Kosten für Kredite sorgen für Verluste bei Trianel

Jahresbilanz

Das Lüner Trianel-Kraftwerk zieht nach dem ersten vollen Betriebsjahr eine gemischte Bilanz. Die Stromproduktion läuft effizient und erfolgreich. Die wirtschaftliche Bilanz für das 1,4 Milliarden Euro teure Steinkohlekraftwerk ist jedoch problematisch. Auch vor Gericht ist das Thema "Trianel" noch nicht vom Tisch.

LÜNEN

, 12.03.2015, 13:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kosten für Kredite sorgen für Verluste bei Trianel

Trianel im März 2015

5,1 Milliarden Kilowattstunden Strom hat die Anlage im Stummhafen von Januar bis Dezember 2014 produziert und war damit laut Trianel zu 80 Prozent seiner Kapazitäten ausgelastet. „Wir sind mit diesem ersten Betriebsjahr sehr zufrieden“, erklärte Stefan Paul, Geschäftsführer der Kraftwerksgesellschaft. Ende 2013 war das 1,4 Milliarden Euro teure Kraftwerk in Betrieb gegangen. Der „hocheffizient erzeugte Strom“ werde in hohem Maße nachgefragt, sagte Paul, „im operativen Bereich verdienen wir damit auch Geld.“

Bei Betrachtung der  Vollkosten jedoch macht das Kraftwerk Verluste: Etwa 100 Millionen Euro haben sie laut Trianel-Sprecher Elmar Thyen 2014 betragen. Für 2015 wird mit einer ähnlichen Summe gerechnet. In den Vollkosten schlagen vor allem die Kapitalkosten für die Kredite zu Buche, mit denen der Kraftwerksbau finanziert wurde.

Die 100 Millionen Jahresverlust landen am Ende bei den zur Zeit 30 Gesellschaftern, die Anteile am Kraftwerk halten. Dazu zählen auch die Stadtwerke Lünen, die über eine Tochtergesellschaft mit 1,58 Prozent beteiligt sind. Alle Gesellschafter bezahlen den Strom aus dem Lüner Kraftwerk teurer als er zur Zeit an der Strombörse gehandelt wird. Trianel-Sprecher Elmar Thyen erinnert daran, dass der Strompreis 2008, als der Kraftwerksbau beschlossen wurde, an der Börse bei 7 Cent pro Kilowattstunde gelegen habe. Heute betrage er nicht einmal die Hälfte. Trianel macht dafür die Rahmenbedingungen der Energiewende mit dem Vorrang für geförderten Öko-Strom verantwortlich.

Verhandlung frühstens Ende 2015

Nach wie vor ist um das Kraftwerk ein Rechtsstreit anhängig. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die jüngsten behördlichen Genehmigungen für den Kraftwerksbetrieb beklagt. Trianel rechnet damit, dass die immissionsschutzrechtliche Seite eventuell im letzten Quartal 2015 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) verhandelt werden könnte. Den wasserrechtlichen Teil der Klage habe das OVG an das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen abgegeben. Dort sei ein Verhandlungstermin nicht abzusehen. „Das Gericht befasst sich zur Zeit mit Fällen aus 2011“, sagte Kraftwerksgeschäftsführer Stefan Paul.

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Seit Ende 2014 produziert das 750-Megawatt-Kraftwerk nicht nur Strom, sondern koppelt auch Fernwärme für die Stadtwerke Lünen aus. Bis zu 35 Megawatt werden ins Lüner Fernwärmenetz eingespeist. Das steigere den Wirkungsgrad des Kraftwerks auf bis zu 47,5 Prozent. Damit sei die Lüner Anlage, so Trianel, „eines der modernsten und effizientesten Steinkohlekraftwerke in Europa.“

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