Lünens Bürgermeister fährt aus dem Risikogebiet in den Urlaub

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Die Welle der Neuinfektionen machte den Kreis Unna zum Start der Herbstferien zum Risikogebiet. Lünens Bürgermeister hat seinen Urlaub dennoch angetreten. Er mahnt zu Verantwortungsbewusstsein.

Lünen

, 21.10.2020, 10:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem ersten Wochenende der Herbstferien war klar: Der Kreis Unna und damit auch Lünen sind Risikogebiet. Damit einher ging für viele Menschen, besonders Familien, die Unsicherheit, was denn nun aus dem lang ersehnten und geplanten Urlaub wird.

Davon betroffen war auch Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, der seit dem ersten Ferienwochenende (10./11.)* seinen Herbsturlaub zusammen mit seiner Familie an der dänischen Nordseeküste verbringt. Das sei „zum Glück“ möglich, so Kleine-Frauns, denn die dänische Regierung erlaubt die Einreise aus Deutschland (www.auswaertiges-amt.de).

Eine Frage der eigenen Verantwortung

Er sei aber „ohnehin der Meinung, dass es nicht nur um ‚erlaubt‘ oder ‚nicht erlaubt‘ gehen darf“, sagt Jürgen Kleine-Frauns auf Anfrage unserer Redaktion. „Wenn uns die Reise zu riskant vorgekommen wäre, hätten wir sie nicht gemacht – selbst wenn sie nach den Buchstaben von Verordnungen oder Gesetzen erlaubt gewesen wäre.“

Am Freitag (9. Oktober) vor den Herbstferien hatte Kleine Frauns sich in einer Video-Botschaft an die Lüner gewandt und appelliert, sich an die Corona-Schutzmaßnahmen zu halten. Im Wortlaut: „Bleiben sie zu hause! Achten Sie darauf, Hygiene und Abstand einzuhalten. Und tragen Sie, wann immer es sinnvoll ist, eine Maske.“**

Es sei allerdings auch wichtig zu sehen, dass viele Menschen gerade ein dringendes Bedürfnis nach Erholung haben. „Die Corona-Krise fordert uns alle.“ Ob man in der aktuellen Lage eine Reise antreten solle oder nicht sei eine Frage, mit der sich jeder verantwortungsvoll auseinandersetzen müsse, sagt Kleine-Frauns. „Schauen Sie genau, wo es hingehen soll, wie dort die Bedingungen sind.“ Die Menschen sollten sich die Frage stellen: „Kann ich das vertreten? Ist das sicher für mich und ist das auch sicher für meine Mitmenschen?“

Diese Kriterien habe er mit seiner Familie an die eigenen Reisepläne angelegt. Ein Vorteil des Feriendomizils in Dänemark sei, „dass wir ziemlich abgelegen wohnen, wir treffen kaum Menschen.“ Das sei bereits vor Reiseantritt klar gewesen.

Gegen pauschales Beherbergungsverbot

Er setze darauf, dass der und die Einzelne Verantwortung für sich und andere übernimmt und sich bewusst macht, wie hoch das Risiko ist. „Pauschale Regeln, wie etwa Beherbergungsverbote für Menschen aus dem Kreis Unna, werden der Sache eher nicht gerecht.“

Die Amtsgeschäfte in der Lippestadt leitet in der Zwischenzeit die Erste Beigeordnete Bettina Brennenstuhl. Sie wurde vom Rat der Stadt Lünen zur allgemeinen Vertreterin des Bürgermeisters bestimmt und leitet auch den Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) in Lünen.

So ganz weg ist man als Bürgermeister aber nie. Für sein Team sei er zu erreichen. In Zeiten von Telefon und Videokonferenzen kein Problem mehr. „Aber ich versuche, das auf das Nötige zu beschränken.“

*Wir haben den Abreisezeitpunkt des Bürgermeisters ergänzt. Faktisch stand bereits seit Donnerstag (8. Oktober) fest, dass der 7-Tages-Inzidenz-Wert für den Kreis Unna die 50 überschritten hatte. Aufgrund von Meldeverzögerungen überschritt der Kreis Unna laut RKI die Grenze erst in der Nacht zu Sonntag. Nominell war der Kreis Unna vor diesem Zeitpunkt noch kein Risikogebiet. Die Entwicklungen waren vom Gesundheitsamt des Kreises Unna in der Woche vor den Herbstferien kommuniziert worden.

**(Anm. d. Red.: Wir haben dieses Zitat zunächst gekürzt wiedergegeben)

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