Lichtburg würde 70 - ein Kino, das Geschichten und Geschichte schrieb in Lünen

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70 Jahre ist es her, dass das Kino Lichtburg eröffnete - über Jahrzehnte ein Treffpunkt für Generationen und: Hier schlägt die Geburtsstunde für ein ganz besonderes Lüner Fest.

Lünen

, 04.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser 13. Januar 1950 war ein besonderer Tag in Lünen: Da eröffnete die Lichtburg an der Langen Straße (Ecke Wallgang). Ein Kino, das Jahrzehnte Treffpunkt für Lünerinnen und Lüner war.

Nicht nur, weil hier viele Händchen haltend viele Stunden verbringen, oder sogar die Frau oder den Mann fürs Leben finden, sondern noch aus einem anderen Grund: Hier schlägt die Geburtsstunde des Lüner Kinofestes.

Handwerker geben alles, damit alles rechtzeitig fertig wird

Und das alles, obwohl dieser Premierentag im Januar 1950 ein Freitag der 13. war. Prompt läuft auch nicht alles glatt. Dabei hatten die Handwerker Überstunden gemacht. Gut zu tun hat auch der damals 18-jährige Werner Hageneier. Seine Aufgabe: Die über 550 Klappsitze im Kinosaal mit Nummern versehen. Das erzählt er unter anderem Filmemacher Uwe Koslowski für seine Dokumentation.

Hageneier wird rechtzeitig fertig. Glücklichweise kommen die Stühle, die aus Hannover geordert wurden, rechtzeitig an, damit er loslegen kann. Und auch Malermeister Josef Kirchhoff gibt damals alles. Er verhilft dem Kinosaal zu seinem Anstrich in schmuckem Weinrot. Der Strippenzieher hier ist Karl Wüste, der für die Elektrik im Kino zuständig ist.

Lichtburg würde 70 - ein Kino, das Geschichten und Geschichte schrieb in Lünen

Ein Blick in den Kinosaal Anfang der 1950er-Jahre. © Tarrach/Heta

Aber trotz aller Anstrengungen: Es läuft nicht rund an diesem Freitag, den 13., als die ersten Premierengäste kommen, um den Film mit Dieter Borsche zu sehen: Die gelieferte Filmkopie ist offenbar mangelhaft, auch die Projektoren erweisen sich als nur bedingt tauglich. Dennoch, es gibt auch Lob: Mit der Auswahl des ersten Films („Das Siegel Gottes“) habe man eine „glückliche Hand gehabt und den alten Saal quasi über Nacht in ein Kino verwandelt“, heißt es einem Zeitungsbericht von damals. Dennoch steht der Entschluss schnell: Man schließt ein paar Tage, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Am 28. Januar nimmt man einen neuen Anlauf. Dieses Mal klappt alles.

Filmvorführungen gab es bereits 1911 an diesem Ort

Erste Filmvorführungen gab es bereits 1911 an dieser Stelle. Damals noch im großen Saal der Gaststätte Reichskrone. Das neue Kino der 50er bringt Weltstars der Leinwand nach Lünen. Es war die ganz große Zeit, bevor das Fernsehen den Kinos landesweit derart Konkurrenz macht, dass diese wirtschaftlich in die Knie gehen. Die Folge: Immer mehr Kinos verschwinden. Den Anfang machten das Capitol und das Glückauf, kurz darauf folgten die Lichtburg und das Astoria. Ende der 1970er-Jahre war von den ehemals neun Kinos der Stadt keines mehr übrig.

Lichtburg würde 70 - ein Kino, das Geschichten und Geschichte schrieb in Lünen

Ein Foto aus dem Jahr 1980, als es die Lichtburg plötzlich wieder gab. © Stadt Lünen

Im Mai 1980 dann der große Neustart der Lichtburg mit jetzt drei Sälen. Zu sehen gibt’s aus diesem Anlass „Die Blechtrommel“, Das Dschungelbuch und „1941- wo bitte geht’s nach Hollywood“. Wie bedeutsam dieses Ereignis und damit das Ende der Stadt ohne ein Kino für alle ist, wird deutlich, wenn man weiß, dass am 29. Mai die Ratsmitglieder nach ihrer Sitzung an diesem Tag gemeinsam ins Kino gehen. Sie sehen einige Szenen aus bekannten Filmen. Nach der 20-minütigen Vorführung gibt es ein zünftiges Bier, oder auch zwei. Zehn Jahre später feiert hier das Kinofest seine Premiere, damals noch in ganz kleinem Kreis. Heute hat das Lüner Kinofest Kultstatus weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Lichtburg würde 70 - ein Kino, das Geschichten und Geschichte schrieb in Lünen

Der Abrissbagger arbeitet sich vor. Ein Foto vom 24. Juli 2013. © Foto: Magdalene Quiring-Lategahn (A)

Ein Happy End gibt es für die Lichtburg nicht. 2001 wird die neue, moderne Cineworld gebaut. Am 5. Dezember 2001, um genau 16.44, schließen die Kinobetreiber ein letztes Mal den Schlüssel um. 137 Lüner sind dabei, wollen selbst „Tschüss“ sagen. Was dann folgt, ist eine lange Hängepartie. Jahre vergammelt das Gebäude. Zwischenzeitlich nutzen Vandalen die Gelegenheit, das seit Jahren leer stehende Kino komplett zu verwüsten: Sie zertrümmern die roten Sessel, zerschlagen die Scheiben, sprühen Graffiti. Das Kino ist schon zerstört, bevor die Abrissbagger kommen. Die vielen Erinnerungen aber bleiben. Heute steht hier ein Neubau - ohne Kino.

Wer mehr über die Lüner Kinogeschichte erfahren möchte, die schon 1911 am Standort der Lichtburg (im Restaurant Reichskrone) begann, findet reichlich Interessantes in der Koslowski-Doku „Heimat Kino“, die gibt es noch in den Buchhandlungen zu kaufen, bei der Lippe Buchhandlung auch auf Blu-ray in HD.
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