Justin (14) hat bei seinen Pflegeeltern ein richtiges Zuhause gefunden

rnErfahrungen eines Pflegekindes

Nicht alle Kinder und Jugendlichen können bei ihren Eltern leben. Für sie sucht der Pflegekinderdienst der Stadt Pflegefamilien. Justin (14) hat solch ein neues Zuhause gefunden.

Lünen

, 10.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Justin ist 14 Jahre alt, ein aufgeweckter Jugendlicher mit vielen Hobbys. Derzeit muss er sich zuhause beschäftigen, denn zur Schule kann er wegen der Corona-Maßnahmen derzeit nicht gehen.

Das Familienleben ist - wie bei allen anderen Familien - etwas anders als normal. Und das hat eben mit der Corona-Krise zu tun und nicht damit, dass Justin in einer Pflegefamilie lebt.

Keinen Kontakt zu leiblichen Eltern

Der Schüler ruft seine Pflegeeltern beim Vornamen, sagt nicht Mama und Papa. „Das hab ich immer nur zu meinen leiblichen Eltern gesagt.“ Gefühlt jedoch sind die Pflegeeltern seine Eltern, bei denen er mittlerweile die Hälfte seines Lebens verbracht hat. Justin lebt in einer Pflegefamilie seitdem er sieben Jahre alt ist.

Zu seinen leiblichen Eltern hat Justin keinen Kontakt mehr. „Ich wollte das nicht mehr. Aber zu meinen Großeltern habe ich noch Kontakt“, erzählt der 14-Jährige. Eineinhalb Jahre lang lebte Justin in einem Kinderheim. Dort lernte er auch seine Pflegeeltern kennen.

Das Ehepaar hatte sich entschlossen, einem Pflegekind ein neues Zuhause zu geben. Bevor Justin zu den Beiden kam, mussten sich Pflegeeltern und mögliches Pflegekind aber erst einmal kennen lernen.

Schwieriger Anfang musste überwunden werden

„Am Anfang war es schwierig. Ich hab mich gefragt, wer ist das, was wollen die von mir“, erinnert sich Justin. Doch bei vielen Besuchen im Kinderheim gewöhnte er sich an seine Pflegeeltern. „Sie haben mich auch in die Schule gefahren und von dort abgeholt.“

Die Chemie stimmte zwischen dem damals Siebenjährigen und seiner künftigen Pflegefamilie. Dann zog Justin im März 2013 bei seinen Pflegeeltern ein. Ein besonderer Tag für ihn und das Ehepaar. Deshalb hat Justin auch seitdem eine Art zweiten Geburtstag.

„Natürlich ist der Tag, an dem ich geboren wurde, mein Geburtstag. Aber an dem Tag, an dem ich vor sieben Jahren zu meinen Eltern kam, essen wir auch immer Torte“, erzählt Justin.

Freunde wissen, dass Justin ein Pflegekind ist

Seine Pflegeeltern sind für ihn „wie meine Eltern“. Seine Freunde wissen, dass er ein Pflegekind ist. „Ich gehe offen damit um, aber eigentlich sind wir eine ganz normale Familie.“ Und das ging relativ schnell nach dem Umzug in sein neues Zuhause.

„Mir geht es hier super gut, viel besser als im Kinderheim, weil wir eine Familie sind. Es bedeutet mir viel, dass ich hier ein Zuhause habe“, sagt der 14-Jährige. Auch wenn er seine Pflegeeltern beim Vornamen ruft, für ihn sind sie gefühlt Mutter und Vater.

Mit sieben Jahren kam Justin zu seinen Pflegeeltern.

Mit sieben Jahren kam Justin zu seinen Pflegeeltern. © Pixerbay

„Wenn ich mit meinen Freunden rede, dann spreche ich von meinen Pflegeeltern als meinem Vater und meiner Mutter.“ Während er bewusst auf Kontakt mit seinen leiblichen Eltern verzichtet, fühlt er sich in seiner Pflegefamilie so, „als wäre ich hier geboren.“

Nach seinen Erfahrungen fände es Justin sehr schön und wichtig, wenn sich noch mehr Paare oder Familien entscheiden würden, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen.

Justins Rat aus eigener Erfahrung: „Man sollte viel miteinander unternehmen, das bindet sehr aneinander.“ Das helfe gerade auch, wenn das Pflegekind kein Baby oder Kleinkind sondern schon etwas älter sei.

Viele Hobbys

Justin hat viel mit seinen Pflegeeltern unternommen. Damit sie sich besser kennen lernen konnten. Unterstützt wird er aber auch von seinen Eltern bei seinen vielen Hobbys. „Ich bin in drei Vereinen - mache Taek Won Do, spiele Fußball und bin auch beim Technischen Hilfswerk.“

Außerdem springt Justin Trampolin, fährt mit Freunden BMX-Rad und Scooter. Ein ganz normaler 14-Jähriger, dessen Leben vor sieben Jahren eine neue Wendung bekommen hat. Als er seine Pflegeeltern kennen lernte und eine neue Familie bekam. Und solch eine positive Wende wünscht Justin auch anderen Kindern.

Voraussetzungen

Stadt Lünen sucht nach Pflegefamilien

  • Der Pflegekinderdienst der Stadt Lünen sucht derzeit Pflegefamilien. Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt Lünen.
  • Das sollten künftige Pflegeeltern sein: Eine stabile Persönlichkeit, erziehungserfahren oder pädagogisch geschickt,- flexibel und belastbar, kritik- und konfliktfähig, tolerant und offen für andere Lebensbezüge, sehr empathisch gegenüber belasteten Kindern, lernbereit und kooperativ.
  • Sie sollten sich sich auf Beratung als laufenden Prozess einlassen und sich an vertraglich geregelte Absprachen halten, abgrenzen, emotional ausdrücken und binden sowie mit der Herkunftsfamilie des Kindes unter Begleitung des Pflegekinderdienstes Umgangskontakte wahrnehmen können
  • Zudem sollten sie Zeit haben und ein eigenes Zimmer für das Kind bzw. den Jugendlichen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt