Kleingärten in Lünen: Corona-Flucht und Regel-Frust

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Die Nachfrage nach einem Schrebergarten in Lünen ist in der Corona-Krise besonders groß. Vor allem bei jungen Familien werden die Gartenparzellen immer beliebter – trotz vieler Regeln.

Lünen

, 15.07.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während der Corona-Krise stieg die Nachfrage nach Kleingärten in Lünen deutlich an. Vor allem junge Familien entdecken die grünen Parzellen immer mehr für sich. Manche werden aber noch immer von den Regeln abgeschreckt.

Der Schrebergarten als Zufluchtsort

Theo Pohl gehört eine der etwa 20 Parzellen der Kleingartenanlage „Buchenberg“. Der 63-Jährige ist zweiter Vorsitzender des Vereins und stellt fest: „Alle sind gerade heilfroh, einen Garten zu besitzen.“ Das gelte auch für ihn und seine Frau Eva.

Für viele Mitglieder war der Garten eine der Möglichkeiten, während der Corona-Beschränkungen den eigenen vier Wänden zu entkommen: „Das wäre schrecklich gewesen, nur zu Hause zu sitzen“, findet Eva Pohl.

Manche Gartenbesitzer mussten dann aber doch an die Kontakt-Beschränkung erinnert werden. Gelegentlich saß der ein oder andere Gast zu viel in den Gärten. „Am Ende waren wir uns aber immer einig“, berichtet Theo Pohl.

Im Vereinsheim dagegen ist schon länger kein Betrieb mehr, mittlerweile hat sich eine Wespenkolonie dort eingerichtet.

An den Fensterläden des Vereinsheims haben Wespen ein neues Zuhause gefunden.

An den Fensterläden des Vereinsheims haben Wespen ein neues Zuhause gefunden. © Dennis Görlich

Wartelisten in vielen Vereinen

In der Anlage treffen unterschiedliche Kulturen zusammen: „Wir haben hier acht verschiedene Nationalitäten im Verein, die sich aber alle gut vertragen.“ So gibt es unter anderem Mitglieder aus Polen, Russland, Tschechien und sogar aus Syrien.

Während der Corona-Krise habe der Verein viele Anfragen nach einem Garten erhalten. Das ist in Lünen keine Ausnahme. Gabriele Kubitzek vom Kleingärtner-Bezirksverband Lünen-Lüdinghausen-Selm bestätigt: „Die Nachfrage hat sich in den letzten Wochen sehr stark erhöht. Mittlerweile haben viele Gartenvereine eine Warteliste. Das gab es seit langem nicht mehr.“

Theo Pohl stellt allerdings fest: „Viele werden durch die Auflagen des Vereins abgeschreckt.“ Jedes Mitglied muss jährlich 15 Stunden Gemeinschaftsarbeit ableisten, in denen die Grünflächen oder das Vereinsheim auf Vordermann gebracht werden.

Regeln nicht mehr zeitgemäß

Nicht mehr alle Regeln, die das Bundeskleingartengesetz vorschreibt, sind noch zeitgemäß, findet Gabriele Kubitzek: „Es gibt Regeln, die dringend überholt werden müssen“, gibt die Verbandsvorsitzende zu. Dazu brauche es aber den Generationswechsel in den Vereinen, um diese Regeln den heutigen Bedürfnissen anzupassen.

So findet Kubitzek die maximal zulässige Größe einer Gartenlaube für eine vierköpfige Familie nicht mehr ausreichend. Das Bundeskleingartengesetz erlaubt eine bis zu 24 Quadratmeter große Laube – inklusive der Terassenüberdachung.

„Es gibt zu viele Auflagen, die einfach nicht mehr zu jungen Familien passen“, ist Theo Pohl überzeugt. Auch wenn es um Spielgeräte für Kinder geht, die nur begrenzt im Garten erlaubt sind, sagt der 63-Jährige: „Ich dulde sehr viel und drücke auch mal anderthalb Augen zu.“

Neuer Garten, neue Laube

Eine der jungen Familien in der Anlage am Buchenberg ist Familie Goretzka. Anfang diesen Jahres übernahmen Rajmund und Isabella Goretzka ihren neuen Garten, nachdem sie ihren alten Garten wegen des B54-Ausbaus abgeben mussten.

Mit dem neuen Garten startete die Familie wieder von vorn: „Die Hütte, die dort stand, haben wir abgerissen und eine neue gebaut“, so der 39-Jährige. Die neue Laube musste dabei bestimmten Vorgaben entsprechen. „Ein Freund von mir ist Architekt, der hat die Pläne gemacht.“

Der Familienvater habe dann wegen der Kontaktbeschränkungen fast alles allein gebaut.

Als Isabella Goretzka erste Bilder der Laube in sozialen Netzwerken teilte, seien einige Freunde überrascht gewesen: „Viele haben gedacht, wir bauen gerade ein Eigenheim“, sagt sie amüsiert.

Tatsächlich wirkt die Laube von außen wie ein kleines Einfamilienhaus, nur eben mit einer Grundfläche von 24 Quadratmetern – so wie es das Bundeskleingartengesetz seit 1983 vorschreibt.

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