Kühne Träume oder Realität? Was aus Wakeboarden, autonomer Logistik und Co. geworden ist

rnVorgestellt im IHK-Wirtschaftsgespräch

Wakeboarden am See bis autonomer Lkw-Verkehr - beim IHK-Wirtschaftsgespräch im Juni 2018 wurde vieles angekündigt. Passiert ist, acht Monate später, allerdings wenig. Ein Überblick.

Lünen

, 09.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Es klang vielversprechend, was Klaus Brenscheidt, stellvertretender Vorsitzender der IHK zu Dortmund, und der Lüner Wirtschaftsförderer Eric Swehla den Gästen beim Wirtschaftsgespräch im Juni 2018 erzählten. Dabei hatten die Gäste in den neuen Räumlichkeiten der Mercedes-Benz-Niederlassung noch gar nicht alles gehört, was es schon zu erzählen gäbe, sagte Brenscheidt, da fehle der „nötige Reifegrad“.

Andere, ziemlich spektakuläre Sachverhalte, waren offenbar reif genug. Zum Beispiel:

Ein Projekt mit innovativer, teilweise autonomer Logistik, an dem ein „Global Player“ beteiligt ist.

„Der Raum Dortmund/Lünen/Werne hat das Rennen gemacht“, sagte Brenscheidt damals, schon in der kommenden Woche sollte eine Delegation des „Global Player“ nach Lünen kommen, „dann wollen wir eine vertragsfeste Zusage.“

Was ist seitdem passiert?

Da hält man sich bedeckt bei der Stadt und möchte am liebsten gar nichts sagen. „Es gibt nach wie vor Kontakt“, sagt Frank Knoll, persönlicher Referent des Bürgermeisters. „Wir haben das nicht vergessen, es ist noch auf der Agenda.“

„Das Rennen gemacht?“, „Vertragsfeste Zusage?“ Davon ist nicht mehr die Rede.

Wakeboarden am Horstmarer See

Ein Investor wolle eine solche Anlage in Lünen bauen, hieß es im Juni 2018. Die Fraktionen seien informiert, die Stadt prüfe die Machbarkeit.

Neuer Stand? Fehlanzeige.

Das Wirtschaftsförderungszentrum (WZL) halte den Kontakt zum Investoren, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt, das WZL spreche außerdem weiter mit den Fraktionen. Dort, so Spangardt, gebe es aber wohl noch kein eindeutiges Meinungsbild. Immerhin habe der Stadtentwicklungsausschuss schon entschieden, dass es keine Beschränkungen in den Nutzungsmöglichkeiten gebe.

In der Ratssitzung am 11. April soll das Thema noch einmal auf der Tagesordnung stehen.

Das BitLab, ein digitaler Leuchtturm

Eine Art digitales Versuchslabor soll das werden, mit Hochleistungsrechnern, Servern und der dazugehörigen Software. Das ganze könnte den Schulen zugute kommen, aber auch den Unternehmen und normalen Lüner Bürgern. Einen zentralen Standort solle es dafür geben, sagte Brenscheidt.

Wie konkret ist das mittlerweile?

Nicht wirklich konkret. Immerhin: „Dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf liegt unsere Machbarkeitsstudie vor“, sagt Frank Knoll. Eine Umsetzung würde wohl „Hunderttausende“ kosten, deswegen braucht es Fördergelder vom Land. Einen möglichen Umsetzungsort hat die Verwaltung schon gefunden.

Die Villa Urbahn direkt neben dem Rathaus.

Eine Stadtwerke-Tochter hat die gekauft, müsste sie dann renovieren und an die Stadt vermieten. Neben dem BitLab wäre dann noch Platz für andere Nutzungen. Dem Ministerium habe diese Variante gefallen, erklärt Knoll. Am Ende müsse das aber natürlich die Politik entscheiden.

Was fehlt also noch? Eine Entscheidung der Politik und eine Förderzusage aus Düsseldorf. Ob von dort Gelder kommen, sei momentan unklarer denn je, sagt Knoll. Schließlich würde die Gelder nach dem Kohleabkommen gerade ganz neu verteilt und deutlich mehr Akteure wollten Stücke des Kuchens abbekommen.

Eine Bildungseinrichtung für forensisches Personal auf der Victoriabrache

So könnte Lünen doch noch von der möglichen Ansiedlung einer Forensik profitieren. Nur: Ob und wie die kommt, steht ja noch gar nicht fest. Die Stadt schafft gerade auf der südlichen, zur Lippe gelegenen Fläche Baurecht, damit das Land dort und nicht an der näher zur Wohnbebauung gelegenen RAG-Fläche baut. Noch klagt die Stadt ja auch gegen die Bebauung insgesamt.

Ob und wo die Forensik kommt, ist also momentan unklar. Ob eine solche Bildungseinrichtung kommt, also auch. Immerhin rückt die Entscheidung näher. Das Baurecht sollte bald geregelt sein, meint Spangardt, „es geht um Wochen.“

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