Lüner Bürgerinitiative und Arbeitskreis machen gegen Gewerbepläne im Welschenkamp mobil

rnGewerbe statt Naturschutz?

Lange war es still um die Bürgerinitiative „Stoppt den Landschaftsfraß“. Jetzt melden sich die Aktivisten zurück, mit einem offenen Brief an die Politik und einem Appell an die Lüner Bürger.

Lünen

, 06.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Am 9. Februar 2003 feierte die Bürgerinitiative „Stoppt den Landschaftsfraß“ einen historischen Erfolg: Beim ersten Bürgerentscheid der Stadt Lünen überhaupt konnte sie sich mit ihrer Position durchsetzen und die Ansiedlung von Gewerbe im Landschaftsschutzgebiet Mühlenbachtal stoppen. Schon im Vorfeld des Entscheids waren in den Diskussionen auch die Schutzgebiete Brechtener Niederung, Wethmarheide-Ost und Welschenkamp genannt worden.

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Doch wie die Stadtverwaltung vor einigen Wochen noch einmal auf Nachfrage klargestellt hatte: Der Bürgerentscheid ist nur für das Mühlenbachtal bindend. Der Welschenkamp also kommt zumindest theoretisch sehr wohl als möglicher Gewerbestandort in Frage. In der Stellungnahme der Stadt Lünen zum neuen Regionalplan ist ein entsprechender Prüfauftrag an die Verwaltung enthalten, auch im Gewerbeentwicklungskonzept, das am 11. April vom Stadtrat verabschiedet werden soll, spielt das Naturschutzgebiet eine Rolle.

Lieber Steag statt Welschenkamp

Und genau das ruft jetzt die Bürgerinitiative auf den Plan: Das Konzept sei „der dreiste Versuch, zugunsten von Spekulanten unsere letzten Natur-und Landschaftsschutzgebiete mit Beton zu versiegeln“, schreiben Hans-Georg Hamelmann, Fritz Angerstein und Michael Krippes in einem offenen Brief, den auch der Arbeitskreis für Umwelt und Heimat mitträgt. Den schwarzen Peter schiebt die Initiative der „Mehrheit von SPD und CDU im Rat der Stadt Lünen“ zu und ruft alle anderen Fraktionen auf, ihren Widerstand gegen das Konzept im Rat deutlich zu machen.

Während die CDU sich gegenüber unserer Redaktion durchaus offen für eine Entwicklung zumindest von Teilen des Welschankamps als Gewerbegebiet gezeigt hatte, wollte sich die SPD noch nicht festlegen - es gebe intern unterschiedliche Positionen. Dass Lünen Bedarf an Gewerbeflächen hat, ist generell unstrittig: Wirtschaftsförderer Eric Swehla hatte erklärt, dass man derzeit kein aktives Standortmarketing betreibe, weil man keine Flächen im Angebot hat. „Nachfragen gibt es trotzdem, und wir können sie nicht bedienen.“

Im Kern widerspricht die Bürgerinitiative diesem Problem auch nicht. Was jedoch stört: „Alles, was in Lünen noch nicht bebaut ist, wird zum Potenzial für Gewerbe-und Industrieansiedlung erklärt“, schreiben die Aktivisten in ihrem offenen Brief und fragen: „Darf man dieser Stadt, die ohnehin schon die dreckigste Luft in Deutschland und die höchste Dichte an Betrieben für Recycling hat, dieses antun?“ Stattdessen schlägt die Initiative vor, den Blick auf das stillgelegte Steag-Kraftwerk zu richten und dessen 40 Hektar großes Gelände „schnellstmöglich mit aller Kraft für neue Gewerbeansiedlungen aufzubereiten“.

Initiative traut dem Braten nicht

Der Welschenkamp, so das erklärte Ziel der Aktivisten, soll unangetastet bleiben. Liest man das Gewerbeentwicklungskonzept, stehen die Chancen gar nicht so schlecht: „Die Inanspruchnahme der Fläche für gewerbliche oder industrielle Zwecke widerspricht damit [Zielen] des Landesentwicklungsplans NRW. Eine

Abweichung von den Zielen der Raumordnung oder eine Änderung des Regionalplans erscheinen vor diesem Hintergrund aufwendig und kaum möglich.“

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Hans-Georg Hamelmann traut dem Braten nicht - im Gegenteil. Er geht davon aus, dass die Stadt und die politische Mehrheit sehr Wohl Gewerbe im Welschenkamp ansiedeln wollen: „Der Trick ist ja, dass sie nicht das ganze Gebiet umwandeln wollen, sondern nur einen Teil.“ Doch auch das hätte nach Meinung der Initiative negative Folgen für die Innenstadt, für die der Welschenkamp quasi die letzte Frischluftzufuhr darstellt. Entsprechend rufen die Aktivisten alle Bürgerinnen und Bürger Lünens auf: „Besucht am Donnerstag das Rathaus und zeigt den Ratsfrauen und Ratsherren von SPD und CDU, wo es langgeht.“

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