichtet: die Kultur. Er hat Interviews mit Stars wie Freddy Quinn geführt, hat zu diesen Prominenten ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Dieses Verhältnis spiegelte sich auch in den sehr persönlichen Zeitungsberichten wider. Und auch in Autogrammen der Stars. „Herrn Textoris mit herzlichem Dank für das überaus faire Interview“, hat Freddy Quinn auf die Autogrammkarte geschrieben, die Textoris aufbewahrt hat.

Diethelm Textoris am Computer. Hier schreibt der 76-Jährige seine Artikel für unser Medienhaus.

Diethelm Textoris am Computer. Hier schreibt der 76-Jährige seine Artikel für unser Medienhaus. © Arndt Brede

Ob er nun handschriftliche Artikel per Post geschickt oder heutzutage am Computer schreibt: Die Fähigkeit von Diethelm Textoris, Momente erfahrbar zu machen, Atmosphäre spüren zu lassen, das ist es, was die Leser seiner Berichte mögen. Konzertberichte, Personenportraits, Wanderungen: Die Klammer, die diese Genres eint, das ist der Mensch, das sind die Menschen, über die Diethelm Textoris schreibt. „Ich betrachte jeden Menschen individuell“, sagt er. Er interessiert sich für die Menschen. Da lässt er auch mal einen zehnjährigen Besucher zu Wort kommen, wie ihm eine Veranstaltung gefallen habe. Da nimmt er auch in Kauf, dass die Antwort „gut“ und die Nachfrage, was genau, „alles“ lautet.

Mit 76 Jahren hat Diethelm Textoris schon viel zu berichten gehabt. Und - das ist eine gute Nachricht - er wird noch viel zu erzählen haben. Über dem Bericht steht dann „Von Diethelm Textoris“. Oder eben am Ende des Berichts das Kürzel „text“. Was sonst? www.wandern-mit-tex.de

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