Lieferengpässe von Medikamenten nehmen auch in Lünen weiter zu - das sind die Gründe

rnApotheken-Ärger

Man braucht ein lebenswichtiges Medikament, aber keine Apotheke hat es vorrätig - droht dieses Schreckenszenario auch in Lünen? Wir haben bei den Apothekern nachgefragt.

Lünen

, 25.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ärgerlich für Kunden, wenn Medikamente, die sie dringend brauchen, nicht lieferbar sind. Volker Brüning (50) ist Apotheker in Lünen und befürchtet, dass sich die Lage noch weiter verschärfen wird. Dabei habe sich die Lage in den vergangenen Monaten bereits alles andere als verbessert.

Der Kreis-Vertrauens-Apotheker sagt: „Auch der Brexit wird die Situation noch verschlimmern. Glaxo Smith Kline (gsk) ist beispielsweise ein Medikamentenhersteller aus Großbritannien.“ Wenn diese Quelle wegfalle, gäbe es weitere Lieferengpässe.

Der Grund sei einfach nachzuvollziehen: Es gibt immer weniger Hersteller für Ausgangsprodukte. Das heißt, nur sehr wenige Produzenten stellen einen bestimmten Wirkstoff her, mit dem dann weitergearbeitet werden kann, um Medikamente herzustellen. „Sogar Pharma- und Chemiekonzerne kaufen diese Stoffe mittlerweile zu“, sagt der 50-Jährige.

Politik muss eingreifen

Volker Brüning nennt ein weiteres Problembeispiel: „Wenn es für einen bestimmten Wirkstoff weltweit nur vier Produzenten gibt und einer wegen Werksmodernisierung die Produktion temporär einstellen muss, dann fällt alles in sich zusammen und Medikamente werden nicht mehr lieferbar.“

Doch er sieht noch weitere Probleme. Es müssten in seinen Augen andere Standards gelten beim Thema Gesundheit. Die Politik müsse Hersteller prüfen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Dann würden auch Lieferengpässe, die durch solche Verunreinigungen entstehen, unterbunden werden.

Graumarkt bekämpfen

„Außerdem muss der Graumarkt bekämpft werden“, sagt der Apotheker. Damit meint er, dass die Preise für Medikamente in Deutschland an die Medikamentenpreise anderer EU-Länder angeglichen werden sollten.

Zur Zeit gebe es einen deutlichen Preisunterschied.

Das habe zur Folge, dass Zwischenhändler (Großhändler) Waren beim Hersteller erwerben und lieber in andere EU-Länder weiterverkaufen, weil sie so mehr Profit machen.

Auf diese Weise entstehe ein Ungleichgewicht auf dem deutschen Markt. „Das ist ein riesiges Problem. Es betrifft vor allem moderne Medikamente. Ein Diabetesmittel ist seit einem Jahr einfach nicht lieferbar“, sagt Volker Brüning.

Auch hier sei die Politik gefordert. Die Preisfindung der Hersteller sei intransparent. Somit hätten die Wirkstoffhersteller eine Monopolstellung. Der Apotheker hält EU-einheitlichte Preise für sinnvoll.

„Sehr angespannte Lage“

Die Liste an nicht lieferbaren Mitteln werde immer länger und eine Besserung sei nicht in Sicht. Das sieht Dagobert Ullrich (59) ähnlich. Er ist Leiter der Bärenapotheke in Lünen und gleichzeitig Sprecher der Lüner Apotheken. Dagobert Ullrich spricht von einer „sehr angespannten Lage“.

Vor allem bei dem Impfstoff Shingrix gegen Gürtelrose, bei Blutdrucksenkern und dem Wirkstoff Ibuprofen gebe es Engpässe.

Seine Taktik gegen die Lieferengpässe: Horten. „In meinem Mikrokosmos als Apotheker versuche ich mein Vorratslager aufzustocken, um Engpässe zu überbrücken.“

Wieder Großhändler das Problem

Das Problem bei seiner Taktik seien allerdings wieder die Großhändler. Diese vergeben bestimmte Kontingente und regulieren somit selbst, an wen sie wie viele Medikamente verkaufen. Das bedeutet, der Lüner Apotheker kann nicht so viele Medikamente horten, wie er benötigen würde, um seine Kunden gleichbleibend mit den Mitteln zu versorgen.

„Es kann ja sein, dass wenn ich zehn Stück von Medikament a bekomme und der Nachbar-Apotheker nur zwei bekommt, dass dieser sich dann beim Großhändler beschwert. Selbst wenn ich die zehn Stück über mehrere Wochen hinweg verkaufe“, erklärt Dagobert Ullrich.

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