Lieferengpässe bei Medikamenten: Für Patienten ist das oft ärgerlich

rnMehr Ausfälle

Apotheker Dagobert Ullrich erlebt es täglich: Ob Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Augentropfen oder Impfstoffe - immer mehr Arzneimittel sind von Lieferengpässen betroffen.

Lünen

, 21.05.2019, 12:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den letzten Jahren habe sich das Problem verstärkt, sagt Dagobert Ullrich, Sprecher der Lüner Apotheker. Er reagiert darauf, indem er vorsorgt und versucht, Präparate zu beschaffen. Dennoch kann es sein, dass Patienten nicht das verschriebene Medikament bekommen können. Dann weiche er auf das Präparat einer anderen Firma mit gleichen Wirkstoffen aus. Das führe mitunter zur Verwirrung, weiß Ullrich. Denn sollte beim nächsten Mal das Medikament lieferbar sein, bekomme der Patient wieder das ursprüngliche. „Wenn der Inhalt identisch ist, kann man unbesorgt auf andere Firmen übergehen. Doch Patienten sind dafür nicht immer offen.“

Umstellen auf ein Medikament der gleichen Familie

Auch Dr. Michael Funke, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, kennt das Problem. Er merkt das besonders bei dem Bluthochdruckmittel mit dem Wirkstoff Valsartan. Viele Hersteller hatten den Wirkstoff aus gleicher Quelle bezogen. Dort traten Verunreinigungen auf. Das Medikament wurde vom Markt genommen. Jetzt gibt es nur einen Hersteller, der liefern kann. Das führt zu Engpässen. „Dann muss man umstellen auf ein Medikament aus der gleichen Familie.“ Funke erklärt das am Beispiel von zwei Brüdern, die zwar ähnlich, aber nicht gleich sind. „Es ist ärgerlich für beide Seiten.“ Manchmal müsse bei dem neuen Produkt die Dosierung angepasst werden: Statt einer Tablette müssten dann zwei genommen werden.

Sarah Doll, Vorsitzende der Bezirksgruppe Unna des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, verweist in einer Mitteilung auf eine Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aktuelle Lieferengpässe führt: Sie ist 200 Zeilen lang.

Sorge um die Patienten

Mitunter müsse sie Patienten zurück zum Arzt schicken, damit er die Medikation umstellt, heißt es in der Mitteilung. „Das kostet uns Zeit, weil wir viel erklären müssen, ist aber vor allem für die Patienten äußerst ärgerlich – und manchmal auch riskant“, warnt Doll. „Bei Patienten, die mehrere Arzneimittel zugleich einnehmen müssen, besteht die Gefahr, dass sie das neue, ungewohnte Präparat mit einem ihrer anderen Mittel verwechseln und zur falschen Tageszeit oder in der falschen Dosierung einnehmen.“ Zudem sieht sie das Risiko, dass Patienten - durch das nicht vertraute Medikament verunsichert - die Therapie abbrechen.

Rabattverträge der Krankenkassen

Warum es zu Lieferengpässen kommt, dafür hat Dagobert Ullrich mehrere Erklärungen. Die Krankenkassen handelten mit Pharmafirmen Rabattverträge aus. Die Apotheker müssten sich an diese Firmen halten. Diese würden eher in Länder verkaufen, in denen das Preisniveau höher sei. Das führe hier zur Knappheit. Auch Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen erschwerten die Situation.

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