Lünen will "fremde Lastwagen" aus Stadt verbannen

Gegen Durchfahrtsverkehr

Die Stadt Lünen will „fremde“ Lastwagen, die Lünen nur als Durchfahrtsstrecke nutzen, möglichst von den Straßen verbannen. In einem offenen Brief an die beiden heimischen Bundestagesabgeordneten Sylvia Jörrißen (CDU) und Michael Thews (SPD) bittet Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns um politische Unterstützung.

LÜNEN

, 15.08.2017, 06:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lünen will "fremde Lastwagen" aus Stadt verbannen

Auf den Lüner Durchgangsstraßen, hier die B54 (Dortmunder Straße), sind viele Lastwagen unterwegs. Die Stadt will, dass es weniger werden.

„Die Stadt Lünen entwickelt sich zunehmend zur Durchfahrtstrecke für den Schwerlastverkehr, der – aus den unterschiedlichsten Gründen – das Kamener Kreuz umfährt und dazu die Bundes- und Landesstraßen nutzt, die mitten durch Wohngebiete und durch unsere Innenstadt führen“, schreibt Kleine-Frauns in dem am Montag von der Stadt veröffentlichten Brief.

Täglich von 800 LKW befahren

Allein der Abschnitt Hammer/Kamener Straße, so hätten aktuelle Verkehrszählungen ergeben, werde täglich vor circa 800 Fahrzeugen des Schwerlastverkehrs befahren. Ein Großteil davon sei kein Zielverkehr. Der LKW-Durchgangsverkehr „verstopft nicht nur unsere Straßen, er beschädigt sie auch auf Dauer und verschlechtert zudem die Lebensqualität in hohem Maße“, so Kleine-Frauns.

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Ihm schwebt vor, die regionalen Autobahnabfahrten mit Abfahrts-Verbotsschildern für Lastwagen zu versehen, die kein Ziel in Lünen haben, mit Ausnahme von Umleitungsverkehr bei Unfällen oder Baustellen. Lünen stehe gerne für einen Feldversuch zur Verfügung.

"Beim Minister platzieren"

Der Bürgermeister appelliert an die Abgeordneten, das Thema beim Bundesverkehrsminister „zu platzieren“. In der Schweiz sei ein entsprechendes Pilotprojekt mit Erfolg erprobt worden. SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Thews sagte bereits Unterstützung zu, will „in Kürze“  ein Gespräch vereinbaren. Es solle eine gemeinsame Aktion beider Abgeordneter, also auch von Sylvia Jörrißen (CDU) sein, „um dieses Anliegen auch in der heißen Wahlkampfphase effizient einzubringen“, teilte Thews am Montag mit.

Bei der Bezirksregierung Arnsberg, sie ist die übergeordnete Verkehrsbehörde, hält man den Vorstoß aus Lünen für ein „ziemlich dickes Brett“, erklärt Sprecher Christoph Söbbeler. Was Lünen wolle, sei Wunsch in vielen Kommunen und auch verständlich. Laut Söbbeler gibt es aber „keine kommunale Handlungsmöglichkeit“.

Definierter Straßenzweck

Denn Bundes- und Landstraßen „sind definiert als Straßen für den Fern- und Regionalverkehr, das ist ihr Daseinszweck.“ Eine Stadt könne diesen Rechtstatbestand nicht aushebeln. Dafür brauche es eine bundesgesetzliche Regelung.

Dass es in Lünen bereits die Ausnahme von der Regel gibt, nämlich ein Durchfahrtsverbot für LKW auf der Viktoriastraße, wollte Söbbeler nicht kommentieren, da ihm die konkreten Hintergründe nicht bekannt seien.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) mit Sitz in Münster bestätigt, dass Lastwagen gezielt den Weg durch Städte statt über die Autobahn nehmen: „Die Fahrer werden angewiesen, die Autobahn zu verlassen, um Maut zu sparen. Wir stehen dem ganz kritisch gegenüber“, sagt Uwe Krietsch, Leiter der Abteilung Internationaler Verkehr.

Kein Treffer im Netz

Wer im Internet mit den Stichworten „Pilotprojekt, LKW, Schweiz“ nach dem vom Bürgermeister angesprochenen Projekt sucht, landet keinen Treffer. Uwe Krietsch vom BGL sagt dazu, in der Schweiz könne im Prinzip „jeder Kanton selbst bestimmen, wie viele LKW bei ihm durchfahren. “

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