Jugendfeier statt Firmung oder Konfirmation - auch Lüner Jugendliche sind dabei

rnHumanistischer Verband

Eine Feier zum Erwachsenwerden - damit ist nicht der 18. Geburtstag gemeint, sondern Firmung und Konfirmation. Und wenn man nun nicht in der Kirche ist? Dann gibt es auch eine Alternative.

Lünen

, 10.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war schön hier, besser als bei uns - dieses Kompliment freut Jens Hebebrand besonders. Es stammt von einer Jugendfeier des Humanistischen Verbands, von einem Großvaters eines Teilnehmers, der Jugendfeiern aus der früheren DDR kannte. Hebebrand ist Vorsitzender der Humanistischen Gemeinschaft Dortmund/Ruhr-Lippe.

Es kommt oft vor, dass Familien, die aus den östlichen Bundesländern stammen und nun im Westen zuhause sind, ihre Kinder zur Jugendfeier schicken. Aber auch immer mehr Menschen aus dem Westen kehren den christlichen Kirchen den Rücken zu. „Ich schätze, in Lünen sind es zwischen 25 und 30 Prozent der Einwohner, die nicht mehr in der Kirche sind“, so Hebebrand.

Teilnehmer sind zwischen 13 und 15 Jahren alt

Weil sie aber trotzdem ein Zeichen setzen wollen, wenn ihre Kinder langsam erwachsen werden, ist für sie die Jugendfeier eine Alternative zur Firmung in der katholischen und zur Konfirmation in der evangelischen Kirche.

Wie bei den Feiern dort sind auch bei der Jugendfeier die Teilnehmer zwischen 13 und 15 Jahren alt. Und wie bei Firmung und Konfirmation werden auch die Jugendfeier-Teilnehmer vorbereitet. Es gibt zwischen fünf und acht Treffen und auch ein Wochenend-Seminar. Hebebrand: „Außerdem leisten eigentlich alle Teilnehmer einen Beitrag zur Feier. Das ist auch immer sehr schön.“

Jugendfeier statt Firmung oder Konfirmation - auch Lüner Jugendliche sind dabei

Jens Hebebrand ist Vorsitzender der Humanistischen Gemeinschaft Dortmund/Ruhr-Lippe und organisiert auch Jugendfeiern. © Beate Rottgardt

Und natürlich machen sich die Jugendlichen auch schick für die Feier, so wie es auch die gleichaltrigen Konfirmanden oder Firmlinge tun.

Bekannt wurde die „Jugendfeier“ als „Jugendweihe“. Die meisten Leute bringen das Wort „Jugendweihe“ sofort in Zusammenhang mit der ehemaligen DDR. Aber kaum jemand weiß, dass diese Feier tatsächlich im sozialistischen deutschen Staat bis 1950 verboten war. Danach entdeckten Ulbricht, Honecker und Co. die Feier für sich und regelten die „Jugendweihe“ in ihrem Sinne - als staatlich organisierte Angelegenheit.

Umbenennung der „Jugendweihe“ in „Jugendfeier“

Aber die „Jugendweihe“ gibt es sogar schon seit den ersten Demokratie-Bewegungen 1848. Mittlerweile - nach dem Mauerfall - hat die humanistische Bewegung die „Jugendweihe“ in „Jugendfeier“ umbenannt. Weil es ja auch gar keine Weihe ist, wie man sie aus Kirchen kennt.

Hebebrand: „Besonders nachgefragt sind die Jugendfeiern in Berlin und Brandenburg, aber auch bei uns gibt es Nachfragen.“ Aus Lünen war bei den letzten Jugendfeiern in der Region immer mindestens ein Jugendlicher dabei. Hebebrand: „Wenn wir mindestens drei aus Lünen haben, würden wir eine solche Jugendfeier auch in Lünen ausrichten.“

Schon der Urgroßvater war in der „Freigeistigen Gemeinschaft“

Pro Teilnehmer rechnen die Veranstalter immer mit 20 Personen - Familie und Freunde - die dabei sind. Entsprechend muss die Größe der Lokalität sein. In Dortmund waren die Humanisten schon in einer Schulaula, im Fritz-Henßler-Haus oder in einem Kulturzentrum.

Hebebrand (52) selbst war früher evangelisch, ist auch konfirmiert worden. Aber schon sein Urgroßvater war Vorsitzender des Ortsverbandes der „Freigeistigen Gemeinschaft“.

Nach der Konfirmation trat er aus der Kirche aus. „Weil ich aber Leute will, mit denen ich mich austauschen kann, hab ich mich dem humanistischen Verband angeschlossen“, so der Lüner.

Neben der Jugendfeier bietet der Humanistische Verband auch Namensfeiern für Babys an - ein Pendant zu christlichen Taufe. „Weil wir als Körperschaft mit Kirchen gleichgestellt sind, dürfen wir bei Hochzeiten auch das Familienbuch stempeln und siegeln.“

Viele Menschen bitten die Vertreter des Humanistischen Verbands auch, Beerdigungen zu gestalten. Ab Oktober bildet der Verband wieder an vier Wochenenden neue Sprecher aus.

Eltern, die ihre Kinder zur Jugendfeier anmelden wollen, können dies bei den Jungen Humanisten tun: Tel. (0231) 1 52 72 48, Mail: mail@hvd-nrw-de oder auf der Internetseite des Verbandes.
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