Kirche empfängt Wiederkehrer nicht so herzlich, wie es sich ein Heimkehrer wünschen würde

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Wer sich aus verschiedensten Gründen von der Kirche verabschiedet und das auch finanziell, der tritt aus. Nur wenige finden den Weg zurück. Aber es gibt diese Fälle eben doch, auch in Lünen.

Lünen

, 02.08.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor 30 Jahren ist Jürgen Hüser (65) aus Lünen aus der katholischen St. Gottfried Gemeinde ausgetreten. Das hatte gleich zwei gute Gründe: Zum einen wollte der damalige Berufskraftfahrer sein verdientes Geld nicht der Kirche geben, zum anderen habe ihm Pfarrer Schneider damals seinen Glauben kaputt gemacht. „Ich war im Kirchenchor in Wethmar und Messdiener, aber damals waren spontane Backpfeifen und Ähnliches keine Seltenheit“, sagt der 65-Jährige.

Kürzlich berichtete diese Redaktion über die Relation von Kirchenaustritten und Wiedereintritten in Lünen. Pastor Thomas Großeit von der Pfarrgemeinde St. Marien, zu der St. Gottfried gehört, erklärte, dass ihm kein Fall eines Wiedereintritts in Lünen bekannt sei.

Dem Tod von der Schüppe gesprungen

Einen Fall gibt es jedoch mindestens in Lünen. Denn Jürgen Hüser kehrte zurück zu seiner Gemeinde. Vor drei Jahren wagte er den Schritt, weil ihm etwas fehlte. Zwei persönliche Schicksalsschläge zwangen den damaligen Berufskraftfahrer dazu, sich zur Ruhe zu setzen. Ein Krankenhausaufenthalt stimmte den heute 65-Jährigen nachdenklich: „Ich bin dem Tod von der Schüppe gesprungen und ich wollte nicht, dass mein Tod irgendwann niemanden interessiert.“

Fehler machte Pfarrer menschlich

Jürgen Hüser fehlte der Zuspruch der Kirche und er erinnerte sich an die Beerdigungen seiner Schwiegereltern: „Da hatte sich Pfarrer Kreiss drum gekümmert. Er kam zwar zu spät zu der Beerdigung meiner Schwiegermutter, weil er sich mit dem Rad verfahren hatte, aber eben das hat ihn so sympathisch und menschlich gemacht“, erinnert er sich.

Außerdem habe sich der Pfarrer viel Mühe gemacht und sich umfassend über die Verstorbenen informiert. „Pfarrer Kreiss war ganz anders als man das von früher noch kannte, er lachte, war nicht so tierisch ernst drauf und machte auch mal einen Spaß“, sagt Jürgen Hüser. Noch im Krankenhaus hat der einstige Kirchenaussteiger den Wiedereintritt in die Wege geleitet. Die katholische Kirche hat im St.-Marien-Hospital ein Büro. Dort sei er hingegangen und habe um eine erneute Aufnahme gebeten.

Wiedereintritt ist nicht so leicht

Doch so einfach wie der Austritt ist der Wiedereintritt nicht. „Ich musste begründen warum ich damals ausgetreten bin und warum ich jetzt wieder in die Kirche wollte“, sagt Jürgen Hüser. Das habe er Pfarrer Kreiss ehrlich beantwortet.

Nach mehreren Wohnortwechseln innerhalb von Lünen, sollte sich der Kreis für den ehemaligen Berufskraftfahrer wieder schließen: „Ich wohne wieder in Wethmar und möchte mit einem kirchlichen Segen hier sterben können.“

Das ganze Prozedere wurde anschließend zum Bischof geschickt. Er musste den Segen dafür geben und das tat er auch. Seit 2016 ist Jürgen Hüser wieder in der katholischen Kirche in Wethmar. Die St. Gottfried Gemeinde ist mittlerweile Teil der Groß-Gemeinde St. Marien.

Keine Kommunion für Wiederkehrer?

Die Zeremonie fand in einem regulären Gottesdienst statt. Jürgen Hüser sagt dazu: „Ich musste vorher beichten und ein großes Hallo von Seiten der Kirche gab es nicht. Das fand ich schade.“ Er habe lediglich bei Pfarrer Kreiss den Eindruck gehabt, dass er sich freue, eines seiner „Schäfchen“ zurückzuhaben.

Kirche empfängt Wiederkehrer nicht so herzlich, wie es sich ein Heimkehrer wünschen würde

Jürgen Hüser fand die „leise Wiederaufnahme“ in die Kirche zu leise. © Schulz-Gahmen

Allerdings, so Hüser, dürfe er nicht mehr zur heiligen Kommunion gehen, also den Leib Christi nicht mehr empfangen. Eine Begründung habe er dafür nicht bekommen.

Auf Nachfrage der Redaktion bei der Pfarrgemeinde St. Marien, antwortete Pfarrer Michael Mombauer: „Wenn jemand um Wiederaufnahme bittet und daher wieder in die Kirche aufgenommen worden ist, darf er auch wieder zur Kommunion gehen und somit den Leib Christi empfangen.“

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