Lippe Bad: Hitzige Debatten im Vorfeld

Bäderlandschaft

Im Dezember 1973 setzte CDU-Ratsherr Alfred Meermann, damals Bürgermeister von Altlünen, den ersten Spatenstich für den Bau des Hallenbades Altlünen. Ein besonderer Tag – so wie am Freitag (9.9.), wenn das Lippe Bad eröffnet wird.

LÜNEN

von Von Peter Fiedler

, 09.09.2011, 12:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erste Zeichnungen für das neue Bad.

Erste Zeichnungen für das neue Bad.

„Nach 38 Jahren dürfen sich Lüner Bürger erneut modernster Badefreuden sicher sein“, meint Meermann. Für ihn ist die Bad-Eröffnung ein schöner Anlass. Nicht alle werden ihm zustimmen. Aus Sicht etlicher Bürger ist es ein (noch) ungeliebtes Bad. Denn es soll vier andere Bäder ersetzen. Ein Blick zurück:

Die hitzige Diskussion um die Zukunft der Bäderlandschaft reicht zurück ins Jahr 2003. Die Kommunalaufsicht mahnt damals eine Reduzierung der Bäderverluste an. Die Bädergesellschaft, Tochter der Stadtwerke, erhält den politischen Auftrag, den jährlichen Verlust von 2,25 Millionen Euro aus dem Bäderbetrieb um 500 000 Euro zu drücken. Nur wie? Ein Gutachter schlägt mehrere Varianten vor.

  • Der Bäderbeirat favorisiert „Szenario 3“: Schließung der Kleinschwimmhallen Brambauer und Horstmar, Umbau des Freibades Brambauer zum ganzjährig nutzbaren Kombibad, danach Schließung eines weiteren Hallenbades, Teilüberdachung des Freibades Cappenberger See.
  • Es folgen erste Proteste von Vereinen und Schulen, die vor allem um die Kleinschwimmhallen fürchten.
  • 2004 ist die Bäderzukunft Thema im Kommunalwahlkampf.
  • 2005 gibt es neue Überlegungen: Die beiden Freibäder mit Traglufthallen überdachen, das Hallenbad Mitte und die Kleinschwimmhalle Brambauer schließen, die Kleinschwimmhalle Horstmar in Vereinsträgerschaft fortführen.
  • Als ein Gutachter die Folgekosten auf 3 Millionen Euro jährlich beziffert, begräbt der Bäderbeirat alle Überdachungspläne und schlägt im Dezember 2005 den Bau eines zentralen Hallenbades vor – bei Schließung aller anderen Bäder.
  • Jetzt brandet der Protest richtig auf. Schulen und Vereine demonstrieren, Unterschriften werden gesammelt. In nur einem Bad ist es zu eng, so der Kern der Argumentation. Doch die Mehrheit von SPD und CDU setzt das neue Bad durch. Begründung: Lünen bekommt ein nagelneues Bad. Gleichzeitig führt diese Lösung zum geringsten Defizit im Bäderbetrieb im Vergleich mit allen anderen Varianten.
  • Am 28. März 2007 fasst der Rat den entscheidenden Beschluss in namentlicher Abstimmung: Die Grünen, die UWG, die FDP, Dieter God (Statt-Partei) und Karen Hermann (CDU) votieren dagegen.
  • 2008 legt man sich auf den Standort in der Innenstadt fest. Das ehemalige Heizwerk der Stadtwerke wird ins Bad-Gebäude einbezogen. Überlegungen, das Bad nach Passivhaus-Standard zu bauen, führen 2009 zum (finanziellen) Durchbruch, weil Zuschüsse zugesagt werden.
  • Auch 2009 sind die umstrittenen Bäderbeschlüsse nochmals Thema im Kommunalwahlkampf.
  • Im August 2009 beginnt der Bau des Bades, das nach einem Wettbewerb den Namen Lippe Bad erhält.
  • Mit Beginn der Sommerferien 2011 werden die vier bestehenden Hallenbäder geschlossen. Trotz intensiver Gespräche mit Schulen und Vereinen über die Nutzungszeiten verstummt die Kritik an der Ein-Bad-Lösung nie.
  • Am Samstag, 10. September, ist der erste Tag für Badebetrieb.
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