Lüner Druckerei Holtkamp zieht nach 55 Jahren den Stecker

rnLüner Traditionsfirma

Der Jahreswechsel 2018/19 ist für die Lüner Firma und Familie Holtkamp ein besonderer: Vater Peter geht in Rente. Tochter Linda macht weiter - allerdings verzichtet sie auf die Druckerei.

Lünen

, 12.12.2018, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach 45 Jahren im Beruf und 31 Jahren als Chef der Druckerei Holtkamp freut sich Peter Holtkamp jetzt auf seinen Ruhestand. Zusammen mit Ehefrau Petra möchte er mehr von seinen beiden Enkelkindern (2 und 6) haben, reisen und sich auch ehrenamtlich engagieren. Aber erst mal will der 63-Jährige alles ruhig angehen lassen, sich an den neuen Lebensabschnitt gewöhnen.

Dass er nicht, wie sein Vater Aloys, mit über 70 noch täglich in der Druckerei stehen würde, stand für den Lüner schon lange fest. „Irgendwann hab ich mal für mich einen Lebensplan gemacht und da gab es auch den Gedanken, irgendwann in Rente zu gehen“, so Peter Holtkamp. 31 Jahre lang selbstständig und Chef einer Firma zu sein, das kostet auch Kraft. „Nun hatten meine Frau Petra und ich das Glück, dass wir beide immer gesund geblieben sind. Jetzt passte alles. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Druckerei zum Jahresende zu schließen und in Rente zu gehen.“

Einige Mitarbeiter sind über 30 Jahre in der Firma

Als er 1987 nach dem Tod des Vaters die Druckerei übernahm, hatte sie sechs Mitarbeiter. In Hochzeiten waren es 18, mittlerweile ein paar weniger. Fast alle sind bei anderen Firmen untergekommen und versorgt. Das war dem Chef wichtig: „Einige sind schon seit mehr als 30 Jahren bei uns. Ich wollte in Rente gehen, aber auch, dass meine Mitarbeiter eine Perspektive haben. Wir sind ja mittlerweile wie eine große Familie.“ Deshalb könnte er sich auch gut vorstellen, ein jährliches „Ehemaligentreffen“ zu organisieren, immer so um den 16. September herum. Denn an diesem Tag vor 55 Jahren gründete sein Vater die Firma.

Das Computerzeitalter begann, als Peter Holtkamp Chef wurde. „Wir haben schon relativ früh unsere Kalkulation am Computer gemacht“, erinnert sich der 63-Jährige. Und auch in der Druckerei schaltete er relativ schnell um auf Offsetdruck: „Wir sind immer mit der Zeit gegangen, das war wichtig, damit die Firma gut lief.“

Seit 2004 ist die Druckerei im professionellen Digitaldruck engagiert. Die Kunden kommen überwiegend aus der Region.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Holtkamp war es immer wichtig, auch etwas weiterzugeben, vor allem Institutionen zu unterstützen, die sich für Kinder und Jugendliche stark machen. „Seit 29 Jahren spenden wir immer zum Nikolaustag für Projekte und Vereine, statt Geschenke an unsere Kunden zu verteilen.“ Als Tochter Linda 1990 in die Schule kam, fiel der Startschuss für diese Aktion: „Da haben wir den Kauf eines Spielgeräts durch den Verein kinderfreundliches Lünen unterstützt, das fand ich damals richtig gut“, sagt die zweifache Mutter. Aber auch zwischendurch half Holtkamp gerne, wenn Vereine auf ihn zukamen oder wenn es um Kulturelles wie das Kinofest oder die Theatergruppe Kulisse ging.

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Als Holtkamp bekannt gab, dass er zum Jahresende seine Druckerei schließt, waren die Reaktionen der Kunden und auch der Lieferanten größtenteils positiv. „Wir haben keine wirtschaftlichen Probleme, sondern gehen in Rente und freuen uns darauf, einiges nachzuholen. Urlaube sind in den Jahren meistens auf der Strecke geblieben.“ Auch wenn ihm die Arbeit in seiner Druckerei immer noch Spaß macht. Das Gebäude soll vermietet werden - „an eine Firma, die auch hierhin und zu unserer Philosophie der Nachhaltigkeit passt“.

Firma für Werbeartikel

Wertig, nachhaltig und regional - was ihr Vater ihr vorgelebt hat, will auch Tochter Linda in ihrer eigenen Firma fortführen. Seit fast zehn Jahren kümmert sie sich um Werbeartikel für regionale Kunden. „Lünen ist eine tolle Stadt mit einem tollen sozialen Netzwerk“, sagt sie. Wie ihr Vater sich beispielsweise im City-Ring oder beim Silvestergrillen engagiert, so ist sie im Netzwerk Frau dabei.

Natürlich habe sie auch überlegt, ob sie irgendwann mal die Familiendruckerei übernehmen soll: „Aber ich habe gemerkt, dass Marketing eher meins ist.“ Jetzt freut sie sich auf das zehnte Jahr ihrer Firma - und darauf, dass ihre Kinder bald mehr von Oma und Opa haben werden.

1963 gründete Aloys Holtkamp seine Druckerei, zunächst noch an der Cappenberger Straße, ab 1971 führte er sie dann an der Döttelbeckstraße weiter. Dort wurde 1986 und 1994 angebaut. Sohn Peter absolvierte ab 1973 in der elterlichen Firma eine Ausbildung im Druckerhandwerk. 1987 starb Aloys Holtkamp und Peter übernahm die Firma. Vom historischen Buchdruck führte er die Druckerei ins Computer- und Digitalzeitalter. Peter Holtkamps Tochter Linda absolvierte ebenfalls eine Ausbildung im Druckereibereich, erhielt 2005 ihren Meisterbrief und absolvierte eine Weiterbildung. Mit 21 Jahren hielt sie als damals jüngste Medienfachwirtin Print (ehemals Industriemeister Druck) ihre Abschlussurkunde in der Hand. 2009 gründete sie ihre eigene Firma hbwa (Holtkamps besondere Werbeartikel)
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