Kaum noch Wintervögel in Lüner Gärten gesichtet

Bedrohlicher Rückgang

Bei der "Stunde der Wintervögel" wurden im Kreis Unna 9093 Vögel gezählt. Von manchen Arten wurden 40 Prozent weniger als im Vorjahr gesichtet. Kein zufriedenstellendes Ergebnis, finden Hobby-Vogelkundler und Naturschützer. Welche Ursachen das haben kann und wie Vogelfreunde jetzt am besten vorgehen sollten, haben wir hier zusammengetragen.

LÜNEN

, 27.01.2017, 06:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kaum noch Wintervögel in Lüner Gärten gesichtet

Hans-Joachim Pflaume hat seinen Futterspender das letzte Mal vor drei Wochen aufgefüllt. Doch von der Körnermischung wurde nicht viel gefressen.

In den Futterhäuschen ist nichts los. „Sonst kann ich zur Winterzeit immer viele Meisen bei mir im Garten beobachten. Aber in diesem Winter hab ich kaum welche gesehen“, sagt Hans-Joachim Pflaume, Mitglied im Arbeitskreis Umwelt und Heimat Lünen. Der Garten von Hans-Joachim Pflaume ist keine Ausnahme. In ganz Nordrhein-Westfalen ist ein Vogelrückgang zu beobachten. Dies zeigen die Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ des Nabu (Naturschutzbund Deutschland).

Neben Hans-Joachim Pflaume beteiligten sich 500 weitere Vogelfreunde im Kreis Unna und dokumentierten, wie viele und welche Vögel sie im eigenen Garten beobachten. Die Ergebnisse sind für Vogelfreunde alarmierend: Im Vergleich zum Vorjahr sind 41 Prozent weniger Kohlmeisen gesichtet worden und 38 Prozent weniger Blaumeisen. Auch die Sichtungen von Elster, Buchfink, Ringeltaube, Rabenkrähe und Feldsperling sind rückläufig. In ganz Nordrhein-Westfalen sanken die Beobachtungen rund um die Hälfte. 

 

 

 

Das könnten die Gründe für den Vogelrückgang sein:

  • Das Frühjahr 2016 war nass und kalt. Dadurch kann es zu schlechten Bruterfolgen gekommen sein, vermutet Hans-Joachim Pflaume. Es wurden viele Nester mit toten Vögeln gefunden. Dies kann allerdings erst anhand der Ergebnisse der nächsten großen Vogelzählung überprüft werden, wenn im Mai wieder tausende Vogelfreunde im Rahmen der „Stunde der Gartenvögel“ die Brutzeitbestände der heimischen Gartenvögel erfassen, so Pflaume.  
  • Im Gegensatz zum kalten Frühling gab es einen milden Winter in Europa. So kann es sein, dass Zugvögel noch nicht zurück nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind. „Die extrem niedrigen Beobachtungsraten beschränken sich auf solche Vogelarten, deren Winterbestände hierzulande sehr stark vom Zuzug von Artgenossen aus dem kälteren Norden und Osten abhängen“, so Heinz Kowalski, stellvertretender Vorsitzender und Ornithologe des Nabu Nordrhein-Westfalen. Dazu passe auch, dass die Rückgänge bei Meisen und Co. im Norden und Osten Deutschlands deutlich geringer ausfallen als in Westdeutschland.  
  • Zudem kann der Rückgang mancher Vogelarten mit dem Rückgang ihrer Ernährungsgrundlage zusammenhängen. „Ich hab noch nie ein Jahr erlebt, wo man so wenige Insekten gesehen hat, wie 2016“, sagt Hans-Joachim Pflaume. Vögel finden immer seltener Raupen, Würmer oder Schmetterlinge, die sie fressen können. Das hängt vor allem damit zusammen, dass in der Landwirtschaft viel Gift versprüht wird, um Insekten vom angebauten Obst und Gemüse fernzuhalten. Auch ein hoher Pestizideinsatz führt zum Absterben von Wildkräutern. Die Nahrungsknappheit wird verschärft. „Es muss an der jetzigen Situation in der Landwirtschaft etwas gemacht werden“, findet Hans-Joachim Pflaume. „Es sollte nicht alles totgespritzt werden, denn damit wird auch die Ernährungsgrundlage vieler Vögel vernichtet.“

Wir haben die Vogelbestände im Kreis Unna grafisch aufbereitet:

 

 

Die Grafik gibt an, wie viele Vögel von welcher Art im Kreis Unna im Zuge der "Stunde der Wintervögel" in Gärten gesichtet wurden. Insgesamt wurden im Kreis in 322 Gärten 9093 Vögel gezählt. 501 Vogelfreunde haben sich an der Zählung beteiligt.

 

Die obige Grafik zeigt an, zu wie viel Prozent die Vögel überhaupt in Gärten gesichtet wurden. Sortiert sind die Vögel nach ihrem zahlenmäßigen Rang, der in der ersten Grafik dargestellt wurde. Weil beispielsweise Amseln sehr anpassungsfähig sind, finden sie in Gärten leichter Nahrung. Obwohl Haussperlinge also zahlenmäßig öfter vorkommen, sind sie im Vergleich zu Amseln seltener in Gärten anzutreffen.

Eine Meise von einer Taube zu unterscheiden, werden die meisten schaffen - aber wie gut kennen Sie die heimischen Vögel wirklich?

Darauf sollte bei der Vogelfütterung geachtet werden:

Im Winter von November bis Ende Februar nehmen besonders viele Vögel das Angebot wahr, weil zu dieser Zeit die natürliche Ernährungsgrundlage knapp ist. Futterspender sollten so beschaffen sein, dass Vögel nicht im Futter herumlaufen können, damit das Futter nicht mit Kot verschmutzt wird. So kann die Übertragung von tödlichen Krankheiten verringert werden.

Die Reinigung des Futterspenders ist manchmal nötig. Auch bei Vogeltränken sollte das Wasser immer sauber sein. Ein geschützter Ort für den den Futterspender sollte gesucht werden, damit das Futter durch Regen und Schnee nicht durchnässt wird und verdirbt. Sonnenblumenkerne eignen sich gut als Basisfutter und werden von fast allen Arten gefressen. Viele Geschäfte verkaufen auch Freiland-Futtermischungen oder Meisenknödel.

Salzige Nahrung wie Speck und Salzkartoffeln sollten nicht angeboten werden. Auch Brot ist für Vögel nicht zu empfehlen. Manche Vogelarten wie Rotkehlchen, Amseln oder Zaunkönig sind auch Weichfutterfresser. Diese Vögel freuen sich über Rosinen, Obst oder Haferflocken.

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