Lünen als Corona-Hotspot: Die Daten und Fakten zum Verlauf der Pandemie

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Die Zahlen der Neuinfektion in Lünen steigen so stark wie noch nie. 205 Menschen sind aktuell infiziert. Wie sich die Zahlen entwickeln und wie sie einzuordnen sind. Ein Überblick.

Lünen

, 17.10.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In den vergangenen Tagen und Wochen stiegen die gemeldete Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf neue Höchstwerte. Am Donnerstag (15. Oktober) meldete das RKI 7334 neue Infektionen.

Auch die gemeldeten Fallzahlen im Kreis Unna und in Lünen steigen wieder stark. Im August sahen viele eine zweite Welle anrollen. Die Verläufe der gemeldeten Fälle in Lünen bis jetzt zeigen: So viele neue Infektionen wie aktuell hat es bislang noch nicht gegeben. Nicht im August, nicht während der ersten Welle im März.

Aufsummierte Fälle, Gesundete und aktuelle Fälle

Zunächst ein Blick auf die aufsummierten Fälle. Das aktuelle Infektionsgeschehen bildet die Kurve nur bedingt ab. Sie zeigt aber, wie sich die Fallzahlen entwickelt haben, seit das Coronavirus Lünen erreicht hat. In Lünen gab es seit der ersten gemeldeten Infektion am 12. März bislang 476 weitere. Vergleicht man die Lüner Zahlen mit denen des Kreises, fällt auf, dass die Zahl der insgesamt gemeldeten Fälle und die der aktuell Infizierten in Lünen in der vergangenen Woche deutlich stärker angestiegen sind als kreisweit. Das spiegelt die aktuell hohen neuen Fallzahlen in der Lippestadt wider.

Ein kleiner Lichtblick: Die Zahl der Todesfälle liegt nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. In Lünen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus bislang fünf Menschen. Der letzte Todesfall in der Lippestadt wurde am 9. Juni gemeldet. Kreisweit gibt es Stand 16. Oktober 44 Tote.

Blick auf die aktuell Infizierten

Eindrücklicher ist der Blick auf die Zahl der aktuell als infiziert gemeldeten Personen in Lünen. Die meldet der Kreis seit dem 6. Mai. Den höchsten gemeldeten Wert für lange Zeit gab es am 12. Mai mit 42 aktuell Infizierten. Mit Stand 16. Oktober sind aktuell 205 Personen in Lünen mit dem Coronavirus infiziert.

Werte von vor dem 6. Mai lassen sich, theoretisch, über eine Rückrechnung der gemeldeten Daten herausfinden. Allerdings nur als grobe Näherung, weshalb wir diese Werte auch nicht in den Grafiken verwenden.

Die Annahme: Eine als infiziert gemeldete Person fällt nach 14 Tagen wieder aus der Rechnung. Entweder hat man die Infektion bis dahin überstanden oder ist daran gestorben. Bei dieser Art der Berechnung hätte der Höchstwert während der ersten Welle im Frühjahr bei 54 aktuell Infizierten gelegen. Bis zum 6. Mai waren insgesamt 122 infizierte Lüner und Lünerinnen gemeldet worden.

Die Entwicklung der aktuell Infizierten auf Kreisebene verhält sich analog, wie diese Grafik zeigt:

Blick auf die 7-Tages-Inzidenzen

Ausschlaggebend für neue Einschränkungen wie Sperrstunde und Maskenpflicht sind die Werte der 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner. Die 50er-Marke hat der Kreis Unna in der vergangenen Woche überschritten. Als die Werte am vergangenen Wochenende (10. / 11. Oktober) beim Robert-Koch-Institut (RKI) eingingen, wurde der Kreis Unna als Risikogebiet eingestuft. Wichtig: Weil es von der Meldung des Kreises bis zur Erfassung beim RKI eine Meldeverzögerung gibt, stimmen die Kreiswerte zeitlich nicht mit denen des RKI überein.

Die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner lässt sich anhand der Daten auch für Lünen berechnen. 86.021 Einwohner sind laut Landesstatistikamt IT.nrw zum Stichtag am 30. Juni 2020 in der Lippestadt gemeldet. Demnach liegt die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner als relativer Vergleichswert immer über den absoluten Werten.

Aber was bringt es, diese Werte zu beachten? Schließlich zählen am Ende ohnehin die Kreiszahlen. „Den Wert für Lünen zu betrachten ist insofern sinnvoll, als dass es ja die Umgebung ist, in der ich lebe“, sagt Dr. Berthold Lenfers, Leiter des Covid-Koordinationsstabes am Katholischen Klinikum Lünen/Werne dazu. Man könne so feststellen, ob das Risiko, jemanden mit einer Infektion zu treffen, in der eigenen Umgebung, höher ist. Mit Werten um die 130 ist die Stadt Lünen aktuell (Stand 15. Oktober) eine der am stärksten betroffenen Städte im Kreisgebiet.

Mehr Tests gleich mehr Infizierte?

Ein Kritikpunkt, der immer wieder in sozialen Medien und anderen Diskussionen auftaucht: „Es wird jetzt viel mehr getestet, also gibt es auch mehr positive Fälle.“ Als Erklärung reicht das „auf keinen Fall“, sagt Dr. Lenfers dazu. Denn auch die Zahl der an Covid-19 Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, steigt wieder an. Den kreisweiten Verlauf sieht man hier:

In Lünen müssen Stand Freitag, 16. Oktober, neun Patienten und Patientinnen wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt werden. „Das wird zur Zeit von Tag zu Tag mehr“, so Lenfers. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die aktuell Erkrankten sich bereits vor 10 bis 14 Tagen angesteckt haben. „Das heißt, das wird weitergehen.“ Ein Blick zurück zeigt: Vor sechs Wochen noch gab es in Lünen und sogar kreisweit keine Covid-19-Patienten im Krankenhaus.

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