Kinderschwimmen: „Die SPD verschließt die Augen vor der Realität“

rnFehlende Kapazitäten

2011 wurden vier Lüner Schwimmbäder geschlossen und dafür das Lippebad eröffnet. Reichen diese Kapazitäten aus, damit alle Kinder schwimmen lernen können? Im Ausschuss war man sich uneins.

Lünen

, 12.02.2019 / Lesedauer: 3 min

30.000 Euro wollte die GFL in den Haushalt einstellen lassen, zur Erstellung eines Bäderkonzeptes. Beantragt hat sie das vergangenen Mittwoch im Ausschuss für Bildung und Sport. Eines „neuen Bäderkonzeptes“, hätte es richtigerweise heißen müssen, denn es gibt ja schon eines. Hintergrund der Anfrage: Immer weniger Kinder können richtig schwimmen, auch, weil es offenbar ein Kapazitätsproblem gibt. Recherchen dieser Redaktion hatten das erst kürzlich bestätigt.

Bei der DLRG wartet man ein Jahr auf einen Schwimmkurs, beim SV Lünen 08 bis zu anderthalb Jahre. Die Schwimmzeiten haben sich reduziert. Andreas Mildner, GFL-Ausschuss-Mitglied, ist selbst Vorsitzender des Schwimmvereins Brambauer, dort wartet man ungefähr ein Jahr auf so einen Kurs. Ein Bäderkonzept, so die Idee der GFL, könne da möglicherweise Abhilfe und neue Kapazitäten schaffen.

Dazu meldete sich die SPD zu Wort. Daniel Wolski: „Wir lehnen das ab, die Kapazitäten sind ausreichend.“ Außerdem, hieß es von der SPD, seien trotz Schließung der Bäder die Wasserflächen ja gleich geblieben und die 30.000 Euro würden den Haushalt nur weiter belasten. Mildner wiederum kommentierte das: „Die SPD verschließt die Augen vor der Realität. Es geht doch um die Kinder, und wir möchten, dass die Schwimmen lernen.“

Kinderschwimmen: „Die SPD verschließt die Augen vor der Realität“

So leer ist es im Lippebad selten. Zum Schwimmenlernen bleibt da nicht viel Zeit. © Fröhling

Darauf meldete sich schließlich Uwe Walter (SPD) zu Wort. Man brauche kein neues Bäderkonzept und müsse nichts ändern, aber: „Wir müssen den Eltern sagen, dass sie ihren Kindern das Schwimmen beibringen.“

Fraktionslos und neutral ergriff schließlich Christian Zapp, Vorsitzender des Stadtsportverbandes und sachkundiger Einwohner im Ausschuss, das Wort: Die Wasserflächen seien nicht gleich geblieben nach den Schließungen, „das ist schlicht falsch, die sind deutlich reduziert worden.“ Den Eltern einfach zu sagen, sie sollen sich darum kümmern, gehe an der Realität vorbei. Im Übrigen seien auch seines Wissens nach die Wartelisten teilweise bis zu drei Jahre lang. „Die Situation ist nicht gut. Ob man das mit einem neuen Konzept löst, weiß ich auch nicht.“ Manchmal sei es aber gut, bestehende Konzepte noch zu überprüfen und eventuell zu überarbeiten.

Der Ausschuss für Bildung und Sport hat sich am Ende mehrheitlich dagegen entschieden. Nur GFL und FDP (vier Stimmen) waren dafür, SPD und CDU geschlossen dagegen, der Rest enthielt sich. Ähnlich sah es im Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag (7.2.) aus, sodass der Antrag wohl auch in der Ratssitzung am kommenden Donnerstag (14.2.) keine Chance haben wird.

Kommentar

Inhaltliche Auseinandersetzung? Fehlanzeige

Es war erst ein paar Tage her, dass wir online und in der Zeitung groß darüber berichtet haben, wie schwierig es für Eltern ist, einen Schwimmkurs für den Nachwuchs zu finden. Und dass deswegen immer weniger Kinder vernünftig schwimmen können. Das haben die Vereine bestätigt. Das hat die DLRG bestätigt. Das hat im Ausschuss selbst auch noch der Chef des Stadtsportverbandes bestätigt. Dass die SPD den GFL-Antrag trotz allem mit einem „die Kapazitäten sind ausreichend“ wegbügelt, ist nicht zu verstehen. Schon möglich, dass der Ansatz mit dem neuen Konzept nicht der richtige ist. Schon möglich, dass die SPD genervt war, weil die GFL in ihrem Antrag schon wieder eine Überdachung fürs Freibad Cappenberger See ins Spiel bringt. Dass sich die SPD - und übrigens auch die CDU - trotz erwiesenermaßen vorhandenen Problemen nicht inhaltlich damit beschäftigt, ist schwach.
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