Lüner Explosion: Verdächtiger war bereits angeklagt

Jägerstraße und Caterpillar

Der 36-Jährige Lüner, den die Polizei nach der Explosion Mitte März in einem Haus an der Jägerstraße festgenommen hat, war bereits in einem ähnlichen Fall angeklagt: Damals wurde er verdächtigt, 2015 einen Sprengsatz bei seinem Ex-Arbeitgeber Caterpillar gezündet zu haben - er wurde jedoch freigesprochen.

LÜNEN

, 10.05.2016, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lüner Explosion: Verdächtiger war bereits angeklagt

Im Caterpillar-Werk an der Industriestraße gab es im April 2014 eine Sprengstoff-Explosion. Schnell geriet ein ehemaliger Mitarbeiter ins Visier der Ermittler. Der 35-Jährige musste sich vor Gericht verantworten, am Freitag fiel das Urteil.

Versuchter Mord in rund 20 Fällen: Das wirft die Staatsanwaltschaft einem 36-jährigen Lüner vor, der Montag vor einer Woche festgenommen wurde. Seitdem sitzt der Mann, der auch schon für eine Explosion im April 2015 in einem Raum des Bergbauzulieferers Caterpillar angeklagt war, aber in erster Instanz freigesprochen wurde, in Untersuchungshaft. 

DNA-Spuren führten zum Verdächtigen

Dem Mann wird vorgeworfen, am 18. März gegen 5 Uhr morgens einen selbst gebastelten Sprengsatz an der Gasleitung im Keller eines Hauses an der Jägerstraße zur Explosion gebracht zu haben. Im schlimmsten Fall hätte so das komplette Haus in die Luft fliegen könne, zu einer Zeit, in der die meisten Hausbewohner noch geschlafen haben. DNA-Spuren am Tatort haben laut Staatsanwaltschaft zum dringenden Tatverdacht gegen den Lüner und später zur Festnahme des Mannes geführt.

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Jetzt erhebt die Ehefrau des Angeklagten (Name der Redaktion bekannt) Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden. Ihre Beschwerden richten sich vor allem gegen die Hausdurchsuchung, die am 24. März in der gemeinsamen Wohnung der Frau und des Angeklagten stattgefunden hatte. Sie sagt, dabei seien keine Zeugen anwesend gewesen.

Staatsanwalt: Durchsuchung ordnungsgemäß

Wenn Staatsanwalt oder Richter nicht selbst an der Durchsuchung teilnehmen, sollen nach Gesetz wenn möglich ein Gemeindebeamter oder zwei Mitglieder der Gemeinde anwesend sein. „Ich habe darauf hingewiesen, dass das nicht so war“, sagt die Ehefrau, „darauf hat keiner reagiert“.

Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel will sich konkret nicht zum Ablauf der Durchsuchung äußern. Nur: „Ich war nicht dabei, ansonsten ist die Durchsuchung ordnungsgemäß und den gesetzlichen Vorgaben entsprechend gelaufen.“

Waren Polizisten unnötig grob?

Die Ehefrau gibt außerdem an, die Beamten seien – auch vor ihrem 10-jährigen Sohn – unnötig grob vorgegangen. Sie ist überzeugt davon, dass ihr Mann unschuldig ist. Es gebe ja auch keine Zeugen, die ihren Mann von seinem Haus in den Keller des Hauses gehen sahen, obwohl ein Postauto vor der Tür gestanden habe. Die Familie wohnt nur wenige Häuser vom Tatort entfernt. Zu solch konkreten Angaben äußere er sich nicht, erklärte Schulte-Göbel.

Die Frau gibt zwar zu, dass ihr Mann „Polenböller“ besessen hätte, die habe er jedoch immer öffentlich und „nie mit böser Absicht“ gezündet. Weil jeder in der Nachbarschaft das wüsste, sei der Verdacht natürlich groß. „Aber er hat auch viele Böller verschenkt.“ Möglicherweise auch an Bewohner des betroffenen Hauses. Das sei geprüft worden, entgegnet Schulte-Göbel, ein Verdacht dort habe sich nicht erhärtet.

Ehefrau denkt über Anzeige nach

Die Ehefrau überlegt nun in Absprache mit ihrem Anwalt, ob sie wegen des Vorgehens bei Hausdurchsuchung und Festnahme ihres Mannes Anzeige erstatten wird.

Staatsanwalt Schulte-Göbel bestätigte unterdessen, dass der 36-jährige Lüner bereits wegen der Explosion in einem Pausenraum bei Caterpillar am 14. April 2015 angeklagt war. Weil es keine eindeutigen Beweise gab, wurde der Lüner jedoch Anfang Februar dieses Jahres vor dem Amtsgericht Lünen freigesprochen. „Die Staatsanwaltschaft ist in Berufung gegangen“, erklärte Schulte-Göbel.  

 

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