Klangkunst mit Klappleitern: Percussion-Gruppe trommelt im Hilpert-Theater

rnKultur in Lünen

Eine Musikshow, die nicht als CD oder Tonkonserve funktioniert, die man live erleben muss, präsentierte die Formation „Power!Percussion“ am Freitagabend im Heinz-Hilpert-Theater.

Lünen

, 04.10.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Programm „Around the World - Welcome to the Journey“ brachte die Gruppe „Power!Percussion“ das Theater zum Beben und das Publikum zum Jubeln. Sie waren zu Gast bei der Münchner Philharmonie und den Salzburger Festspielen, beim Seoul Drum Festival und dem New Taipeh Festival in Taiwan. In Lünen haben sie zuletzt im Jahr 2017 für Begeisterung beim Publikum gesorgt.

Diesmal hatten die acht Solisten die Rhythmen der Welt im Gepäck, entführten die Zuschauer in die lauten Straßen von Hongkong, in die U-Bahn-Station von Brooklyn oder in die geheimnisvollen Tiefen des Regenwaldes. Die musikalische Reise begann entspannt mit leisen Tönen und Sphärenklängen in einer dezenten, blaudominierten Bühnenbeleuchtung mit einem ebenso dezenten Einsatz von Nebeleffekten. Doch es dauerte nicht lange, dann wurde die Lautstärke zunehmend gesteigert und „gekesselt“, was das Zeug hielt und die Ohren aushielten.

Klangspektakel mit Schlagzeugen aller Art

Doch nicht nur herkömmliche Percussion-Instrumente und exotische Trommeln wie die afrikanische Djembe, die japanische Taiko und die südamerikanische Cajon bestimmten das Akustikgeschehen. Einer der Showhöhepunkte war der Einsatz von gewöhnlichen Klappleitern, denen die Solisten die unterschiedlichsten Töne und klappernden Geräusche entlockten.

Selbst das Zuschauerklatschen wurde wie das Ergebnis von Klangkörpern einbezogen. Blechtonnen dienten als Blechtrommeln. Auch der Bühne diente als Resonanzboden. Als bewusster Kontrast wurde das 10-minütige Solo des japanischen Gasttrommlers gesetzt. Ein weiterer Höhepunkt war ein Stepptanz farbiger Gummistiefel, bei dem die Träger nicht sichtbar waren. Sie vollführten verblüffende Kunststücke, die die Zuschauer staunen ließen. Durch abwechslungsreiche Lichteffekte bekamen die Showteile immer wieder eine zusätzliche Intensität und Dramatik.

Parodie auf bayerisches Volksgut

Durchzogen war die Show von einem manchmal überraschenden, aber immer ansteckenden Humor. So wie bei der Parodie auf das bayerische Volksgut, mit Biertisch, Topfschlagen, und Volksmusikklängen, serviert mit krachlederner Hose und Trachtensocken. Selbst den Lederhosen wurden durch Schenkelklopfen Percussion-Töne entlockt.

Im Zugabenteil führten die Solisten das Publikum auf einen orientalischen Markt, auf dem man sich die Welt der Gaukler, Schlangenbeschwörer und Schleiertänzerinnen vorstellen konnte.

Das altermäßig gemischte Publikum feierte die Akteure euphorisch mit Bravorufen und stehende Ovationen. Zuschauer Karl Schönfelder urteilte: „Es war faszinierend, mit welcher Präzision, Leichtigkeit und Freude die Musiker das Programm vorgetragen haben. Sehr beeindruckt hat mich der Gast aus Japan mit seinem fulminanten Solo. Kultur auch in diesen Zeiten möglich zu machen mit so tollen Veranstaltungen, ist ein wichtiges Signal für das gesellschaftliche Zusammenleben in unserer Stadt.“

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