Nur wenige Schulen sind in der Pandemie technisch aufgerüstet worden, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. © picture alliance/dpa
Meinung

Lüften statt Luftfilter: So wird das nichts mit dem Präsenzunterricht

Sicherheit ist etwas, das sich alle wünschen. „Die Klassenräume sind sicher“, hat Lünens Bürgermeister besorgten Eltern versprochen - etwas zu vollmundig, wie unsere Autorin meint.

„Die Rente ist sicher.“ Kaum ein anderer Satz hat sich so in das politische Bewusstsein gebrannt wie dieses Zitat des ehemaligen Arbeitsministers aus dem Jahr 1986. Inzwischen weiß jedes Kind: Das war ein Satz mit x. Ohne private Vorsorge droht die Altersarmut. Wer immer eine echte Wahrheit verkünden will, sollte also besser keine rhetorische Anleihe bei Norbert Blüm machen. Schon allein deshalb darf sich Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns nicht wundern, dass er auch reflexhafte Skepsis stieß, als er rief: „Die Klassenräume sind sicher.“

Lüften, lüften, lüften – das ist das Gebot der Stunde. Was im September noch gut funktionieren mag, wird im Winter bei Eis und Schnee ein Ding der Unmöglichkeit werden. Das spricht bislang nur keiner offen aus. Wer glaubt ernsthaft, dass sich Mädchen und Jungen konzentrieren können, wenn sie in Winterjacken gehüllt mit eiskalten Füßen und klammen Fingern im Klassenraum zittern? Ich habe daran Zweifel. Und auch daran, dass sich unter solchen Bedingungen das große Ziel – ein Präsenzunterricht auf Biegen und Brechen – aufrechterhalten lässt.

Ob mehr oder weniger dröhnende Luftfilter daran entscheidend etwas ändern können? Auch da bin ich mir nicht sicher. Die Lüner Schülerinnen und Schüler haben aber mehr verdient als ein Gutachten, dass sich die Fenster in ihren Klassenräumen weit öffnen lassen.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe