Lüner Flüchtlinge haben TBC - Risiko ist minimal

Infektionskrankheit

Mehrere Flüchtlinge in Lünen sind an Tuberkulose (TBC) erkrankt. Bei drei oder vier Personen sei die Infektionskrankheit festgestellt worden, hieß es vom St.-Marien-Hospital. Das Risiko für die Bevölkerung sei jedoch minimal. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Lünen

, 07.10.2015, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viele Tuberkulose-Fälle unter den Flüchtlingen hat es in Lünen gegeben? Es seien in den letzten Wochen „drei oder vier“ gewesen, erklärt der ärztliche Direktor des St.-Marien-Hospitals Lünen, Prof. Dr. Wolfram Wilhelm. Damit sei die Zahl zwar schon etwas höher als normal, „aber sie ist insgesamt auf sehr niedrigem Niveau“. Tuberkulose gebe es schon immer auch unter Deutschen. Im Regelfall behandelt das Klinikum etwa drei Fälle pro Jahr. Weil das Klinikum Lünen die einzige Klinik im Kreis Unna mit Infektionsstation ist, kommen auch aus der näheren Umgebung Patienten hierher. Die Kapazitäten dafür seien ausreichend.

Besteht eine Gefahr für die Bevölkerung? „Die Gefahr ist minimal“, erklärt Wilhelm. Flüchtlinge würden nach ihrer Ankunft kurzfristig geröntgt. Gibt es durch die Bilder einen Verdacht, kommt der Patient dann isoliert auf die Infektionsstation. Dort wird er weiter untersucht und schließlich behandelt. Wilhelms Fazit: „Das Risiko, sich im Kontakt mit Flüchtlingen an Tuberkulose zu infizieren, ist etwas höher, aber nicht viel." Man könne sich ja auch weiterhin an Deutschen anstecken. 

Warum haben Flüchtlinge eher Tuberkulose? Das sei eine typische Armen-Erkrankung, erklärt Wilhelm. Sie komme in den Regionen häufiger vor, in denen Krieg herrscht, Ernährung und hygienische Bedingungen schlecht sind. Die prozentuale Anteil sei also höher, aber trotzdem: „Es kommt sehr, sehr selten vor“, so Wilhelm.

Was ist Tuberkulose überhaupt? Eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lungen befällt. Als Symptome werden häufig anhaltender Husten, später mit Auswurf, und Fieber beschrieben. Unbehandelt kann die Infektionskrankheit auch auf andere Organe übergreifen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Auch das passiert aber äußerst selten. Die Tuberkulose wird meist per Tröpfcheninfektion übertragen, also etwa beim Einatmen, wenn ein Infizierter im Umkreis von etwa einem Meter niest oder hustet.

Wie wird die Krankheit behandelt? Das sei eine „komplexe medikamentöse Therapie“, sagt Wilhelm. Die dauert teilweise Wochen oder Monate, Patienten sind jedoch häufig schon früher nicht mehr ansteckend. In seltenen Einzelfällen müssen die Patienten auch operiert werden, auch das ist am St.-Marien-Hospital möglich.

Tuberkulose: Zahlen und Fakten
Tuberkulose (kurz auch TB oder TBC) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist die Lunge befällt. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulose-Erregern infiziert und jede Sekunde kommt ein neuer Fall hinzu. Man kann jedoch die Erreger in sich haben, ohne dass die Krankheit jemals ausbricht. Erkrankte werden mit Antibiotika behandelt, zudem gibt es einen Impfstoff. Die Krankheit belegt Platz 1 der tödlichen Infektionskrankheiten. Doch die Behandlungsmethoden werden immer ausgereifter - die Todesfälle gingen laut eines Berichts der Weltgesundheitsorganisation seit 1990 um 45 Prozent zurück. Zum Vergleich: Während im Jahr 2013 in Deutschland 145 Menschen an TBC starben, liegt die Zahl der jährlichen Toten durch Grippe bei rund 15.000 Personen.
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