Lüner Experte: Junge Gebrauchte schlagen Neuwagen in Corona-Pandemie

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In der Corona-Pandemie sitzt dem Verbraucher das Geld längst nicht mehr so locker in der Tasche: Große Anschaffungen wie ein Autokauf werden hinausgeschoben - auch in Lünen und Umgebung.

Lünen

, 14.11.2020, 07:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie hinterlässt nach wie vor deutliche Bremsspuren in der Automobilbranche:

„Das gilt sowohl für den Neuwagenabsatz als auch für das Werkstattgeschäft.“ Das sagte Christoph Haumann, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund/Lünen und Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen in Brambauer), am Montag (9. November) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Situation der einzelnen Kraftfahrzeug-Betriebe in der Region lasse sich nur schwer miteinander vergleichen, sagte Haumann weiter:

„Reden wir über einen reinen Reparaturbetrieb oder einen Werkstattbetrieb mit angeschlossenem Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen?“

Werkstätten und Autohäuser

Fest stehe, dass alle Werkstätten und Autohäuser im entscheidenden Vorjahresvergleich mehr oder weniger Federn gelassen hätten, erklärte der Branchenexperte. Reine Werkstattbetriebe bekämen zu spüren, dass die Menschen - auch Home-Office-bedingt - weniger Auto fahren würden und dadurch mancher Werkstattbesuch hinausgezögert werde.

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Nach wie vor aufgeschoben würde auch der Kauf eines Neuwagens wegen der vielfach vorherrschenden Ungewissheit über die eigene finanzielle Zukunft, sagte Christoph Haumann. Aktuelle Zahlen des Kraftfahrzeug-Bundesamtes untermauern die Aussagen des Innung-Obermeisters: „Der deutschlandweite Trend lässt sich ohne Weiteres auf die Situation vor Ort übertragen.“

  • Im Oktober wurden bundesweit rund 274.000 neue PKW zugelassen, das sind 3,4 Prozent mehr als im Vormonat, jedoch 3,6 Prozent weniger als im Oktober 2019.
  • Im Jahresverlauf bleibt mit 2,32 Millionen PKW ein Minus von 23,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
  • Das Geschäft mit Gebrauchtwagen entwickelte sich mit 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat leicht positiv. Insgesamt wechselten von Januar bis Oktober 5,9 Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer.

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Laut Christoph Haumann erhält das stark von Privatkunden geprägte Gebrauchtwagengeschäft einen Aufschwung durch die Corona-Krise:

Einerseits wechselten viele günstige und ältere Gebrauchtwagen die Besitzer. Zum anderen hätten die Lieferzeiten von Neuwagen dazu geführt, dass Privatkunden auf junge Gebrauchtwagen umsteigen, weil diese schnell verfügbar sind und die Kunden somit von der Mehrwertsteuer-Senkung bis Ende Dezember 2020 profitieren könnten.

  • Ein starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichneten im Oktober deutschlandweit weiterhin Wohnmobile mit 83,8 Prozent, was nach Angaben des Lüner Branchenexperten vor allem dem Trend zu individueller Mobilität während der Corona-Krise zugeschrieben werden kann.
  • Dreistellige Zuwachsraten haben auch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. So stiegen die Zulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge im Vorjahresvergleich um 365,1 Prozent, sie haben nun einen Marktanteil von 8,4 Prozent. Hybridfahrzeuge kommen auf einen Anteil von 22,9 Prozent (plus 138,5 Prozent).
  • Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Kreis Unna: Seit Mitte 2015 können hier reine Elektrofahrzeuge, aber auch beispielsweise Plug-In-Hybridfahrzeuge und Brennstoffzellenautos mit E-Kennzeichen fahren.
  • Ende September 2020 waren beim Kreis bereits 1.519 Fahrzeuge mit dem „E“ hinten im „Nummernschild“ gemeldet. Ende 2019 waren es 783 Fahrzeuge, das waren 399 mehr als im Jahr 2018 (384)

Zahlen und Fakten aus dem Kreis Unna:
  • Ende September 2020 waren 315.820 Fahrzeuge (PKW, Nutzfahrzeuge, Motorräder) im Kreis Unna zugelassen, das sind rund 1.800 mehr als im Quartal zuvor (314.010).
  • Im Vergleich zu 2018 war der Bestand an Autos 2019 um 1,6 Prozent gestiegen. Rund 245.000 PKW gab es Ende 2019 im Kreis. Auch mehr Motorräder (+1,1 Prozent; 21.194) und Nutzfahrzeuge (+3,5 Prozent; 45.778) gab es. So stieg die Zahl aller Fahrzeuge 2019 kreisweit auf rund 312.000.

Derweil soll sich die corona-bedingte Umstellung auf das „Termingeschäft“ in den Zulassungsstellen des Kreises in Unna und Lünen für die Kunden auszahlen:

„Das neue Verfahren, wonach Erledigungen rund ums Fahrzeug nur nach Terminvereinbarung möglich sind, hat sich eingespielt“, sagte eine Kreissprecherin am Montag (9.) im Gespräch mit unserer Redaktion:

„In aller Regel sind Termine innerhalb weniger Tage zu bekommen. In Einzelfällen gibt es Beschwerden, dass Wunschtermine nicht möglich sind, sodass wir vereinzelt negative Rückmeldungen erhalten. Andererseits entfallen lange Wartezeiten, die vor der Pandemielage teilweise beklagt wurden.“

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