Kritik am Neubau der Trauerhalle in Lünen-Süd

Diskussion mit der Stadt

Sang- und klanglos ging die Trauerhalle des Kommunalfriedhofs in Lünen-Süd Anfang September in Betrieb – zum Leidwesen einiger Bürger. Die Menschen vor Ort hätten sich zumindest eine offizielle Übergabe des Gebäudes und eine dem „Rahmen angemessene Einweihung der Trauerhalle“ durch die Stadt gewünscht.

LÜNEN-SÜD

, 14.11.2016, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kritik am Neubau der Trauerhalle in Lünen-Süd

Auf Einladung von Manfred Kolodziejski (6.v.r.), Chef der SPD Lünen-Süd, trafen sich Anwohner und Vertreter der Stadt in der neuen Trauerhalle des Kommunalfriedhofes, um über den Neubau zu diskutieren.

Das wurde DEnde vergangener Woche bei einem von Manfred Kolodziejski, Chef der SPD Lünen-Süd, initiierten Ortstermins in der neuen Trauerhalle klar. Daran nahmen neben Ortspolitikern, einer Handvoll Bürgern und einem Bestatter auch Vertreter der Abteilung Stadtgrün, der Zentralen Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) und der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) teil.

Dass die Stadt so präsent war, lag vermutlich auch daran, dass sie die aufkommende Kritik an dem neuen Gebäude „durchaus ernst“ nimmt und „nicht weiter ausufern lassen“ will, wie ein städtischer Mitarbeiter am Rande des Gesprächstermins gegenüber unserer Redaktion sagte.

Kritik: Kein Kreuz in der Trauerhalle angebracht

Abgesehen von der sehr emotionalen Äußerung einer ältereren Dame, dass sie „hier auf keinen Fall liegen“ möchte, verlief die rund einstündige Diskussion in der Trauerhalle ruhig und sachlich. „Dieser christliche Friedhof hat eine sehr lange Tradition. Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass in der Trauerhalle kein Kreuz angebracht wurde. Wir brauchen ein Kreuz“, sagte der ehemalige SPD-Ratsherr Horst Loddoch.

Dem pflichtete Thorsten Fischer, Chef des gleichnamigen und seit über 60 Jahren in Lünen-Süd ansässigen Bestattungshauses, grundsätzlich bei. Den Vorschlag von ZGL-Chef Marc Stoverock, ein kostengünstiges Folienkreuz auf das schmale Glasfenster im vorderen Teil der Trauerhalle anzubringen, lehnte Fischer ab: „Aus Erfahrung weiß ich, dass manchmal auch kein Kreuz gewünscht ist.“

Sitzbänke schaffen Platzproblem in der Halle

Bestatter Thorsten Fischer sprach sich für eine mobile Kreuz-Lösung aus. Ebenso für eine, nachträgliche feierliche Einweihung der Trauerhalle. „Darauf warten die Anwohner, glauben Sie mir, das gehört einfach dazu“, sagte Fischer – und erntete dafür stillen Beifall. Kritisch äußerte sich Fischer, der nach eigenen Angaben schon vier Trauerfeiern in der neuen Halle organisiert hat, an dem schmalen Seiteneingang. Diese Lösung sei für Trauerhallen eher ungünstig.

Ungünstig sei auch, sagte Fischer weiter, dass die Sitzbänke es den Trauernden nicht gestatteten, an den Sarg des Verstorbenen zu treten. Es sei denn, es handele sich um eine kleine Anzahl von Trauergästen und nicht, wie es in der Regel der Fall sei, um Beerdigungen, an denen 40 bis 80 Personen teilnehmen. Der Bestatter schlug vor, die aufgearbeiteten, hölzernen Sitzbänke durch Stuhlreihen zu ersetzen: „Das schaffe Platz für einen Mittelgang.“ 

Bänke und Heizkörper wirken unpassend

„Die Halle wirkt total nüchtern, total kalt“, sagte Silvia Pleitner. Die Bänke passten überhaupt nicht ins Erscheinungsbild, genau so wenig wie die sichtbaren, weißen Heizkörper an den Wänden. Die Heizkörper, sagte ZGL-Mitarbeiter Ulf Holtrup, dienten nur zur Ergänzung der Fußbodenheizung, um kurzfristige Temperaturschwankungen ausgleichen zu können.

Die Trauerhalle Lünen-Süd
Der Bau der Trauerhalle hatte sich immer wieder verzögert. Erste, großzügige Entwürfe, mussten mangels Geld immer wieder abgespeckt werden. Ursprünglich sollte am 1. Oktober 2014 mit dem Bau begonnen werden. Tatsächlich fiel der Startschuss erst im September 2015. Mit dem Abriss der alten Trauerhalle kann nach Angaben de Zentralen Gebäudebewirtschaftung (ZGL) frühestens im ersten Quartal 2017 begonnen werden. Was aus der frei werdenden Fläche wird, ist laut ZGL derzeit noch völlig offen.

Kein Vordach, keine Empore, weniger Plätze

Dass ein Teil der Trauergäste bei größerem Beerdigungen im ungünstigsten Fall im Regen steht, weil es draußen keine Überdachung gibt, erklärte ZGL-Chef Marc Stovereck mit dem knappen Budget von 636.000 Euro für den Bau der Trauerhalle. Ursprünglich hatten Architekten und Planer 800.000 bis 900.000 Euro veranschlagt. Davon musste sich die Stadt wegen leerer Kassen jedoch verabschieden. Das ist auch der Grund, warum die Trauerhalle über keine Empore für eine Orgel verfügt, keine Klinkerfassade hat, und nur noch 70 statt 90 Trauernden Platz bietet.

Stadtgrün-Abteilungsleiter Thomas Herkert und ZGL-Chef Marc Stovereck versprachen Abhilfe, „da, wo es geht“. Absolute Priorität, sagte Thomas Herkert, habe in den kommenden Wochen aber die Erneuerung des Pflasters rund um die Trauerhalle: „Und wer weiß, vielleicht bleibt da ja noch ein bisschen Geld übrig?“  

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