Kreiss vermisste positive Würdigung Martin Luthers

Papst-Besuch

Viel Positives, aber auch reichlich Anlass zur Kritik: Deutschlandweit hat der viertägige Heimat-Besuch von Papst Benedikt XVI. geteilte Reaktionen hervorgerufen. Auch die Lüner Kirchenvertreter zeigten sich nicht zu 100 Prozent einverstanden mit den inhaltlichen Schwerpunkten des katholischen Kirchenoberhaupts.

LÜNEN

von Von Matthias Dersch

, 26.09.2011, 17:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. löste unterschiedliche Reaktionen aus.

Der Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. löste unterschiedliche Reaktionen aus.

Kirschbaums Fazit zum Papst-Besuch im Erfurter Augustinerkloster: „Es war eine große Würdigung, dass er dort war. Mehr ist mit diesem Papst aber wohl nicht zu bekommen.“ Theologisch möge seine Haltung nachvollziehbar sein, „in der täglichen Arbeit hilft uns das aber nicht“. Auch Clemens Kreiss, leitender Pfarrer der Großgemeinde St. Marien, sah Anlass zur Kritik. Auch er fand den Abstecher des Papsts nach Erfurt zwar „überaus positiv, auch in dem zeitlichen Umfang“. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass die Rolle Martin Luthers positiver gewürdigt worden wäre.“ Ohne ihn hätte sich die katholische Kirche nicht reformiert und gewandelt. Kreiss halte Luther daher „sogar für eine konfessionsverbindende Persönlichkeit“.

Benedikts kritische Worte zur Organisation der katholischen Kirche in Deutschland trafen dagegen auf Zuspruch. Zu viel Struktur bei zu wenig Glauben herrsche dort, sagte der Papst vor Kirchenvertretern. „Ihm kommt die spirituelle Grundhaltung wohl zu kurz“, meint Laienvertreter Kirschbaum, „das ist etwas, das ich auch für unsere Arbeit in der Gemeinde mitnehmen werde“. Auch Kreiss glaubt, dass die Krise der Kirche auch eine Krise des Glaubens sei. „Aber umgekehrt stimmt der Satz auch“, so der Pfarrer, der in der vom Papst gewünschten „Entweltlichung“ nicht die Lösung sieht. „In manchen Bereichen mag das greifen. Der Appell reicht nach meiner Einschätzung aber nicht aus, um die Glaubens- und Kirchenprobleme wirksam angehen zu können“, so der Theologe.

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