Lubbert und die Blutstropfen der Heiligen Jungfrau

Serie: "Hundert und eine Erzählung"

Insgesamt zehn Jahre lang haben Fredy Niklowitz, Dr. Widar Lehnemann und Wilfrieß Heß an ihrem Buch "Hundert und eine Erzählung" gearbeitet. Weil die erste Auflage schon vergriffen ist, stellen wir Ihnen die spannendsten Sagen und Legenden in unserer Serie vor. In dieser Folge geht es um einen edlen Ritter von Schloss Schwansbell, Lubbert von Schwansbell.

LÜNEN

30.05.2017, 06:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heute ist Schloss Schwansbell mit dem Schlosspark (Foto) ein beliebtes Ausflugsziel. In früheren Zeiten lebte die Familie von Schwansbell dort. Um einen Ritter aus dieser Familie dreht sich die Geschichte von „Lubbert und den Blutstropfen“.

Heute ist Schloss Schwansbell mit dem Schlosspark (Foto) ein beliebtes Ausflugsziel. In früheren Zeiten lebte die Familie von Schwansbell dort. Um einen Ritter aus dieser Familie dreht sich die Geschichte von „Lubbert und den Blutstropfen“.

Lubbert von Schwansbell war ein tüchtiger Ritter vom Orden des hl. Georg in Livland im Kampf der Ruthenen gegen die Christen. Tapfer kämpfend wurde er von den Ruthenen gefangen genommen und eingekerkert. Er wurde unmenschlich behandelt; jedes Trostes und jeder Hilfe beraubt, nahm er seine Zuflucht zur Jungfrau Maria, der Mutter der Barmherzigkeit und dem einzigen Trost der Elenden.

In einen Baumstamm seines Kerkers schnitzte er sich mit einer Rippe aus Fleisch der ihm gebrachten Speise das Bild der Jungfrau Maria, den Sohn in den Armen haltend; so gut er es konnte, modellierte und bemalte er es. Vor dem Bild kniete er mehr mit der Seele als mit dem Körper nieder und sprach ein frommes Gebet zu Gott und zur seligen Jungfrau und bat um Befreiung.

Vom Gefängniswärter erwischt

Als ihn hierbei einmal der Gefängniswärter plötzlich und unerwartet überraschte, versuchte er das Bild mit dem Mantel, mit dem der Gefangene bekleidet war, zu verhüllen und zu verbergen. Als der Gefängniswärter das bemerkte, geriet er in Zorn und vermutete, unter dem Mantel sei etwas versteckt, mit dem der Gefangene das Gefängnis zu öffnen beabsichtigte, um so zu fliehen. Mit finsterer Miene wandte er sich zu ihm und riss ihm heftig den Mantel weg.

Er erblickte das von jenem gemalte Bild und schrie mit wütender Stimme: „Was bedeutet dieses Bild? Wem gehört es, warum hast du es aufgestellt? Antworte!“ Jener aber antwortete mit ehrlichem Herzen, festem Mut und ehrfürchtigem Wort: „Dieses Bild ist von mir angefertigt worden. Es stellt die Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, unseres Erlösers, dar, die ich mit frommem, demütigem Herzen verehre und an die ich täglich meine Bitten richte und meine Gebete spreche.“

Dann suchte er den Wächter zu belehren von der Menschwerdung des Sohnes der Jungfrau und Gottes und der Erlangung unseres Heils durch sein Kreuz und seinen Tod. Jener aber wollte diese Belehrung nicht und sagte in gotteslästerlichem Ton laut lachend: „Ich will ausprobieren, ob stimmt, was du sagst.“ Und er zog seinen Dolch und durchstieß das Bild dreimal.

Ritter Lubbert geschieht ein Wunder

Hierauf flossen wundersam neun Tropfen Blut aus dem Bild heraus. Der gefangene Lubbert fing sie in seinem weißen Mantel auf, er nahm sie aus tiefer Verehrung und mit großer Herzensfreude dankbar an und hütete sie beglückt. Der Gefängniswärter lief davon, erschrocken das Geschehene bedenkend, und er nahm nichts außer seiner Sünde mit.

In der folgenden Nacht aber, als Lubbert wie gewohnt seine Andacht verrichtet hatte und gerade eingeschlafen war, wurden von einem Engel seine Fußfesseln gelöst, der Kerker öffnete sich, und sogleich war er befreit. In kurzer Zeit gelangte er nach Westfalen, in sein Heimatland, und brachte die Tropfen des wunderwirkenden Blutes mit.

Pfarrkirche in Lünen erhält Teil des Blutes

Er verteilte die wertvollen Kostbarkeiten an drei Pfarrkirchen zur Aufbewahrung.Die ersten drei Tropfen gab er hier der Kirche, die der Heiligen Jungfrau gewidmet ist, für ewige Zeiten zur Bewahrung, die jährlich, wie zu sehen ist, verehrt werden, und tagtäglich geschehen hier viele Wunder. Drei weitere gab er seiner Pfarrkirche zu Derne; sie werden nicht verehrt. 

Die letzten drei überließ er der Kirche zu Waltrop zu beständiger und andauernder Erinnerung an göttliche Güte und Liebe. Die drei Tropfen in Lünen werden jährlich in Alt-Lünen den Gläubigen gezeigt und mit dem Bild der göttlichen Jungfrau in löblicher Sakramentsprozession mit anderen Reliquien stets am Pfingstdienstag herumgetragen.

(Spormecker 1536)

Dieser Text ist Teil der Serie "Lüner Sagen". Den ersten Teil finden Sie hier:

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