Kann Lünen Hitlers Ehrenbürgerschaft entziehen?

Bürger stellen Antrag

Die Lüner Ehrenbürgerschaft - sie ist nur fünf Mal verliehen worden. Allerdings auch an Adolf Hitler und an Paul von Hindenburg. Mit einem Antrag wollen Bürger erreichen, dass die Ehrenbürgerschaft wieder aberkannt wird. Die Antwort aus dem Rathaus zeigt jedoch: Ganz so einfach ist es nicht.

LÜNEN

, 22.09.2016, 05:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kann Lünen Hitlers Ehrenbürgerschaft entziehen?

Am 29. Juni 1934 besuchte Adolf Hitler Lünen.

„Eine Aberkennung der Ehrenbürgerrechte durch den Rat der Stadt Lünen setzt voraus, dass die beliehene Person noch lebt“, heißt es im Amtsdeutsch in der Stellungnahme der Verwaltung, die schon jetzt einsehbar ist. Heißt: „Eine Aberkennung der Ehrenbürgerrechte für Hitler und von Hindenburg ist faktisch nicht mehr möglich.“

Das bestätigte am Montag auch ein Sprecher des Innenministeriums – zumindest teilweise: „Rein formal ist die Ehrenbürgerschaft erloschen“, sagt er. „Man kann die Ehrenbürgerschaft aber trotzdem aberkennen, dann ist es mehr ein politisches Signal“, sagt der Sprecher weiter.

Rat der Stadt könnte sich symbolisch von 1933 distanzieren

Gründe für eine solche Distanzierung zur Ehrenbürgerschaft Hitlers stehen laut Verwaltungs-Stellungnahme „außer Zweifel“, auch von Hindenburgs Gesamtbilanz falle „eindeutig negativ“ aus, schließlich habe er die Etablierung und Durchsetzung der nationalsozialistischen Diktatur ermöglicht.

Die einzige Möglichkeit, sich erneut zu positionieren, meint die Verwaltung, bestehe darin, sich von dem Ratsbeschluss vom 2. März 1933 zu distanzieren. Das war nur gut einen Monat, nachdem Paul von Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannte.

Die Urkunde über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts datiert vom 1. Juni 1934, Hitler wird darin bescheinigt, in „Deutschlands tiefster Erniedrigung niemals den Glauben an die Kraft und den Wiederaufstieg des deutschen Volkes verloren“ zu haben.

Lünens Ex-Bürgermeister erinnerte 2012 an dieses Thema

In seiner Rede anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht am 9. November 2012 hatte der damalige Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick sich auch im Namen des Ältestenrats schon einmal von dem Beschluss distanziert. Er wolle damit „noch einmal ein deutliches Signal setzen, das in die Zukunft wirkt“, sagte Stodollick damals.

Die Verwaltung regt an, dass der Rat sich noch einmal ausdrücklich von der Ehrenbürgerschaft Hitlers und von Hindenburgs distanziert. Damit würden Hitler und von Hindenburg zwar immer noch auf der Ehrenbürger-Liste auf Wikipedia geführt. Eine Löschung der beiden sei nicht möglich, „wegen der fehlenden Grundlage einer Aberkennung“. Zumindest aber könnte der Eintrag dann um die Distanzierung des Rates ergänzt werden.

Fakten rund um Adolf Hitlers Ehrenbürgerschaft

  • In rund 4000 Städten und Gemeinden in Deutschland und Österreich war Adolf Hitler Ehrenbürger.
  • Einige haben sich formal distanziert, andere haben auch posthum eine formelle Aberkennung vorgenommen.
  • Dazu zählt zum Beispiel Castrop-Rauxel. Der Rat dort hat Hitler Ende 2011 die Ehrenbürgerschaft aberkannt.
  • „Die Aberkennung ist ein symbolisches Handeln, das zeigt, dass die Werte der Demokratie gegensätzlich zu den Werten des NS-Regimes stehen“, hatte der Bürgermeister damals erklärt.

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