Ina Fornefeld (l.) leitet die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Bistums Münster in Lünen. Ingrid Löblein ist eine der Beraterinnen. © Beate Rottgardt
50 Jahre Beratungsstelle

Lüner Beraterinnen: Krise kann auch eine Chance für eine Beziehung sein

Menschen in einer Krise brauchen Hilfe - Rat finden sie bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Auch wenn sie vom Bistum Münster finanziert wird, ist sie offen für alle Ratsuchenden.

Angefangen hat alles in einem hinteren Raum der Caritas-Erziehungsberatung an der Graf-Adolf-Straße. Dort startete 1971 ein Berater mit der Lüner Dependance der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Münster für Lünen, Selm und Werne.

In diesem Jahr feiert das Team den 50. Geburtstag der Beratungsstelle. Allerdings musste das geplante Fest im Sommer wegen der Corona-Pandemie ausfallen. „Vielleicht können wir ja das 55-Jährige feiern“, meint Ina Fornefeld, die die Beratungsstelle leitet.

Großzügige Räumlichkeiten

Mittlerweile gehören vier Beraterinnen und eine Sekretärin zum Team, das seit 2015 in großzügigen Räumlichkeiten an der Pfarrer-Bremer-Straße 20 arbeitet. Im Laufe der fünf Jahrzehnte war die Beratungsstelle auch an der Marienstraße, der Graf-Adolf-Straße und der Gartenstraße untergebracht.

„In unseren Räumen fühlen wir uns wohl und hier konnten wir auch während der Pandemie auf Abstand beraten,“ so Ina Fornefeld. Da die Räume mit Schallschutztüren ausgestattet sind, gibt es auch keine Probleme mit der Privatsphäre der Ratsuchenden.

Auch wenn das Bistum Münster die Beratungsstelle zum größten Teil finanziert, sind natürlich nicht nur katholische Ratsuchende willkommen. „Zu uns können Menschen aller Konfessionen oder auch ohne Konfession kommen“, so die Leiterin. Auch gleichgeschlechtliche Paare suchen den Rat der Fachleute. „Wir nehmen die Menschen mit ihren Anliegen ernst und schauen nicht, ob und welcher Konfession sie angehören.“ Nicht nur Ehepaare, auch Paare, die ohne Trauschein zusammen leben, und Alleinstehende, die in einer Krise stecken, können die Beratung in Anspruch nehmen. Sie ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten.

Oft finden Ratsuchende durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu den Beraterinnen – weil Bekannte oder Freunde, die in einer Krise gesteckt haben, schon gute Erfahrungen gemacht haben. Auch übers Internet werden Menschen auf die Beratungsstelle aufmerksam. Oder Ärzte, das Jugendamt, sozialer Dienst und Seelsorger der Krankenhäuser und die Erziehungsberatung der Caritas verweisen an das Team.

Um den Ratsuchenden zu helfen, kooperieren die Beraterinnen auch mit anderen Beratungszentren. So wird beispielsweise ein Kommunikationstraining für Paare angeboten, die sich haben beraten lassen und ihrer Beziehung etwas Gutes tun wollen. „Das Wochenendseminar findet abwechselnd in Lünen und in Coesfeld statt“, so Beraterin Ingrid Löblein.

Das Logo der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Münster.
Das Logo der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Münster. © Bistum Münster © Bistum Münster

Seit zwölf Jahren besteht auch eine Kooperation mit dem Brustzentrum im St.-Marien-Hospital. Dort werden sowohl die betroffenen Patientinnen beraten als auch nach Wunsch Partner und Familienangehörige. Fornefeld: „Bei Kindern verweisen wir meistens an die Caritas-Erziehungsberatungsstelle.“

Paare in Krisensituationen kommen in die Beratungsstelle entweder in der Hoffnung, einen neuen Anfang versuchen zu können, oder in der Absicht, sich zu trennen. „Wenn eine Trennung unumgänglich ist, begleiten wir auch diesen Prozess“, so Ingrid Löblein, die auch eine Mediatorenausbildung hat, die in solchen Fällen zum Tragen kommt. „In dem Fall muss geklärt werden, wie die Paare es mit den Kindern regeln und auch mit dem gemeinsamen Hab und Gut.“

Herausforderung für Paare

Wenn Beziehungen in einer Krise stecken, wirkt sich das auch auf die Sexualität aus. Ingrid Löblein bietet deshalb auch Sexualberatung an: „Wenn Konflikte da sind, gibt es auch sexuelle Probleme. Dafür haben wir ein bestimmtes Konzept. Oft hilft es schon, wenn die Paare hören, dass sie nicht alleine mit diesem Problem da stehen.“

Eine große Herausforderung für Paare ist es, so Ingrid Löblein, alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Gerade wenn kleine Kinder da und beide berufstätig sind, bleibt oft nicht mehr viel Zeit für die Partnerschaft übrig. Wichtig sei aber bei allen Anforderungen, sich auch entspannte Zeit zu zweit zu nehmen.

„Man sollte auch bedenken, dass es Kindern gut geht, wenn es den Eltern gut geht. Missstimmung in der Partnerschaft spüren sie. Unsere Arbeit mit den Eltern wirkt sich auch positiv auf die Kinder aus“, so Ina Fornefeld. Um ihnen zu helfen, ist die Beratungsstelle vernetzt und kann auch bei Bedarf an andere Stellen verweisen.

Derzeit ist es nicht einfach, in Krisen einen Therapieplatz zu finden, die Folgen der Pandemie haben die Lage noch zusätzlich verschärft. „Auch wenn es bei uns auch eine Wartezeit gibt, bekommt man bei uns doch schneller einen Termin, bei dem wir dann klären, welche Hilfe der Ratsuchende braucht und wie wir ihm helfen können“, so Ina Fornefeld.

Verbitterung spürbar

Menschen jeden Alters suchen den Rat des Teams. Partnerschafts-Probleme haben nicht nur junge Leute. „Die Menschen werden immer älter und auch in langjährigen Partnerschaften wird die Beziehung mal in Frage gestellt.“ Probleme gibt es beispielsweise, weil Menschen in eine Midlife-Crisis geraten sind, kurz vor oder nach dem Ruhestand und wenn die Kinder aus dem Hause gehen und sich die Paare wieder auf sich selbst besinnen.

Das Konfliktverhalten ändere sich im Laufe der Partnerschaft, so die Erfahrung von Ingrid Löblein: „Bei älteren Paaren, die zu uns kommen, spürt man oft Verbitterung und Resignation. Wichtig ist es immer, wertschätzender auf das zu schauen, was man miteinander geschafft hat.“

Auch bei jüngeren Paaren wird die Krise oft verschärft, weil man die guten Seiten des Anderen nicht mehr sieht. Wenn man das ändert, kann eine Krise auch eine Chance sein.

Anmeldungen bei BeratungsstelleAuch Sprechstunden in Selm und Werne
  • Anmeldungen sind telefonisch unter (02306) 301 71 214, möglich, entweder auf dem Anrufbeantworter oder zu den Dienstzeiten des Sekretariats montags von 8.30 bis 13 Uhr, dienstags von 13.30 bis 17.30 Uhr und freitags von 8.30 bis 12 Uhr.
  • Anfragen kann man auch online stellen, auf der Website der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung www.ehefamilieleben.de
  • Es werden auch Außensprechstunden in Selm und Werne angeboten – in Selm (am ersten Donnerstagnachmittag im Monat im Haus Nienkamp) und in Werne ( alle zwei Wochen montagsvormittags im Familiennetzwerk im „Bunten Haus“).
Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt