Hat die deutschen Wasserballerinnen bei der Weltmeisterschaft in Israel immer im Blick: Priv.-Doz. Dr. Christian Müller-Mai, Chefarzt des Klinikums Lünen, ist Teamarzt der Sportlerinnen. © Müller-Mai
Weltmeisterschaft in Israel

Lüner Chefarzt im WM-Kader: Mediziner verarztet U-20-Wasserballerinnen

Sporthose statt Arztkittel: Chefarzt Dr. Christian Müller-Mai steht zurzeit nicht am OP-Tisch. In Israel betreut er die U-20 Wasserballerinnen bei der WM. Einige Wunden hat er schon behandelt.

Wenn das Team der deutschen U2-Wasserballerinnen in den Spielstätten der israelischen Mittelmeerküste um Tore kämpft, ist Priv.-Doz-. Dr. Christian Müller-Mai direkt am Beckenrand. Bei Verletzungen kann der Chefarzt für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sportmedizin am Lüner St. Marien Hospital sofort eingreifen.

Wasserball ist ein actionreicher Kontaktsport. „Da das Wasser viele Stöße und Schläge abdämpft, kommt es vorwiegend zu Überlastungsschäden oder Kopfverletzungen“, berichtet Müller-Mai. Auch Fingerverletzungen bis hin zu Knochenbrüchen oder Rippenprellungen und -brüche kämen häufig vor. Ernste Verletzungen hab es bei dem Turnier aber noch nicht gegeben. Eine französische Spielerin kam zum Röntgen ins Krankenhaus. Der Lüner Sportmediziner hat sich bisher um verdrehte Finger, diverse Prellungen, Kratzwunden sowie aufgeplatzte Lippen gekümmert. „Alles noch im Lot und einfach zu behandeln“, berichtet er aus Israel.

Der Chefarzt ist selbst leidenschaftlicher Wasserballer. Während seines Studiums spielte er in der 2. Bundesliga. Als Krankenhausarzt gab er den Leistungssport allerdings auf und jagt jetzt nur noch hobbymäßig dem Gummiball im zwei Meter tiefen Wasser hinterher. Den Trainerschein hat der Mediziner allerdings gemacht. „Die Faszination für diesen Sport lässt mich nicht los“, sagt er.

Die deutschen U-20-Wasserballerinnen mit Trainerteam und Mannschaftsarzt Dr. Müller-Mai aus dem Klinikum Lünen (2.v.r.).
Die deutschen U-20-Wasserballerinnen mit Trainerteam und Mannschaftsarzt Dr. Müller-Mai aus dem Klinikum Lünen (2.v.r.). © Müller-Mai © Müller-Mai

2021 schon die A-Nationalmannschaft der Herren betreut

Kein Wunder, dass die U-20-Damenmannschft Christian Müller-Mai als Teamarzt wählte. Das habe ihn sehr gefreut. Schon 2021 hat der Mediziner die A-Nationalmannschaft der Herren bei zwei Länderspielen betreut.

Bei jedem Spiel fiebert der Teamarzt nun mit. Doch aufstehen darf er nur, wenn er als Arzt gefordert ist. Alles andere, wie Gesten und Äußerungen, unterliegt strengen Regeln und ist nicht erlaubt.

Bis zum 16. Oktober findet die Wasserball-Weltmeisterschaft im israelischen Netanya statt. Das deutsche Team ist nachgerückt und muss sich unter 16 Mannschaften mit starken Konkurrentinnen beweisen. In der Gruppenphase traten die deutschen Wasserballerinnen um Bundestrainer Sven Schulze gegen Teams aus Italien, Griechenland und der Slowakei an. Sie sind momentan in der Zwischenphase, in die Endrunde werden sie es wohl nicht schaffen.

Deutschland ist mit einem sehr jungen Kader vertreten und stellt das mit Abstand jüngste Team. Die Spielerinnen sind durchschnittlich zwei Jahre jünger als ihre Konkurrentinnen, „was in diesem Alter natürlich erhebliche körperliche Nachteile ergibt“, so Müller-Mai. Bei der Mannschaft handele sich um ein Perspektivteam, das für die nächsten Olympiaden, insbesondere für 2028, aufgebaut werden soll.

Keine Chance, das Land kennenzulernen

Israel ist dem Lüner Chefarzt nicht unbekannt. Er hat dort vor vielen Jahren an der Hebrew University Hadassah gearbeitet. Zeit, das Land besser kennenzulernen, bleibt ihm jetzt allerdings nicht. Kontakt nach außen sei auch wegen der Corona-Problematik verboten. „Eigentlich sehr schade“, findet Müller-Mai.

Der Aufenthalt dreht sich allein um Wasserball. Die Sportart kommt ursprünglich aus England. Sie wurde dort 1870 erfunden, 24 Jahre später kam sie nach Deutschland. Seit 1904 ist Wasserball eine olympische Disziplin und gilt damit als älteste olympische Mannschaftssportart. Gespielt wird in zwei Teams. Jeweils sechs Feldspieler oder Feldspielerinnen sind im Wasser, dazu kommt ein Torhüter oder eine Torhüterin. Ziel ist es, möglichst viele Tore zu erreichen. Der Ball muss einmal passen, bevor er ins Tor darf.

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Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn