Lünen hat keinen Kontakt zu türkischer Partnerstadt

Verbindungen mit Bartin

Die Partnerschaft der Stadt Lünen mit Bartin in der Türkei ruht zurzeit. Durch die schwierige politische Situation in der Türkei sind keine Besuche in und aus Bartin möglich. Und nun? Sollte Lünen die Partnerschaft in dieser unruhigen Zeit ruhen lassen - oder weitermachen? Die Lüner Politik ist sich uneins.

LÜNEN

, 07.07.2017, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

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Dass die Partnerschaft derzeit ruht, teilte der Erste Beigeordnete Horst Müller-Baß dem Ausschuss für Kultur und Europaangelegenheiten mit. Vor sechs Jahren war die Partnerschaft Lünens mit der Stadt am Schwarzen Meer begründet worden. Zu Beginn gab es viele Begegnungen in Bartin und Lünen, vor allem von jungen Leuten. Auch Auszubildende der Stadt wurden zu einer Hospitation nach Bartin geschickt.

Nach dem Putschversuch im Sommer 2016 war es bereits schwierig geworden, Kontakt zu halten. Das hat sich bislang nicht geändert. Schon lange gab es keinen Austausch mehr. „Wir haben die Städtepartnerschaft mit den Bürgern von Bartin geschlossen und halten auch weiter Verbindung. Dennoch ruht die Partnerschaft derzeit“, so Müller-Baß. Weil die Kontakte „auf der obersten Ebene“ Bartins nicht funktionieren.

Einladungen wurde nicht angenommen

Man habe, so Müller-Baß am Donnerstag auf Anfrage, immer wieder Einladungen in die Türkei geschickt, die aber nicht angenommen worden seien. Zuletzt hatte man Teams für die „Ruhr Games“ aus Bartin eingeladen. Im Gegensatz zu anderen Partnerstädten schickte Bartin kein Team zu der sportlichen Begegnung von jungen Menschen.

Auf eine Anfrage dieser Redaktion zu den Gründen dafür reagierte die Referentin des Bürgermeisters von Bartin, Sevgi Salci, am Donnerstag nicht. Sie hatte bei unserer letzten Anfrage im September vergangenen Jahres noch gesagt, die Partnerschaft solle „mit dem gleichen Engagement und Interesse fortgeführt werden“. Das jedoch ist offenbar nicht der Fall. „Gerade, wenn es schwierig wird wie mit Bartin, sollten wir uns engagieren und ins Gespräch kommen“, meinte dazu Benedikt Wüstefeld (Bündnis 90/Die Grünen). 

Dass die Partnerschaft komplett ruhen sollte, forderte Wolfgang Manns (Gemeinsam für Lünen/GFL): „Solange Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Füßen getreten wird, sollten wir die Beziehungen ruhen lassen.“ Das wolle seine Fraktion „in naher Zukunft“ ergänzend beantragen. Ausschuss-Vorsitzender Dirk Wolf (CDU) erklärte: „Egal wie die politische Situation gerade ist, die Bürger von Bartin und die türkischstämmigen Lüner fordern uns auf, weiter zu machen.“

Konzept nach fünf Jahren neu beurteilen

Einstimmig empfahlen die Ausschussmitglieder dem Rat, das von der Verwaltung vorgelegte Konzept „zur Unterhaltung von kommunalen Partnerschaften und internationalen Kontakten“ zu beschließen. Mit dem Zusatz, es nach fünf Jahren neu zu beurteilen. Der Rat entscheidet am 13. Juli um 17 Uhr im Rathaus darüber.

Mit dem Konzept sollen auch Richtlinien für die Unterstützung von bürgerschaftlichen Initiativen in Sachen Partnerschaft fixiert werden. In den vergangenen Jahren lagen die Summen zwischen 29 000 und 36 000 Euro pro Jahr. Gefördert werden beispielsweise Aktivitäten des Vereins „Salford/Lünen“ oder anderer Vereine, die Austausch mit Partnerstädten pflegen.

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Sollte man versuchen, die Partnerschaft mit Bartin aufrecht zu erhalten? Man sollte das offen lassen – aber auch nicht alles hinnehmen, was dort abläuft. Man wird nur Partner, wenn man sich versteht und gleiche Werte unterstützt. Wenn das nicht der Fall ist, hat das keinen Sinn.

Der Bürgermeister von Bartin ist Mitglied der rechtsextremen MHP. Ein Problem? Ich glaube, das ist im Moment nicht das Problem. Als die Partnerschaft beschlossen wurde, hat die MHP ja auch schon regiert. Da gab es auch schon kritische Meinungen, es hat aber trotzdem ganz gut geklappt.

Woran liegt es dann? Die Stadt Bartin ist nicht unabhängig von Ankara. Vieles muss von dort zentral genehmigt werden, solche Erschwernisse gibt es in Bartin mit Sicherheit.

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