Lüner Hausärzte suchen dringend Nachwuchs

Ärztliche Versorgung

In Lünen gehen 20 von 49 Hausärzten in den nächsten fünf bis acht Jahren in den Ruhestand und suchen Nachfolger. Nur wenige junge Ärzte wollen jedoch Praxen übernehmen. Was das für die ärztliche Versorgung vor Ort bedeutet, erklärt der Vorsitzende des Lüner Ärztevereins im Interview.

LÜNEN

von Magdalene Quiring-Lategahn

, 07.01.2017, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lüner Hausärzte suchen dringend Nachwuchs

Ein Arzt untersucht am einen Patienten mit einem Stethoskop.

121 Mitglieder zählt der Lüner Ärzteverein, in dem niedergelassene Mediziner und auch Krankenhausärzte organisiert sind. Vorsitzender Dr. Michael Funke äußert sich im Gespräch zu dem Problem, Praxisnachfolger zu finden und warum er die Schließung der Urologie am Klinikum bedauert.

Was sind die dringenden Fragen, die die niedergelassenen Mediziner beschäftigen?

Das Dringlichste ist die Nachwuchsfrage. Das zeigen die Zahlen gerade bei den Hausärzten. In Lünen sind 20 von 49 Hausärzten über 60. Sie gehen in den nächsten fünf bis acht Jahren in den Ruhestand und suchen Nachfolger. Doch der Markt ist leer. Nur wenige junge Ärzte wollen Praxen übernehmen.

Interessanterweise sind nach der Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung, alle Fachrichtungen in Lünen überversorgt. Wie kann das sein?

Die Zahl der Einwohner pro Hausarzt oder Facharzt ist genau festgelegt. Die KV sagt, es könnten ruhig noch ein paar Ärzte aufhören, dann läge die Versorgung immer noch bei 100 Prozent.

Sehen Sie das auch so?

Wir merken, wenn plötzlich Hausarztpraxen schließen. Dann kommen die Patienten. Das bedeutet mehr Arbeit für weniger Ärzte. Und die sind ja auch schon älter. Interessanterweise gibt es das Nachwuchsproblem bei den Fachärzten nicht in dem Maße. Wenn dort jemand aufhört, hat er auch einen Nachfolger gefunden. Bei Hausärzten ist das nicht der Fall.

Ein aktuelles Beispiel zeigt aber etwas anderes. Dr. Schneberger in Brambauer konnte seine Praxis an eine junge Kollegin übergeben.

Er hat ja auch schon seit sieben Jahren gesucht. Sie war die einzige, wirkliche Interessentin. Vor zwei Jahren hatte schon einmal jemand zugesagt, aber am Tag der Vertragsunterschrift wieder abgesagt. Eine andere Möglichkeit zeigt der Abschied von Dr. Engels in Alstedde. Da haben sich zwei Ärztinnen zusammengetan und teilen sich einen Arztsitz. Das ist vielleicht eine gute Chance für Frauen, die Familie und Beruf verbinden möchten.

Das Klinikum Lünen hat die Urologie geschlossen. Wie wird das von den Lüner Ärzten gesehen?

Das ist sehr, sehr schade für die Versorgung unserer Patienten in Lünen, besonders für die älteren. Sie müssen jetzt nach Dortmund oder Waltrop. Dass sich die Urologie nicht lohnt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne die Zahlen des Klinikums nicht. Aber die Entscheidung wird von allen Seiten bedauert, von den Patienten und den niedergelassenen Kollegen. Alle waren mit der Abteilung und Dr. Diederich (Chefarzt, Anm.d. Red) sehr zufrieden.

 

Seit fast einem Jahr befindet sich die Notdienstpraxis der niedergelassenen Ärzte direkt neben der Zentralen Aufnahme des Klinikums Lünen. Hat sich der Standort bewährt?

Auf jeden Fall, auch für beide Seiten. Anfangs stand ein Konkurrenzdenken im Raum, inzwischen ist die Zusammenarbeit sehr, sehr gut. Prof. Wilhelm (Ärztlicher Direktor des Klinikums, Anm. d. Red.) hat nach einem halben Jahr einen Grillabend organisiert als Dank an alle, die dort arbeiten. Er wollte damit zeigen, wie froh das Krankenhaus ist und wie gut das angelaufen ist.

Was möchten Sie anstoßen im Ärzteverein?

Wir haben vier Mal im Jahr Fortbildungen. Die sind sehr gut besucht. Neben dem Brambauer Stammtisch sind wir die einzige Organisation, die regelmäßig Fortbildungen anbietet, nachdem es das Qualitätsnetz nicht mehr gibt. Ich suche dafür Themen aus, die es nicht so oft gibt. In diesem Jahr geht es um „Innovative Arzneimittel und Regressangst“, um eine besondere Diabetes-Therapie, um Leichenschau und besondere Möglichkeiten der Radiologie, die Dr. König (Chefarzt am Klinikum Lünen, Anm.d. Red) anbietet.

Es gibt zunehmend aggressives Verhalten gegenüber Rettungskräften, Polizisten und Mitarbeitern in der Notaufnahme des Krankenhauses. Erleben das Ärzte in Praxen auch?

Bei den niedergelassenen Ärzten ist das eher nicht der Fall, abgesehen von Dr. Maru, der mal von einem Patienten mit dem Messer angegriffen wurde. Das ist aber die absolute Ausnahme. Patienten werden aggressiv, wenn sie in der Notaufnahme lange warten müssen. Daher hat das Krankenhaus ja einen Sicherheitsdienst eingesetzt.

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