Bäckerei Kanne: Filiale am Christinentor geschlossen, bevor die Mitarbeiter informiert waren

rnCorona-Krise

Wilhelm Kanne jun. ist sauer. Er habe sich frühzeitig bemüht, alle Informationen über Anweisungen in der Corona-Krise zu bekommen. Doch das Lüner Ordnungsamt ging schneller vor.

Nordlünen

, 26.03.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch wenn die strengen Auflagen wegen der Corona-Krise noch nicht lange gelten, zeichnet sich für Wilhelm Kanne jun. und seine Bäckerei jetzt schon ein Umsatzverlust von 20 bis 30 Prozent ab. Trotz aller Anstrengungen, Umstellung und sonstiger Maßnahmen.

„Hygiene ist in unserem Betrieb immer ein wesentlicher Punkt, aber jetzt kommt die Ansteckungsgefahr durch Corona noch dazu“, erzählt Kanne, dem man die Belastung ansieht. Den Catering-Bereich hat Kanne vollkommen eingestellt, in allen Filialen wurden zudem die Sitzbereiche gesperrt. Dafür will er das Angebot „Mittagstisch zum Abholen“ stärker ausbauen, „weil es ganz gut angenommen wird“.

Mit allen Beschäftigten das Ende der Corona-Krise erleben

Zusammen mit dem Betriebsrat hat er die Einteilung der Mitarbeiter den augenblicklichen Anforderungen angepasst. Wem die eigentliche Arbeit weggebrochen ist, der hilft bei anderen mit und kann sie so entlasten.

„Ich will auf jeden Fall mit allen Beschäftigten das Ende dieser schlimmen Zeit erleben, wir halten zusammen“, so Kannes Ziel.

Leider muss er dabei aber feststellen, dass es unerwartete Probleme gibt.

„Ich habe mich in den letzten Tagen immer darum bemüht, die vielen neuen Anweisungen rechtzeitig zu erfahren, um sie umzusetzen“, sagt Kanne.

Das betraf hauptsächlich den Betrieb der gastronomischen Bereiche in seinen Filialen. Kanne hätte sich gefreut, wenn das Lüner Ordnungsamt ihm dabei behilflich gewesen wäre.

Polizei und Ordnungsamt machen Filiale dicht

Stattdessen bekam er eine unfreundliche Abfuhr und musste erfahren, dass Polizei und Ordnungshüter Kannes Betrieb an der Langen Straße am Christinentor in Lünen geschlossen haben, ohne dass er seine Mitarbeiter vorher davon in Kenntnis setzen konnte.
In der Nachbarstadt laufe das anders. „Das bin ich aus Selm so nicht gewohnt, da hat die Zusammenarbeit mit der dortigen Ordnungsbehörde reibungslos funktioniert“. Auch dort hat Kanne Filialen.

Derzeit leben Kanne und seine Mitarbeiter „praktisch von Tag zu Tag und warten, welche neuen Anweisungen auf uns zukommen um zu sehen was geht“.

Der Inhaber der Bäckerei mit dem Hauptsitz im Geistwinkel hat fast 300 Mitarbeiter und 27 Filialen in Lünen und Umgebung, gehört zu den größeren Arbeitgebern in der Stadt.
In seinem Unternehmen läuft fast alles in Handarbeit, eine Umstellung auf Homeoffice ist nicht möglich. „Wir haben schon sehr früh angefangen, uns mit der Situation auseinanderzusetzen, als abzusehen war welche Entwicklung die Corona-Krise nehmen würde. So bekamen wir einen kleinen Vorsprung bei der Organisation der Geschäftsabläufe“, sagt Kanne.

Schichten werden vorsichtshalber separiert

Virus-Infektionen von Mitarbeitern sollen auf jeden Fall verhindert werden. Eine Dezimierung des Team dürfe auf keinen Fall passieren, also wurden die Schichten für die Backstube, die Auslieferung und die Verwaltung so gut wie möglich separiert. „Die meiste Zeit verbringe jetzt damit, mit den Filialen zu telefonieren um dort die Dinge zu ordnen und zu koordinieren.“

Für die kommende Zeit sieht Wilhelm Kanne keinen statischen Prozess auf sich zukommen, es werden wohl noch weitere Veränderungen auf seine und andere Firmen warten, befürchtet er. „Wenn wir am Ende mit einem blauen Auge davonkommen wäre ich glücklich und wir könnten uns daran machen, es wieder aufzubauen.“

Helfen würden natürlich dabei die angekündigten Finanzmittel, aber auch vielleicht noch mehr die Unterstützung und die Treue der Kunden. „Wenn wir eine Lehre aus dieser Krise ziehen können, dann ist es die, dass es wieder eine engere Bindung zwischen Kunden und Betrieb im Nahbereich geben muss“.

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