Kein Fortkommen im Prozess um Babyleichen

Mutter aus Lünen vor Gericht

Die Justiz tut sich schwer, den grausamen Fund von zwei skelettierten Babyleichen in Lünen vor fast vier Jahren aufzuarbeiten: Eigentlich sollte sich die Mutter, heute 33 Jahre alt, längst vor dem Dortmunder Landgericht verantworten müssen. Doch wann das passiert, ist unklar.

LÜNEN

, 14.09.2016, 16:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Abend des 11. Oktobers 2012: Abfall aus der Wohnung wird von Kriminaltechnikern in Container geworfen. Zuvor war die zweite skelettierte Babyleiche gefunden worden.

Der Abend des 11. Oktobers 2012: Abfall aus der Wohnung wird von Kriminaltechnikern in Container geworfen. Zuvor war die zweite skelettierte Babyleiche gefunden worden.

Noch immer ist ein Termin für eine Verhandlung „nicht abzusehen“. Das erklärte am Mittwoch auf Anfrage Dr. Jan Wiethoff, Sprecher des Dortmunder Landgerichts. Für das dort zuständige Schwurgericht gebe es Haftsachen, „die vorrangig zu behandeln sind“, so Wiethoff weiter. Die im Verfahren um die Babyleichen angeklagte Frau befindet sich auf freiem Fuß. In ihrer Wohnung in der nördlichen Innenstadt waren im Oktober 2012 nach einem Brand zwei bereits skelettierte Babyleichen gefunden worden. Ein Baby, so ergaben die Ermittlungen, wurde nur sechs Monate alt, das andere lebte gar nur vier Wochen.

Am 10. Dezember 2014 stand die Mutter vor dem Lüner Schöffengericht. Aussetzung, Körperverletzung und Verletzung der Fürsorgepflicht lauteten die Tatvorwürfe.

Verdacht der vorsätzlichen Tötung

Kurz nachdem er begonnen hatte, war der Prozess allerdings schon wieder vorbei. Das Gericht verwies das Verfahren an das für Tötungsdelikte zuständige Schwurgericht in Dortmund. Denn zwischenzeitlich, so damals Oberstaatsanwältin Carola Jakobs, habe sich im Zuge der Ermittlungen der Verdacht der vorsätzlichen Tötung ergeben.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund schickte die Akte laut Sprecher Henner Kruse im Januar 2015 an das Landgericht Dortmund. Dort liegt sie nun über 19 Monate, ohne dass verhandelt worden wäre.

Vorsitzender der für den Babyleichen-Fall zuständigen Schwurgerichts-Kammer ist Richter Wolfgang Meyer. Der Vorsitzende sei „schon 2015 sicher gewesen, dass es eine Sache für das Schwurgericht ist“ und somit auch verhandelt wird, erklärte Gerichtssprecher Wiethoff.

Schwurgericht steckt in Großverfahren fest

Nur wann? „Im Moment hat der Vorsitzende sechs Haftsachen, die vorrangig sind“, sagte Wiethoff. Hintergrund: Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, muss binnen sechs Monaten der Prozess gemacht werden. Sonst sind sie zu entlassen.

Für Jörn Hartwich, Gerichtsreporter unserer Redaktion am Landgericht, ist die Erklärung des Gerichts für die Verzögerung nachvollziehbar: „Das Schwurgericht steckt in mehreren Großverfahren fest.“

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